Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 7 ° Sprühregen

Navigation:
Neue Panne in der V-Mann-Affäre „Corelli“

Berlin Neue Panne in der V-Mann-Affäre „Corelli“

Kein Ende im Fall „Corelli“: Der Verfassungsschutz hat laut einem Bericht Handys des ehemaligen V-Manns aus Zeiten der Terrorzelle NSU seit Jahren nicht ausgewertet. Das löst Spekulationen aus - und harsche Kritik am Verfassungsschutzpräsidenten.

Berlin. Die Affäre um den ehemaligen V-Mann „Corelli“ ist nach ARD-Recherchen möglicherweise größer als bisher bekannt. Mehrere Handys, die der V-Mann zwischen 2007 und 2011 benutzt hat, seien bisher nicht oder zumindest nicht vollständig ausgewertet.

Das berichtete das rbb-Inforadio unter Berufung auf Sicherheitskreise. Diese Mobiltelefone nutzte „Corelli“ demnach also vor dem Auffliegen der Neonazi-Terrorgruppe NSU 2011. Damit stellt sich laut rbb die Frage möglicher Verbindungen des Informanten zum NSU-Terror neu. Opposition und SPD übten scharfe Kritik an Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen. Mehrere Politiker forderten seinen Rücktritt.

Zuletzt hatte der Fund eines Handys und von SIM-Karten des 2014 verstorbenen Spitzels im Bundesamt für Verfassungsschutzes (BfV) für Wirbel gesorgt. Dieses Handy soll aus der Zeit nach dem Auffliegen des NSU stammen. Maaßen hatte betont, „Corelli“ habe keine Bezüge zum NSU gehabt. Gefunden wurden Karten und Handy im Panzerschrank des ehemaligen V-Mann-Führers „Corellis“.

SPD-Obmann Uli Grötsch sagte: „Ich erwarte von Herrn Maaßen, dass er sich jetzt Gedanken macht, ob er der richtige Mann an der richtigen Stelle ist.“ Auch das Bundesinnenministerium müsse nun dringend seiner Rolle als Dienst- und Aufsichtsbehörde nachkommen und die Eignung Maaßens kritisch hinterfragen.

„Wenn die Berichte über weitere unausgewertete Handys im Fall Corelli stimmen, wäre das eine erneute Bestätigung für die Vertuschungspraxis des BfV“, sagte die Linken-Obfrau im NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestags, Petra Pau, dem „Tagesspiegel“ (Donnerstag). Maaßen trage die Verantwortung, sagte Pau der „Mitteldeutschen Zeitung“.

Die Grünen forderten die Entlassung Maaßens. Die Grünen-Abgeordneten Hans-Christian Ströbele, Konstantin von Notz und Irene Mihalic sagten dem rbb, die neuesten Erkenntnisse hätten das Fass zum Überlaufen gebracht. Beim BfV habe man es beinahe täglich mit neuen Hiobsbotschaften zu tun. Auch FDP-Vize Wolfgang Kubicki forderte im „Tagesspiegel“ die Entlassung Maaßens.

Das BfV und das Innenministerium wollten zu dem rbb-Bericht im Einzelnen nicht Stellung nehmen. „Wir unterstützen die Aufklärungsarbeit und haben selbst ein Interesse daran, dass die sichergestellten Handys schnell ausgewertet werden“, sagte ein BfV-Sprecher. Man hoffe, dies sei technisch möglich.

Der Sprecher bezog sich damit darauf, dass der ehemalige Grünen-Abgeordnete Jerzy Montag den Fall „Corelli“ derzeit erneut untersucht. Montag, der bereits eine Untersuchung dazu gemacht hatte, handelt im Auftrag des Geheimdienst-Kontrollgremiums des Bundestags. Auch ein Experte im Auftrag des Bundesinnenministeriums ist mit den Vorgängen befasst. Ihm gehe es um mögliche strukturelle Mängel, sagte ein Ministeriumssprecher. Die laufende Aufklärung sei abzuwarten.

Grötsch teilte mit, auf dem neueren Handy „Corellis“ seien große Mengen von Kontaktdaten und Chatverläufen gefunden worden. Dies verspreche umfassende Erkenntnisse.

Auch der NRW-Verfassungsschutz hat laut seinem heutigen Chef bei den Ermittlungen zur NSU-Mordserie erhebliche Fehler gemacht. Man habe nicht erkannt, dass der Mord an einem türkischstämmigen Kioskbesitzer 2006 in Dortmund die Tat von Rechtsextremisten war, sagte Landesverfassungsschutz-Chef Burkhard Freier im NSU-Ausschuss des Düsseldorfer Landtags.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Brüssel

Wieder Belgien und wieder ist Molenbeek dabei. Bei nächtlichen Anti-Terror-Razzien haben Sicherheitskräfte in Belgien etliche Verdächtige festgenommen. Bestand ein Zusammenhang zur Fußball-EM?

mehr
Mehr aus Panorama
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Serie, Weltkrieg, erster Weltkrieg, zweiter Weltkrieg Teaser der den User auf die Sonderseiten zum Thema Weltkrieg führen soll image/svg+xml Image Teaser Weltkrieg 2015-09-23 de Serie Erinnerung an Weltkriege Alle Beiträge und Bildergalerien zum Thema sowie Infos zu Ausstellungen und Museen finden Sie auf unseren Sonderseiten. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier. > Erster Weltkrieg > Zweiter Weltkrieg 1914 bis 1918 1939 bis 1945
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.