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Prinz Harry und die Elitetruppe der Gurkhas

London/Kathmandu Prinz Harry und die Elitetruppe der Gurkhas

Selten war Prinz Harry so glücklich wie beim Militär, als einer unter vielen. Im Afghanistan-Einsatz wuchsen ihm vor allem die Gurkhas ans Herz, nepalesische Elitekämpfer im Dienste der Briten. Jetzt besucht der Queen-Enkel sie in ihrer Heimat.

London/Kathmandu. Wenn Prinz Harry an diesem Samstag nach Nepal reist, geht für ihn ein lange gehegter Traum in Erfüllung. Für den 31-Jährigen geht es während der viertägigen Tour unter anderem nach Pokhara ins Camp der Gurkha-Soldaten, einer nepalesischen Einheit von Elitekämpfern.

Sie stehen dem Queen-Enkel besonders nah, seit er als Soldat im Einsatz in Afghanistan war. „Wenn man weiß, dass man bei den Gurkhas ist, dann gibt es wirklich keinen sichereren Ort“, sagte der Prinz damals, im T-Shirt zwischen militärischer Ausrüstung sitzend. Mit den Gurkhas zu leben und zu arbeiten, bezeichnete er als einen der Höhepunkte seiner Zeit in Afghanistan, wo der ausgebildete Kampfhubschrauber-Pilot zweimal im Einsatz war.

Doch warum stehen Menschen aus Nepal überhaupt im Dienste ihrer Majestät, der britischen Königin? Zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als London Kolonien in aller Welt gründete, marschierten die britischen Truppen auch Richtung Himalaya vor. In einem Krieg von 1814 bis 1816 zwischen der britischen Ostindien-Kompanie und dem Gurkha-Königreich liefen desertierte Krieger zu den Briten über. Ein Friedensvertrag sah schließlich vor, dass ein verkleinertes Gurkha-Königreich als Vorgänger des heutigen Nepals bestehen bleibt, aber Gurkhas weiter den Briten dienen.

„Seitdem haben Nepalesen in allen großen Kriegen für die Briten gekämpft“, sagt Rajesh Kulung, Generalsekretär der Gurkha-Forschungsgemeinschaft in Kathmandu. Zehntausende Gurkha-Kämpfer starben dabei, 40 000 davon in den beiden Weltkriegen, andere im Falklandkrieg oder in Afghanistan. Sie erhielten 3500 Auszeichnungen und 13 Victoria-Kreuze, die höchste Kriegsauszeichnung der Streitkräfte im Vereinigten Königreich.

Die Gurkha-Soldaten gelten als besonders tapfer und furchtlos. Bis heute ziehen die Soldaten mit einem Kukri los, das ist ein gekrümmtes Messer mit einer Kerbe in der Scheide, an der das Blut abtropfen kann. „Wenn ihnen die Munition ausgeht, dann greifen sie dich mit ihren großen Schwertern an“, schwärmte Prinz Harry einst.

Doch nach Dienstende bei den Briten seien die Männer oft ohne Geld und ohne Behandlung ihrer Wunden nach Nepal zurückgeschickt worden, beklagt Kulung. Seit Jahrzehnten kämpfen die Gurkhas für eine finanzielle Gleichstellung - sie gewannen mehrere Gerichtsverfahren.

Die Anziehungskraft der britischen Armee sei für die Jugendlichen im verarmten Nepal weiter groß, sagt Deepak Thapa, ein nepalesischer Anthropologe und Historiker. „Es ist natürlich ein koloniales Überbleibsel und hätte vor einiger Zeit noch wie ein altmodisches Konzept ausgesehen. Aber in der heutigen globalisierten Welt verschwimmen doch die Grenzen eh immer mehr“, sagt er.

Noch immer versuchen jedes Jahr viele Tausend Nepalesen, einen der rund 240 Plätze in der britischen Armee zu ergattern. Dabei müssen sie knallharte Tests bestehen. Das Verfahren wird selbst von den Streitkräften als „eine der weltweit härtesten Auswahlprozeduren“ beschrieben. Dazu gehört, drei Kilometer weit einen steilen Berg hinaufzurennen, mit 35 Kilogramm Steinen in einem Korb, der mit einem Band an der Stirn getragen wird.

Thapa glaubt nicht, dass sich an dem nun 200 Jahre alten System bald etwas ändern wird. Seit 2008 ist Nepal eine Demokratie. Zwar sprechen die kommunistischen Parteien in der Regierung immer mal wieder davon, die Söldner in der britischen Armee seien eine Form von „Kolonisierung“. Aber zu viele in Nepal hätten von den Soldatengehältern schon profitiert, meint Thapa.

Auch die Briten haben offenbar kein Interesse daran, auf die Gurkhas in ihren Reihen zu verzichten. Das 200-jährige Bestehen der Zusammenarbeit feierten Königshaus und die Armee vergangenes Jahr ausführlich. Er verbeuge sich vor diesen Männern, sagte Harry, der - schweren Herzens - inzwischen aus der Armee ausgeschieden ist. „Ich wollte immer ein Gurkha sein, aber es gab nie die Gelegenheit.“

dpa

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