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Mehr Mord und Gewalt - und Zahlen mit Interpretationsbedarf

Kriminalstatistik Mehr Mord und Gewalt - und Zahlen mit Interpretationsbedarf

Totschlag, Sexualdelikte, Körperverletzungen - die Zahl der Gewalttaten ist laut Polizeistatistik deutlich gestiegen. Die Gesamtzahl der Straftaten allerdings nicht. Wo stecken die guten Nachrichten? Und welche Rolle spielen Zuwanderer bei der Entwicklung?

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Ein Mann greift nach einer Frau, von beiden sind nur die Schatten zu sehen.

Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/illustration

Berlin. Durch die Zuwanderung von Flüchtlingen ist zwar die Einwohnerzahl gestiegen, doch zu mehr Kriminalität in Deutschland hat das in der Summe nicht geführt. Mit rund 6,37 Millionen Fällen im vergangenen Jahr ist die Gesamtzahl der Straftaten im Vergleich zu 2015 nahezu gleich geblieben. Die Polizeiliche Kriminalstatistik, die Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Montag in Berlin vorstellte, zeigt trotzdem einige Verschiebungen.

Welche Veränderungen fallen besonders ins Auge?

Unübersehbar ist die Zunahme im Bereich der Gewaltkriminalität: Bei Mord und Totschlag wurde ein Plus von 14,3 Prozent registriert, bei Vergewaltigung und sexueller Nötigung lag der Anstieg bei 12,8 Prozent. Darüber hinaus gab es mehr als 140 000 Fälle von gefährlicher und schwerer Körperverletzung - ein Zuwachs um 9,9 Prozent.

Wie ist dieser Anstieg zu erklären?

Unter anderem durch die Flüchtlingskrise: Denn speziell bei Gewaltdelikten ist laut de Maizière die Zahl der deutschen Tatverdächtigen um ein Prozent gestiegen, die der tatverdächtigen Flüchtlinge und Asylbewerber jedoch um knapp 90 Prozent. „Da gibt es nichts zu beschönigen“, sagte der Innenminister. Er betonte aber auch: „Wir lassen es nicht zu, dass alle bei uns lebenden Flüchtlinge pauschal unter Verdacht gestellt werden.“ Die Flüchtlinge und Asylbewerber, die in der Statistik unter dem Schlagwort Zuwanderer zusammengefasst werden, machen aber nur einen vergleichsweise kleinen Teil der Tatverdächtigen aus.

Aber sprechen die Zahlen nicht eine deutliche Sprache?

Laut de Maizière befinden sich gerade unter den Flüchtlingen einzelne „intensive Mehrfachtäter“, die die Masse der gesetzestreuen Migranten in Misskredit bringen. Zudem seien unter den Flüchtlingen überdurchschnittlich viele Männer im Alter von 18 bis 21 Jahren - diese Gruppe sei auch unter deutschen Staatsbürgern besonders häufig in Straftaten verwickelt. Darüber hinaus zeigt die Statistik: Bei 80 Prozent der Fälle, in denen ein Zuwanderer Opfer einer Gewalttat wird, ist der Angreifer ebenfalls ein Zuwanderer. Das spricht dafür, dass die beengte Unterbringung in Flüchtlingsunterkünften ebenfalls eine Rolle spielen dürfte.

Also sind nur die Flüchtlinge schuld an der zunehmenden Gewalt?

Nein. Der Statistik zufolge ist bei Gewaltdelikten nämlich auch die Zahl der deutschen Tatverdächtigen angestiegen. Deshalb beklagt de Maizière ganz generell „die Verrohung in unserer Gesellschaft“. Dabei handele es sich jedoch um ein gesamtgesellschaftliches Problem, das nicht allein von Polizei und Justiz bekämpft werden könne. „Alle Teile der Gesellschaft sind hier gefragt.“

Gibt es in der Kriminalstatistik auch positive Entwicklungen?

Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist im Vergleich zu 2015 um 9,5 Prozent zurückgegangen. Der Innenminister führt das unter anderem auf die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Polizei zurück sowie auf die staatliche Förderung von häuslicher Sicherheitstechnik. „Immer mehr Wohnungseinbrüche scheitern bereits bei der Tatausführung“, erklärte de Maizière. Allerdings bedeutet das Minus einen Rückgang auf hohem Niveau. Nachdem es im vergangenen Jahr so viele Einbrüche gegeben hat wie seit den 90er Jahren nicht mehr, ist jetzt mit 151 265 Fälle gerade einmal wieder der Wert von 2014 erreicht.

dpa

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140 000 Fälle
Ein Einbrecher blickt durch eine eingeschlagene Fensterscheibe (gestellte Szene).

Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist 2016 nach Angaben der Versicherer erstmals seit zehn Jahren gesunken.

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