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Kurze Höschen, Pompons, Bärte: Männer als Cheerleader

Wien Kurze Höschen, Pompons, Bärte: Männer als Cheerleader

Es ist ganz bewusst ein Spiel mit Klischees: Am Feld kämpfen Frauen mit vollem Körpereinsatz um den Sieg, in der Halbzeit werden sie von Männern in knappen Outfits angefeuert. Die Idee kommt an.

Wien. Sie tragen knallenge Hotpants, wackeln wild mit ihrem Po, schlagen Räder und heizen dem Publikum mit sexy Posen ein: Die „Fearleaders Vienna“ unterscheiden sich nur in einem Punkt von den aus Amerika bekannten Cheerleadern - die Gruppe aus Wien besteht ausschließlich aus Männern.

Mit Akrobatik und viel Humor wollen sie alteingesessene Rollenbilder aufbrechen. Das Konzept geht auf. „Wir wollen den Männern die Scheu nehmen, ihr machoides Verhalten abzulegen“, sagt Andreas Fleck. Für den Theatermann steht der Spaß bei den „Fearleaders“ im Vordergrund, aber ihre Performance darf gerne einen feministischen Diskurs auslösen. „Vielen stellt es alleine bei dem Wort Feminismus die Haare auf. Warum reagieren die Leute so stark?“, fragt sich der 30-Jährige mit Vollbart.

Angefangen hat alles damit, dass Freunde die Spielerinnen von „Vienna Roller Derby“ besser anfeuern wollten. Bei dem Vollkontaktsport kämpfen Frauen mit viel Körpereinsatz auf Rollschuhen um Punkte. Helm und Gebissschutz sind Pflicht, blaue Flecken und aufgeschlagene Knie sind bei den über 90 aktiven Mitglieder des Nischensports trotzdem unvermeidlich. Mit Kriegsbemalung und Kampfnamen wie „Dr. Callie Collision“, „Knockout Nora“ oder „Bitch Buchannon“ ist nichts von dem vermeintlich schwachen Geschlecht zu merken.

Etwa sieben Minuten lang springen und tanzen die acht bis zehn „Fearleaders“ in der Halbzeit in nicht typisch männlicher Manier. Aufgeführt wird die legendäre Tanzszene mit Hebefigur aus „Dirty Dancing“ ebenso wie Choreographien amerikanischer Boybands. „Die Shows bekommen wir eigentlich gar nicht mit“, sagt Spielerin Christine Klinglmayr. In der Pause steht für die 31-jährige Sportlehrerin und ihre Kolleginnen Erholung und Strategiebesprechung an.

„Aber die Gegner schauen uns immer zu und wir verwirren sie so, dass sie dann geschwächt sind“, scherzt Andreas Mayer. Der 36-jährige war auch für die Bestellung der freizügigen orange-blauen Outfits zuständig. „Ich habe alle Dressen eine Nummer zu klein bestellt, damit sie auch gut passen.“ Scham dürfen die Männer nicht mitbringen.

Fast 1900 Cheerleader sind in Österreich registriert, darunter finden sich nur 46 Männer. „Leider sind durch die vielen Filme aus Hollywood Berührungsängste entstanden“, sagte die Präsidentin des Cheerleading und Cheerdance Verbandes (ÖCCV), Claudia Polz. Die Initiative der „Fearleader“ findet sie „sehr erfrischend und lustig“.

Die Hallen mit bis zu 250 Plätzen pro Spiel sind bei den Sportlerinnen und ihre Cheerleadern praktisch immer ausverkauft. Die Stimmung unterscheidet sich von anderen Sportarten: Es wird gemeinsam angefeuert, für den Gegner geklatscht. Nach dem Spiel feiern alle.

Durch Medienberichte steigt die Aufmerksamkeit für die 2012 gegründeten „Fearleaders“ auch außerhalb des eingeschworenen Publikums. Zu dem 18-köpfigen Team wollen Männer dazustoßen, sie bieten Workshops an. Mit den Einnahmen decken sie aber gerade ihre eigenen Ausgaben. Die Sportler müssen ihr „intensives Hobby“ zunehmend professionalisieren. Mit ihrer steigenden Popularität gehen sie vorsichtig um. Eine Einladung zum Wiener-Fußball-Derby schlugen sie aus. „Wir wollen uns nicht verheizen lassen“, sagt Fleck.

Wichtig sei der Kontext ihrer Auftritte. Nicht alle würden sofort verstehen, was die Gruppe macht. Bei einem Videodreh im Grünen in Wien rief ein besorgter Fischer einmal die Polizei. Er dachte, die Männer würden einen Erotikfilm drehen.

Auch innerhalb der Familie hat es einige Zeit gebraucht, um Skepsis abzubauen. „Am Anfang war mein Papa schon verhalten, aber mittlerweile zeigt er allen ganz stolz unseren Kalender“, berichtet Mayer. In Anlehnung an den bekannten „Pirelli“-Kalender hat die Gruppe bereits zum dritten Mal ihren eigenen „Fearelli“ unter die Leute gebracht. 2016 steht ganz im Zeichen von Märchen.

dpa

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