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Promis über den roten Teppich: „Ein reiner Alptraum“

Showtime Promis über den roten Teppich: „Ein reiner Alptraum“

Berlinale, Grammys, bald die Oscar-Verleihung: Gala-Marathon für viele Promis, Dauerlächeln auf dem roten Teppich. Aber was halten Stars eigentlich von dieser Show?

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Miley Cyrus hat keine Lust mehr auf den roten Teppich.

Quelle: Paul Buck

Berlin. Sie sitzen auf dem Rücksitz ihrer Limousine, richten nochmal Abendkleid oder Smoking, checken die Frisur. Es ist die Stille vor dem großen Blitzlichtgewitter. Dann öffnet sich die Autotür. Raus ins Getümmel. Rauf auf den roten Teppich.

Für die Stars sind die nächsten Meter nicht nur Glamour, sondern vor allem Arbeit. Fans wollen Selfies, Fotografen den perfekten Schnappschuss, Reporter knackige Zitate. Der ganz normale Promi-Wahnsinn eben.

„Der rote Teppich ist ein Spiel“, sagt Sängerin Nena der Deutschen Presse-Agentur. „Wenn man Lust darauf hat, ist das ganze Getrudel okay. Ich reiße mich aber nicht darum, auf roten Teppichen 'zu spielen'.“

Immer lächeln, immer freundlich, immer gut gelaunt. Nicht jedem Promi ist danach zumute. Judith Holofernes, Frontfrau von Wir sind Helden und mittlerweile solo unterwegs, geht nur noch ungern zu solchen Events. Vor allem wegen der wild durcheinander rufenden Fotografen.

„Es ist einfach eine furchteinflößende Situation. Man wird von vorne bis hinten angeschrien. Zeitgleich soll man aber entspannt und passabel aussehen. Die Fotos, die dabei entstehen, sind für immer im Internet. Ich finde es einen reinen Alptraum.“

Das sieht die amerikanische Sängerin Miley Cyrus genauso. Sie kündigte im vergangenen Jahr an, nie wieder über den Promi-Teppich zu gehen. „Warum sollte ich, während Menschen hungern, auf einem roten Teppich sein? Weil ich wichtig bin? Weil ich berühmt bin? So bin ich nicht gestrickt.“ Und Til Schweiger erklärt bei der Berlinale: „Wenn ich mal durch den Hintereingang auf eine Gala gehen kann, feier ich das immer wie einen kleinen Sieg.“

Für andere ist der Teppich-Dreiklang aus Fans, Fotografen und Fragestellern verlockend. Schließlich können Musiker und Schauspieler sich und ihre neuen Songs und Filme optimal vermarkten. „Es ist eine gute Gelegenheit, auf aktuelle Projekte aufmerksam zu machen, Fragen zur neuen Platte zu beantworten, aus denen dann Meldungen gemacht werden. Das ist sinnvoll“, meint etwa Smudo von den Fantastischen Vier.

Auf den ersten Blick weniger sinnvoll erscheinen allerdings die Fragen, die sich viele Reporter - nicht nur aus dem Boulevard - für den kurzen Star-Smalltalk ausdenken. „Was sagen Sie zur Lage in Syrien?“, „Wie war Ihr erster Kuss?“ „Haben Sie Frühlingsgefühle?“ gehören zum Standard. „Es ist oft belanglos. Ich werde wirklich jedes Jahr gefragt, was ich Weihnachten mache. Und jedes Jahr sage ich, dass ich mit der Familie feiere“, sagt Smudo amüsiert.

Schauspieler und Teppich-Routinier Matthias Schweighöfer drückt es so aus: „Es ist immer wieder spannend, weil man nicht weiß, mit welchen kongenialen Fragen die Journalisten auf einen zukommen. Kann man richtig antworten oder bleibt einem nur die Lüge?“

„Alptraum“, „Spiel“, „Lüge“ - mit Glanz und Glamour hat der ausgerollte Promi-Teppich für viele Stars offenbar nichts zu tun. Auch viele Reporter sind froh, wenn der Zirkus wieder vorbei ist. Sie müssen stundenlang auf engstem Raum auf die Stars warten und hoffen, dass der gewünschte Gesprächsgast bei ihnen stehen bleibt. Die werden meist wie ferngesteuert von ihren Managern gezielt zu den Reportern gebracht.

Einer hat aber offenbar nach all den Jahren noch Freude am Spiel auf dem Teppich. „Der entspannteste Gang über den roten Teppich war mit Udo Lindenberg, der da in Zeitlupe langläuft“, erinnert sich Songwriter Clueso. „Der ist völlig cool, entspannt und macht sich seinen Spaß daraus. So sollte man es machen.“ Auch ein Eierlikör vorab - Lindenbergs Lieblingsgetränk - soll angeblich nicht schaden...

dpa

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