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Panorama Attentäter tötet elf Menschen in Synagoge – Trump: „Angriff gegen die Menschheit“
Nachrichten Panorama Attentäter tötet elf Menschen in Synagoge – Trump: „Angriff gegen die Menschheit“
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08:49 28.10.2018
Schwer bewaffnete Sicherheitskräfte in der Nähe des Tatorts. Quelle: Alexandra Wimley/Pittsburgh Post-Gazette/AP
Pittsburgh

Die Welt hat mit Bestürzung auf ein antisemitisches Hassverbrechen mit elf Toten in den USA reagiert. Staatsmänner und -frauen aus vielen Ländern der Welt verurteilten die Tat eines 46 Jahre alten Amerikaners scharf. Er hatte am Samstag in der US-Stadt Pittsburgh während einer Taufzeremonie in einer Synagoge elf Menschen erschossen und sechs weitere verletzt. Die Polizei überwältigte den Täter und nahm ihn fest. Nach Angaben von US-Justizminister Jeff Sessions könnte ihm die Todesstrafe drohen. Die Bundesstaatsanwaltschaft erhob noch in der Nacht Anklage in insgesamt 29 Punkten gegen den Mann.

Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron, UN-Generalsekretär António Guterres und Israels Premierminister Benjamin Netanjahu verurteilten die Tat mit scharfen Worten. „Wir alle müssen uns dem Antisemitismus entschlossen entgegenstellen – überall“, schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert im Auftrag der Kanzlerin auf Twitter.

Auch Außenminister Heiko Maas zeigte sich geschockt.

Netanjahu sagte in einer Videobotschaft: „Mein Herz ist gebrochen und ich bin angewidert von der mörderischen Attacke auf eine Synagoge in Pittsburgh“, sagte Netanjahu in einem Video-Statement.

„Das gesamte israelische Volk trauert mit den Familien der Toten“, betonte der israelische Regierungschef. In Pittsburgh und auch vor dem Weißen Haus in Washington kamen am Abend spontan Menschen zusammen und trauerten gemeinsam um die Opfer.

Trump: „Angriff gegen die Menschheit“

US-Präsident Donald Trump betonte: „Diese bösartige antisemitische Attacke ist ein Angriff gegen die Menschheit.“ Das „tödliche Gift des Antisemitismus“ müsse bekämpft werden, sagte er. Er forderte schnellere Todesurteile für Mörder und deren rasche Vollstreckung. „Sie sollten wirklich den ultimativen Preis zahlen“, sagte Trump am Samstag über Menschen, die Gläubige in Gotteshäusern erschießen. „Sie sollten nicht Jahre über Jahre darauf warten.“ Vizepräsident Mike Pence schloss sich der umstrittenen Auffassung an.

Der Präsident sprach sich zudem für bewaffnetes Sicherheitspersonal bei Gottesdiensten aus. „Ein Verrückter ging hinein und sie hatten keinen Schutz“, sagte Trump über die Gemeindemitglieder. „Bewaffnete Posten hätten ihn sofort stoppen können.“ Trump ordnete am späten Samstagabend an, die US-Flagge an allen öffentlichen Gebäuden auf Halbmast zu setzen.

Behörden stufen Tat als Hassverbrechen ein

Das Attentat ereignete sich am jüdischen Feiertag Sabbat, an dem viele Menschen die Synagoge aufsuchen. Kinder wurden jedoch nach offiziellen Angaben nicht verletzt. Dennoch sagte der FBI-Agent Bob Jones: „Es ist der schlimmste Tatort, den ich in 22 Jahren Berufserfahrung gesehen habe.“ Die Tat wird von den Behörden als Hassverbrechen eingestuft. Der Angreifer hatte mehrere Schusswaffen bei sich. Nach ersten Erkenntnissen besaß er sie legal.

Unter der Woche hatte jeder, der die Tree-of-Life-Synagoge betreten wollte, klingeln müssen, doch nicht am Samstag, als die Tür offen stand. Das nutzte Bowers aus und lief, bewaffnet mit einem Gewehr und drei Handfeuerwaffen, während des morgendlichen Gottesdienstes in die Synagoge und begann, zu schießen. Bei einem Schusswechsel mit Polizisten wurde er mehrfach getroffen, überlebte aber. Vier Polizisten waren unter den Verletzten.

Das Social-Media-Profil des Festgenommenen lässt darauf schließen, dass er eine antisemitische und stark rechtsgerichtete Grundhaltung hatte. Er soll beim Eindringen in die Synagoge gerufen haben: „Alle Juden müssen sterben.“

Sicherheitsvorkehrungen für jüdische Einrichtungen erhöht

Die „Tree-of-Life“-Synagoge in Pittsburgh gilt als ein konservatives jüdisches Gotteshaus, das jedoch offen für Neuerungen sei, wie der Präsident der jüdischen Gemeinde im Großraum Pittsburgh, Jeff Finkelstein, am Ort des Geschehens sagte. Auch in anderen Gegenden der USA wurden sofort die Sicherheitsvorkehrungen für jüdische Einrichtungen erhöht.

Der Jüdische Weltkongress (WJC) zeigte sich schockiert. Bei dem Vorfall handele es sich um einen „abscheulichen Terrorakt“, sagte WJC-Präsident Ronald Lauder laut Mitteilung am Samstag in New York. „Das war ein Angriff nicht nur auf die jüdische Gemeinde, sondern auf ganz Amerika.“ 

Die Schüsse von Pittsburgh sind der vorläufige Höhepunkt einer Reihe antisemitischer Straftaten in den vergangenen Jahren. In Europa gab es in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehrere Anschläge auf jüdische Einrichtungen. Bei einem Terroranschlag auf eine Synagoge im tunesischen Djerba wurden 2002 insgesamt 21 Menschen getötet, darunter zwölf Deutsche.

2012 griff ein Mann eine jüdische Schule in Toulouse an und ermordete drei Kinder, einen Lehrer und drei Soldaten. Der Angreifer starb dann im Kugelhagel der Polizei. Er hatte sich selbst als Al-Qaida-Anhänger bezeichnet. 2014 verübte ein Islamist einen Anschlag auf das Jüdische Museum in Brüssel, vier Menschen kamen ums Leben. In Paris tötete ein Islamist 2015 vier Menschen in einem jüdischen Supermarkt.

Von RND/dpa/AP