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Mein Ferrari, meine Yacht, mein Butler aus Europa

Brüssel Mein Ferrari, meine Yacht, mein Butler aus Europa

Der letzte Schrei bei Superreichen in Peking und Dubai: ein Butler mit europäischem Schliff. Eine Branche, die schon fast ausgestorben schien, erlebt eine Wiedergeburt. In Europa öffnen Butlerschulen — und locken mit attraktiven Verdienstaussichten.

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So wird‘s gemacht: Vincent Vermeulen (l.), ehemaliger Butler mit Ausbildung in London, gibt den Butlerschülern Cedric Depaepe und Clara Santos de Jesus im Hotel Plaza in Brüssel Anschauungsunterricht.

Brüssel. Manche Dinge, glaubt Vincent Vermeulen, werden sich so schnell nicht ändern. „Butler bügeln auch heute noch Zeitungen“, sagt er. „Damit den Herrschaften die Druckerschwärze nicht an den Fingern kleben bleibt.“ Andere Herausforderungen seien hingegen neu dazugekommen: „Butler müssen auch wissen, wie man eine Zeitung auf den Tabletcomputer lädt.“ Und sie seien gut beraten, Fremdsprachen- und kulturelle Kenntnisse zu sammeln — für den Fall, dass ihr künftiger Arbeitsplatz in China oder Russland liegt.

Vermeulen, 39 Jahre alt, ehemaliger Butler mit Ausbildung in London, sitzt in einer Suite eines Edelhotels in Brüssel. In diesen Tagen beginnt hier sein lange geplantes Projekt: die erste Butlerschule der Europahauptstadt. Schien der Beruf des Butlers in den 80er Jahren nahezu ausgestorben, wächst die Nachfrage wieder rasant. Der Belgier Vermeulen hat eine Marktlücke gewittert.

Vier Wochen dauert sein erster Intensivkurs, er kostet knapp 7000 Euro.

In Brüssel, dem Sitz der EU und der Nato, suchten viele gut Betuchte nach Butlern, glaubt Vermeulen. Weitaus mehr Arbeitsplätze verortet Vermeulen allerdings beim neuen Geldadel in Fernost, Russland und der Golfregion. „Ein Butler mit altem britischen Schliff gehört in chinesischen Millionärshaushalten zum guten Ton.“ Der Edeldiener ist in diesen Kreisen ein Statussymbol — wie der Lamborghini in der Garage oder die High-Heels von Manolo Blahnik.

Allein in China lebten laut dem chinesischen „Hurun Report“ im vergangenen Jahr 271 Dollar-Milliardäre, 40 Prozent mehr als noch zwei Jahre zuvor. Rund zwölf Millionen Millionäre weltweit hat die Beraterfirma Capgemini im Jahr 2012 gezählt, ein Zuwachs von acht Prozent gegenüber 2011. Butlerschulen wie das Londoner Bespoke Bureau berichten, sie brächten Jahr für Jahr mehr Absolventen in Fernost und arabischen Ländern unter. Daher entstehen in Europa derzeit neue Ausbildungsinstitute — während die existierenden Ableger in Schwellenländern gründen.

Clara Santos de Jesus, 21 Jahre alt, wird in Kürze den Intensivkurs bei Vermeulen beginnen. „Ich möchte auf einer Yacht im Mittelmeer arbeiten“, sagt die Belgierin mit glänzenden Augen.

Santos de Jesus hat bislang als Rezeptionistin und Assistentin in Hotels gearbeitet. „Der Dienstleistungsbereich interessiert mich sehr“, erzählt sie in makellosem Englisch. Genauso sehr brennt sie darauf, etwas von der Welt zu sehen. Mit etwas Glück und Geschick gelangen Butler an die schönsten Urlaubsorte, bekommen ihr kleines Stück vom Luxuskuchen ab. Und haben dabei ein Auskommen, das an das einer Führungskraft mit Studium heranreichen kann. „Anfangs verdient man vielleicht 30 000 bis 35 000 Euro im Jahr“, sagt Vermeulen. Mit steigender Erfahrung können es nach seinen Angaben 120 000 Euro oder mehr im Jahr werden.

Der Preis ist ein Arbeitseinsatz, der nicht selten rund um die Uhr dauert. Butler müssen Ruhe und volle Konzentration bewahren, selbst bei den spleenigsten Wünschen und schwierigsten Launen ihrer Arbeitgeber. Privatsphäre und eigenes Familienleben kommen kurz. Sie sind aber nicht unmöglich: Viele Haushalte beschäftigen gerne Ehepaare — einen Partner als Butler, den anderen als Köchin oder Haushälterin.

Kino: „Der Butler“
Harry Truman nannte ihn Gene, Gerald Ford fachsimpelte mit ihm über Golf, Ronald Reagan schrieb ihm zum Abschied herzliche Dankesworte — Eugene Allen hat acht US-Präsidenten als Butler gedient. Jetzt hat Hollywood die Geschichte des schwarzen Dieners im Weißen Haus entdeckt. „Der Butler“ — ein Film für feuchte Augen. US-Präsident Barack Obama hat den Streifen gesehen und war den Tränen nahe, „wegen einer ganzen Generation, die begabt war, aber diskriminiert wurde.“ Filmstart: 10. Oktober.
Ein Butler mit altem britischen Schliff gehört in chinesischen Millionärshaushalten zum guten Ton.“Vincent Vermeulen, Butlerausbilder

 

OZ

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