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Levina singt für Deutschland in Kiew

ESC-Vorentscheid Levina singt für Deutschland in Kiew

Die 25-jährige Newcomerin Levina singt beim Eurovision Song Contest in Kiew für Deutschland. Sie gewann den deutschen Vorentscheid „Unser Song 2017“ in Köln mit dem Titel „Perfect Life“. Das Ziel beim Finale im Mai kann nur lauten: Bloß nicht wieder Letzter werden.

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Vertritt Deutschland beim ESC in Kiew: Isabelle „Levina“ Lueen.
 

Quelle: dpa

Köln.  1,81 Meter für Deutschland: Die 25-jährige Levina Lueen wird Deutschland am 13. Mai beim Eurovision Song Contest (ESC) in Kiew vertreten. Mit dem Titel „Perfect Life“ und ihrer tiefen, klaren Altstimme siegte die in Bonn geborene Musikstudentin gestern Abend beim deutschen ARD-Vorentscheid „Unser Song 2017“ – vor 1000 Zuschauern in exakt jenem Köln-Mülheimer Studio, in dem vor sieben Jahren Lena Meyer-Landrut ihren Siegeszug nach Oslo antrat. „Wahnsinn“, sagte Levina hinterher. „Das ist unglaublich.“

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Die 25-jährige Newcomerin Levina singt beim Eurovision Song Contest in Kiew für Deutschland. Sie gewann den deutschen Vorentscheid „Unser Song 2017“ in Köln mit dem Titel „Perfect Life“. Das Ziel beim Finale im Mai kann nur lauten: Bloß nicht wieder Letzter werden.

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„Zurück zu den Wurzeln“ hieß das Motto des runderneuerten deutschen Vorentscheids. Oder wie Barbara Schöneberger zu Beginn sagte: „Let’s make the Vorentscheid great again!“ Zweimal gab’s für Deutschland zuletzt die rote Laterne beim größten Musikereignis der Welt. Nach dem bitteren Doppeldesaster blieben nur noch zwei Möglichkeiten: Reform oder Rückzug.

Das war also neu: Keine halb berühmten, halb interessierten Stars waren am Start, keine zappeligen Scherzkekse, keine politisch umstrittenen Mannheimer Pop-Murmler oder emotional instabilen Zausel mit Last-Minute-Muffensausen. Stattdessen fünf völlig unbekannte Neulinge, ausgewählt aus 2000 Bewerbern.

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Zweimal hintereinander landete Deutschland beim Eurovision Song Contest auf dem letzten Platz. Diese Kandidaten wollen das ändern.

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Die unsterbliche musikalische Kraft alter Knacker

Alle fünf gingen in Runde eins zunächst mit einem Coversong an die Rampe. Das war dann schon putzig, wie die 20-jährige Helene Nissen aus Hollingstedt als irrlichternder Country-Kobold von der Ostsee hinter einer riesigen Gitarre ihre Partyversion von Johnny Cashs „Folsom Prison Blues“ vortrug. Sie hatte ihre Liebe zu Cash entdeckt, als sie den Film „Walk the Line“ mit Joaquin Phoenix sah. „Heul nicht!“, sagte sie hinterher keck, als Jurymitglied Lena Meyer-Landrut sich mit zitternder Unterlippe an ihre eigene Story am selben Ort erinnerte. Das ist zu begrüßen, wenn auch 20 Jahre alte Schleswiger Schülerinnen die unsterbliche musikalische Kraft alter Knacker erkennen. Die Favoritin von Jurymitglied Florian Silbereisen („Ich bleibe bei Helene“) schaffte es in Runde zwei, ebenso wie der 28-jährige Hamburger Multiinstrumentalist Axel Feige mit seiner Max-Mutzke-Stimme, der erst im Finale Levina unterlag.

Wer ist Levina? Sie wurde als Isabella Levina Lueen (ausgesprochen: Lüh-enn) in Bonn geboren, begann ihre musikalische Ausbildung in Chemnitz, trat in Kindermusicals auf und studierte dann an der Londoner Tech Music School Gesang und Komposition. Sie lebt in Berlin und London, liebt Joy Denalane, Bruno Mars und, nun ja, Süßkartoffelpommes. Und sie studiert „Master in Music Industry Management und Artist Development“. Sich selbst charakterisiert sie mit drei Worten: „kreativ, weltoffen – und groß“. „Wenn ich keinen BH trage, reichen deine Beine bis zu meinen Brüsten“, staunte Moderatorin Barbara Schöneberger, die erneut in Hochform war.

