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„Miss Germany“ bei Papst Franziskus

„Miss Germany“ bei Papst Franziskus

Wenn Papst Franziskus mit Gläubigen zusammentrifft, nimmt er sich in aller Regel jede Menge Zeit. Das erlebt auch die „Miss Germany“ bei ihrem Besuch in Rom - ein ganz banales Problem kommt noch hinzu.

Rom (dpa) - Beim Papst muss auch eine „Miss Germany“ erst einmal warten. Die Audienz auf dem gut gefüllten Petersplatz ist gerade zu Ende, Franziskus dreht ab und geht zunächst in eine völlig andere Richtung.

Wie so häufig schüttelt er entspannt zahllose Hände, plaudert, scherzt, setzt einem Kind seine Kappe auf und posiert für Erinnerungsfotos mit den Gläubigen, die stundenlang ausgeharrt haben. Unter ihnen ist bei fast wolkenlosem Himmel auch die amtierende „Miss Germany“ Lena Bröder aus Nordwalde bei Münster, in royalblauer Spitze und mit Schärpe in Schwarz-Rot-Gold.

Schönheitskönigin trifft Kirchenoberhaupt: Zwar betonen die Verantwortlichen auf deutscher Seite, dass es eine solche Begegnung in der 89-jährigen Geschichte des Wettbewerbs noch nicht gegeben habe. Für den Papst dürfte es an diesem Tag aber wohl business as usual sein - so unterschiedlich und zahlreich sind die Menschen, die Franziskus bei seiner wöchentlichen Generalaudienz nah sein möchten. In seiner Ansprache wendet der Papst sich auch an die angereisten deutschen Gläubigen, erwähnt aber nur Pilger aus dem Bistum Trier mit Bischof Stephan Ackermann an der Spitze.

So dauert es mehr als eine halbe Stunde, ehe Franziskus den Weg zur „Miss Germany“ und ihren Begleitern in der ersten Reihe nahe dem Papst-Stuhl einschlägt und Lena Bröder die Begrüßung persönlich nachholen kann. „Ich habe immer wieder runtergeschielt und gesehen: Er arbeitet die Reihen ab“, erzählt sie später. Bis dahin hat sie mit der Sonne zu kämpfen und einem ganz anderen schmerzhaften Problem: Die Füße in den neuen Highheels hätten dermaßen wehgetan, dass sie die noch nicht eingelaufenen Schuhe einfach ausgezogen habe.

Aber nur bis zum großen Moment: Der Papst ist da, und die Schuhe sind wieder an den Füßen. Sie habe Franziskus mit den Worten „Heiliger Vater, wir beten für Sie“ angesprochen und ihm sogleich ihr Buch („Das Schöne in mir - Mit Glaube zum Erfolg“) überreicht, das in der kommenden Woche erscheint und für das so ein Termin im Vatikan natürlich auch recht gelegen kommt. Franziskus habe den Titel nochmal laut wiederholt. „Dann habe ich im nächsten Moment die Gunst der Stunde genutzt, und einfach ganz frech gefragt, ob wir ein Selfie machen können“, sagt Bröder. Das Bild mit Papst klappt.

Da sei der Wunsch nach einem Deutschland-Besuch des Papstes, den sie auch im Namen ihrer Schüler überbracht habe, dann wohl irgendwie untergegangen. Der Papst schreitet jedenfalls weiter zu den nächsten Gläubigen, die auch ihren großen Moment erleben wollen.

Um weniger schillernde Seiten des Lebens war es zuvor in der Ansprache des Papstes gegangen, als Franziskus vom Blinden von Jericho sprach und über alltägliche Reflexe, mit denen wir häufig Bedürftigen und am Rand der Gesellschaft stehenden Menschen begegnen.

Erst am vergangenen Sonntag hatte er sich bei einer Messe gegen die Ausgrenzung von Kranken und Behinderten stark gemacht und auch mit Blick auf den Schönheitswahn in der heutigen Zeit gesagt: „Die Welt wird nicht besser, wenn sie nur aus augenscheinlich 'perfekten' – um nicht zu sagen perfekt aufgemachten – Menschen besteht, sondern wenn die Solidarität unter den Menschen, die gegenseitige Annahme und die Achtung zunehmen.“

Was nimmt „Miss Germany“ Lena Bröder, die für einen lebendigen Glauben wirbt und sich von Katholiken deutlichere Glaubensbekenntnisse wünscht, von ihrer Papst-Begegnung in Rom mit? „Es sind viele Klischees in den Köpfen. Es ist ganz wichtig, damit aufzuräumen“, sagt sie über Skeptiker, die den Trubel um den „Miss“-Schönheitswettbewerb und ihre Religiosität für unvereinbar halten. „Und das versuche ich nach und nach. Warum sollte ich nicht Miss Germany sein, nur weil ich Religionslehrerin bin?“

Geht sie denn wieder zurück in die Schule bei Münster, wenn der Trubel der „Miss“-Wahl zu Ende ist? Die Antwort kommt blitzschnell: „Ich bin mir absolut sicher.“

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