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„Pokémon Go“ startet in Deutschland

Rostock „Pokémon Go“ startet in Deutschland

„Pokémon Go“ sorgt für Wirbel in der digitalen Welt. Das Spiel verbindet das echte Leben mit digitalen Monstern zu einer virtuellen Schnitzeljagd. Seit Mittwoch ist es auch in Deutschland erhältlich. Überall in Rostock sind Dutzende Pokéstops aktiv.

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Ein OZ-Leser versucht das Pokemon Bisasam zu fangen.

Quelle: Kay Steinke

Rostock. Die Smartphone-App „Pokémon Go“ ist seit Mittwoch auch in Deutschland für Android-Geräte und die Apples iOS-Plattform verfügbar. Bislang war das Spiel von Nintendo und Niantic Labs nur in den USA, in Kanada und Neuseeland eingeführt worden. In den Vereinigten Staaten haben binnen kürzester Zeit Millionen Menschen „Pokémon Go“ heruntergeladen. Damit hat dort das Spiel annähernd so viele Nutzer wie Twitter. Auch in Deutschland löste das Spiel einen Hype aus. Viele Nutzer suchten bereits vor dem offiziellen Start nach Möglichkeiten, es herunterzuladen.

 

Niantic war vom Ansturm der Spieler in den ersten Ländern überrollt worden und hatte die internationale Markteinführung zunächst gebremst, um eine Überlastung der Server zu vermeiden. Für Nintendo bedeutet es schon jetzt einen Glücksgriff: Die Aktien des Spielkonzerns sind seit der Einführung der App um etwa zehn Milliarden Dollar angestiegen.

Bei „Pokémon Go“ müssen Spieler auf die Suche nach kleinen virtuellen Monster-Figuren gehen. Das Spiel basiert auf realen Geodaten und wird meist im Freien gespielt. Das Besondere: Wie beim ähnlich funktionierenden Spiel „Ingress“ muss man sich tatsächlich bewegen, um Orte im Spiel zu erreichen. Berliner jagen die Pokémon in Berlin und die Rostocker in Rostock. Über die reale Welt wird eine virtuelle Welt gestülpt. Nur Spieler können sie sehen, alle anderen sehen nur auf das Smartphone starrende Passanten.

Also raus auf die Straße, Pokéstops abklappern und Belohnungen wie Pokémon-Eier oder Pokébälle einsammeln. Pokéstops? Das sind Orte in der Umgebung. In Rostock etwa die Nikolaikirche, das Kuhtor, das Schifffahrtsmuseum oder das Ständehaus. Doch es können auch eine mehr oder weniger versteckte Statue oder ein Stromkasten sein. Um sie zu aktivieren, muss man sich möglichst nah an die Orte begeben, was in den USA für Zwischenfälle sorgte. Manch ein Pokéstop befand sich in einer Polizeiwache. Zum Glück funktioniert es auch aus einiger Entfernung, ebenso das Einfangen der kleinen Monster.

Wenn sie plötzlich auftauchen, schaltet das Spiel die Kamera ein. In das Bild der realen Welt wird dann das Pokémon eingeblendet. Beispielsweise direkt vor dem Gebäude der Ostsee-Zeitung. Nach einigem Wischen über den Bildschirm wird das Pokémon mit einem gezielten Wurf des Pokéballs eingefangen. Die Kunst dabei ist es, den Finger im richtigen Moment vom Bildschirm zu lassen. Das sieht teils ziemlich verrückt aus - irritierte Blicke und neugierige Fragen von Passanten sind garantiert. Teilweise nimmt die Monsterjagd schon jetzt absurde Züge an. US-Polizeibehörden warnen vor Hausfriedensbruch, das Washingtoner Holocaustmuseum bittet Besucher um eine Pokémon-Auszeit in der Ausstellung.

Die Monster mit Namen wie Schiggy, Taubsi oder Zubat trägt man nach dem Einfangen nicht einfach nur herum. Das digitale Getier kann auch in Arenakämpfen aufeinander gehetzt werden. Andere Spieler können dann ihre Pokémon mit den eigenen messen, die Monsterchen sammeln Erfahrung, der Trainer steigt auf höhere Erfahrungsstufen auf. Das Kampfsystem ist leider wenig intuitiv und artet in wildem Bildschirmantippen aus - ganz anders als bei den spannenden rundenbasierten Kämpfen der alten Gameboyspiele. „Pokémon Go“ ist kostenlos. Gegen echtes Geld gibt es frische Pokébälle, Köder und andere Boni, außerdem die virtuelle Währung Pokémünzen. Es geht aber auch ohne digitale Einkäufe.

Die kurzweilige Monsterjagd regt nicht nur zur Bewegung an, sondern hat auch Schattenseiten. Medienberichten zufolge sollen in den USA Räuber Spielern an Pokéstops aufgelauert haben. Tatsächlich wäre für Kriminelle die Chance höher, an solch einem Ort auf abgelenkte Menschen mit Smartphones zu stoßen. Abgelegene Pokéstops sollte man deswegen alleine im Dunkeln besser meiden. Und auch sonst starren Spieler besser nicht nur auf ihr Smartphonedisplay. Sonst gerät man bei der Jagd auf Glumanda und Co. nachher noch auf befahrene Straßen.

Augen auf auch beim Datenschutz. Ob man sich über sein Google-Konto oder ein Pokemon-Trainer-Club-Konto anmeldet: Durch die Nutzung des Spiels entstehen zahlreiche persönliche Daten. Wer ist wann, wie lange an welchem Ort? Wie weit laufen Menschen für Pokébälle? Theoretisch kann durch einige Tage Nutzung ermittelt werden, wo jemand arbeitet, lebt und einkauft. Verknüpft mit Name und E-Mail ließen sich so Bewegungsprofile erstellen.

„Pokémon Go“ ist das erste Smartphonespiel mit den kleinen Taschenmonstern aus Japan. Das Spielprinzip mit Erkundung, Einfangen, etwas augmentierter Realität und Belohnungen durch das Erreichen von Orten macht richtig Spaß und hat Suchtpotenzial. Weniger Spaß machen häufige Spielabstürze oder Spielen in Bereichen mit weniger Netzabdeckung. Der ständige Zugriff auf die Ortungsfunktion zehrt außerdem kräftig am Akku. „Pokémon Go“ ist allerdings ein Ausblick auf die Zukunft mobiler Spiele, auf die Vermischung von realer und digitaler Welt. Und wer kann schon ruhig bleiben, wenn vielleicht schon hinter dem nächsten Gebüsch das lang ersehnte Pikachu wartet?

Alexander Salenko

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