Eine Musikshow, die diesen Namen verdient

Der NDR hatte eigens internationale Produzententeams beauftragt, einen massenkompatiblen Ohrwurm zu schreiben. Am Ende standen zwei zur Auswahl: „Wildfire“ und „Perfect Life“. Bandleader Wolfgang Dahlheimer – der mit acht Musikern, sieben Streichern und drei Backgroundsängerinnen den üblichen blütenreinen Livesound erzeugte – schneiderte daraus insgesamt zehn (!) unterschiedliche Varianten: zwei passgenaue Versionen pro Teilnehmer. Das war tatsächlich mal eine Musikshow, die diesen Namen verdient. Es hat sich eben schmerzhaft gezeigt, dass mittelinteressanter, mittelorigineller, mittelengagiert vorgetragener Allerweltspop keine Chance hat beim paneuropäischen Popspektakel. Der etwas verzwickte Modus freilich führte dazu, dass vier vorproduzierte Sänger-Song-Kombinationen in der Show überhaupt nicht zu hören waren. „Das ist schon anspruchsvoll“, warnte Schöneberger.

Kompakt-Casting also mit frischen Gesichtern. Eine Art musikalisches Speeddating. Es ist freilich schwer für eine ins kalte Wasser geworfenen Pophoffnung, in nur wenigen Minuten ein Momentum zu erzeugen, das bis in die Ukraine trägt. Andererseits: Genau das ist ja der Kern des ESC. Und Levina Lueen wurde tatsächlich schnell zur Favoritin des Abends – neben der Schülerin Helene, dem sympathischen Küken der Show. Insofern erwies sich das reformierte Showformat als tauglich – auch durch das immer wieder eingeblendete europäische Stimmungsbarometer „Eurovision Vibes“, dass das deutsche Publikum beharrlich daran erinnerte, dass es beim ESC völlig wurscht ist, was dem Publikum zwischen Nordsee und Alpen gefällt. Am Ende geht’s um den finnischen Busfahrer und die rumänische Schülerin.

Von einem echten Instant-Star war nichts zu sehen

So ehrlich muss man freilich sein: Von einem Kandidaten, der in der Lage gewesen wäre, ein Millionenpublikum blitzartig um den Finger zu wickeln, einem echten Instant-Star, war am Donnerstagabend nichts zu sehen. Niemand löste sofort reflexhaft die Frage aus: Wo um alles in der Welt hast du bisher gesteckt? Das waren fünf redliche Poptalente mit und ohne Bart. Aber was soll’s? „Perfect Life“ ist ein tauglicher ESC-Titel, der allerdings zu Beginn ein wenig nach David Guettas „Titanium“ klingt.

Hat der Song eine Chance? Der ESC war zuletzt höchst politisch – zwei von drei Siegersongs waren klare politische Statements, die einen europäischen Nerv trafen, der über den Pop hinausgeht: Conchitas Toleranzhymne „Rise Like A Phoenix“ (2014) und Jamalas ukrainischer Friedensappell „1944“ (2016) über die Deportation der Krimtartaren durch Stalin. Sich allzu sehr dem Zeitgeist an den Hals zu werfen, kann allerdings auch peinlich wirken. Wenn etwa Ralph Siegel ESC-Lieder über Facebook schreibt.

Bendzko und Schweighöfer sind doch nicht ein und dieselbe Person

Musikalische Gäste der am Ende dann etwas länglichen Show (noch ein Schnelldurchlauf? Echt jetzt?) waren drei ESC-Siegerinnen: Die Österreicherin Conchita – vormals Wurst – sang eine eher wässrige Version von Lenas „Satellite“. Nicole („Ein bisschen Frieden“) ehrte Udo Jürgens mit seinem „Merci, Chérie“, und die ukrainische Siegerin von 2004, Ruslana, arbeitete sich durch eine muskulöse Variante von Loreens schwedischem Siegertitel „Euphoria“. Der einzige Mann, der an diesem Abend Playback sang, war Matthias Schweighöfer mit einem weiteren Beitrag aus der Reihe „Junge Männer mit Weltschmerz im Blick entdecken die Liebe und finden vieles traurig“. Jetzt singt der also auch noch. Nun ja. Erkenntnis des Abends: Tim Bendzko saß als drittes Mitglied in der Jury, Schweighöfer stand gleichzeitig auf der Bühne – das ist der Beweis, dass beide doch nicht ein und dieselbe Person sind.

Es war eine lange, aber fremdschamfreie Popshow, koproduziert von Raab TV. Am Ende trat Levina im Finale gegen sich selbst an – nacheinander mit beiden Titel – eine durchaus beabsichtigte dramaturgische Schrulligkeit. Und jetzt fehlt nur noch jemand, der Barbara Schöneberger ein regelmäßiges TV-Format verpasst, in dem sie endlich ihre Spontanität, ihren Mutterwitz ausspielen kann. Auf nach Kiew. Vergeigt es nicht wieder.

Von RND/Imre Grimm

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