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Panorama Mega-Beben: Entsetzen an Chiles Küste
Nachrichten Panorama Mega-Beben: Entsetzen an Chiles Küste
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02:24 03.04.2014
Santiago de Chile

Der Schrecken kam in den Abendstunden: Ein gewaltiges Erdbeben erschütterte am Dienstagabend Ortszeit den südamerikanischen Andenstaat Chile — bis gestern waren sechs Tote registriert worden. Fast ein Wunder angesichts der Stärke der Erderschütterung.

In Chile wankt häufig die Erde. Aber so ein starkes Erdbeben hat der Norden des Landes seit dem 19. Jahrhundert nicht erlebt. Die Erdstöße lösten Panik aus. Doch die Schäden halten sich in Grenzen. Das schwerste Erdbeben seit fast 150 Jahren im Norden Chiles hat mindestens sechs Menschen getötet und an weiten Teilen der Pazifikküste Tsunami-Alarm ausgelöst. Mehr als 900 000 Menschen mussten in höher gelegene Gegenden flüchten. Die Erschütterungen erreichten nach Angaben der chilenischen Erdbebenwarte CSN die Stärke 8,2. Hunderte Häftlinge nutzten das Chaos zur Flucht aus einem Gefängnis.

Das Zentrum des Bebens lag rund 100 Kilometer vor der Küste der Stadt Iquique in 38,9 Kilometern Tiefe unter dem Meeresgrund. Aus Angst vor Riesenwellen ordneten die Behörden Evakuierungen entlang der rund 5000 Kilometer langen Küstenlinie an. Am Morgen hob das Ozeanographische Institut der Marine die Tsunami-Warnung auf. Über 60

Nachbeben erreichten eine Stärke von bis zu 6,0. Das Hauptbeben war bis in die fast 500 Kilometer entfernte bolivianische Hauptstadt La Paz zu spüren. In Südperu wurden neun Menschen leicht verletzt.

Die größten Tsunami-Wellen erreichten mit 2,5 Metern Höhe den Hafen von Iquique. Mehr als hundert Fischer- und Tourismusboote wurden schwer beschädigt, wie der Fernsehsender TV Chile berichtete.

Hunderte größere Schiffe, darunter die der chilenischen Kriegsflotte, fuhren aus, um Schäden zu vermeiden. „Das Meer erreichte das erste Stockwerk der Marine-Verwaltung“, sagte der Bürgermeister von Iquique, Jorge Soria. Zudem brachen Brände in der Stadt aus. Präsidentin Michelle Bachelet erklärte drei Regionen im Norden zum Katastrophengebiet. Das Militär solle den Betroffenen helfen, aber auch Plünderungen vermeiden, sagte sie in einer Fernsehansprache. „Es sind die notwendigen Maßnahmen getroffen worden, um die Bürger und ihren Besitz zu schützen. Das Land hat die ersten Stunden dieses Notfalls gut gemeistert.“ Gestern flog sie in das betroffene Gebiet.

Es war 20.46 Uhr, als die Menschen den Boden unter ihren Füßen kräftig wanken spürten. Am stärksten traf das Beben die Stadt Iquique sowie Arica an der peruanischen Grenze. „Wir hatten große Angst.

Uns blieb nur noch, uns hinzukauern und Gott um Gnade zu bitten“, erzählte eine Frau. Dass sich etwas anbahnte, war schon in den vergangenen Wochen zu spüren: Mehr als 400 kleinere Beben hatten das Land erschüttert.

Bei den Todesopfern handele es sich um vier Männer und zwei Frauen, teilte Innenminister Rodrigo Peñalillo mit. Sie seien bei Einstürzen sowie durch Herzinfarkte gestorben. Das Beben löste auch Erdrutsche aus, zahlreiche Straßen waren blockiert. Zudem kam es zu Stromausfällen. In Arica hatte gestern Morgen noch die Hälfte der Stadt keinen Strom, erklärte Bürgermeister Salvador Urrutia. Die Telefonnetze waren überlastet, wie örtliche Medien berichteten. Flüge und Busverbindungen in die betroffenen Gebiete wurden vorübergehend eingestellt. Auch der Schulunterricht fiel vielerorts aus.

In Iquique nutzten rund 300 Häftlinge eines Frauengefängnisses das Chaos zu einem Massenausbruch. Etwa 40 von ihnen konnten allerdings wieder festgenommen werden. Zudem gab es Plünderungsversuche.

Erdbeben kommen in Chile häufiger vor. Zuletzt waren im Februar 2010 bei einem Beben der Stärke 8,8 im Süden des Landes mehr als 500 Menschen umgekommen. Das Anden-Land liegt an der Kontaktgrenze der tektonischen Nazca- und der südamerikanischen Platte.



J. Garff und M. Weibel

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