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Panorama Riemann: „Manchmal bin ich gerne nicht öffentlich“
Nachrichten Panorama Riemann: „Manchmal bin ich gerne nicht öffentlich“
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19:46 06.05.2018
Die Schauspielerin Katja Riemann wurde 1963 in Kirchweyhe bei Bremen geboren. Ihren Durchbruch feierte sie 1993 mit Peter Timms Komödie „Ein Mann für jede Tonart“ sowie Katja von Garniers „Abgeschminkt“. Quelle: dpa
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Frau Riemann, eine Gartenbauarchitektin und ein Schönheitschirurg legen sich, nun ja, zwei Haussklaven zu: Welcher Gedanke hat Sie beim Lesen des Drehbuchs Ihrer Filmsatire „Herrliche Zeiten“ durchzuckt?

Ich habe an die Bequemlichkeit der Bourgeoisie denken müssen: Da nutzen zwei Wohlsituierte die Gunst der Stunde, um von der Welt drum rum nichts mehr mitbekommen zu müssen. Sie machen das Gartentor zu und genießen fortan Wellness zu Hause. Dann bildet sich aber ein seltsames Abhängigkeitsverhältnis zwischen dem Pärchen und seinen Sklaven heraus: Das Pärchen gibt immer mehr Verantwortung ab. Die beiden Haussklaven – er in Livree, sie mit Häubchen – übernehmen wie selbstverständlich Entscheidungen.

Die Herrschaften genießen die neuen Annehmlichkeiten ja auch in vollen Zügen.

Aber so kann eine Demokratie nicht funktionieren. Da sollte sich jeder fürs eigene Schicksal verantwortlich fühlen, damit er sich auch für andere verantwortlich fühlen kann. Im Moment sieht man die Gegenbewegung in Europa: Der nationalistische Populismus erstarkt. Die Verlockung wächst, Verantwortung zu delegieren.

Man könnte sich bei den Filmsklaven auch an rumänische Schlachthofarbeiter oder polnische Spargelhelfer erinnert fühlen, die bei uns die unbeliebten Arbeiten übernehmen.

Stimmt, aber egal, aus welcher Ecke der Welt sich jemand zu uns aufmacht: Wir dürfen nicht vergessen, dass wir in einem friedlichen, wohlhabenden Land leben. Ich weiß nicht, wie viel Sie in der Welt rumgekommen sind: Ich arbeite seit bald 20 Jahren für Amnesty International und Unicef. Ich war an Orten, die Touristen nicht zu sehen bekommen. Für einen Großteil der Weltbevölkerung sind unsere Lebensbedingungen der Himmel. Ich kann es niemandem verübeln, der versucht, zu uns zu kommen.

Meistens kriegen wir von diesen Leuten gar nichts mit.

Neulich habe ich in Berlin-Friedrichshain eine Baustelle entdeckt, auf der wohl osteuropäische Arbeiter wohnten. Tagsüber zogen sie Wände hoch, nachts schliefen sie dort. Das war ein bizarres Bild: Vor einer dieser halb fertigen Wohnungen standen winzige Gummistiefel. Da übernachteten also auch Kinder.

Regen Sie sich über Zeitgenossen auf, die keinerlei Interesse dafür aufbringen, wie es anderen hierzulande geht?

Ist das wirklich so? Bei einem Teil der Bevölkerung vielleicht, bei einem anderen sicher nicht. Aber selbst wenn: Man kommt nicht damit weiter, wenn man anderen ein schlechtes Gewissen macht. Dadurch wird niemand zu einem besseren Menschen. Das zumindest habe ich mit zunehmendem Alter gelernt. Diejenigen, die in der Historie wirklich etwas bewegt haben, waren jene, die ihren Mitmenschen gegenüber zugewandt waren und beispielhaft gewirkt haben.

Beobachten Sie keinen Rückzug ins Private um sich herum?

Ganz ehrlich: Manchmal verstehe ich diesen Rückzug sogar.

Das sagen jetzt ausgerechnet Sie, die sozial engagierte Schauspielerin?

Manchmal bin ich wirklich gern sozusagen nicht öffentlich. Aber das ist wohl der Tatsache geschuldet, dass ich mich permanent in der Öffentlichkeit bewege. Trotzdem braucht man zu Hause auf dem Sofa keinen Diener, der einem den Tee zubereitet.

Also sind viele Mitmenschen hilfsbereit – trotz des immer lauter werdenden Rufs nicht nur rechter Politiker, die Schotten dicht zu machen?

Es gibt so viele in diesem Land, die sich fragen: Was können wir tun, um etwas zu verändern? Natürlich muss man wissen, wie man das überhaupt anpackt. Diese erste Hürde muss man überwinden bei all den Informationen, die auf uns niederprasseln. Am besten ist es, wenn man einfach mal von anderen eingeladen wird zu einem Treffen. Das ist ein guter Anfang.

Wie kam es zu Ihrem Engagement für Menschenrechte?

Ich bin 1999 von Unicef gefragt worden, ob ich eine Nicht-Regierungsorganisation namens Tostan und deren Bildungsprogramm vorstellen mag. Im Kern ging es darum, etwas gegen die Beschneidung von Mädchen zu tun.

Von Stefan Stosch/RND

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