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„Sich nicht dem Hass unterwerfen“

Appell nach «Bataclan»-Terror „Sich nicht dem Hass unterwerfen“

Der Franzose Antoine Leiris verlor seine Frau Hélène im „Bataclan“. In einem viel beachteten Aufruf verweigerte er den Mördern seinen Hass. Ein Jahr danach ist das für ihn noch immer ein Kampf.

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Der französische Journalist Antoine Leiris verlor seine Frau Hélène vor einem Jahr im „Bataclan“.

Quelle: Mariscal/epa/dpa

Paris. Seine Worte gingen um die Welt und berührten viele Menschen: Wenige Tage nach dem Tod seiner Frau bei der Terrorattacke im Pariser Konzertsaal „Bataclan“ veröffentlichte der französische Journalist Antoine Leiris eine Art offenen Brief an ihre Mörder.

„Nein, ich werde Euch nicht das Geschenk machen, Euch zu hassen“, schrieb der frühere Radiojournalist auf seiner Facebook-Seite. Denn „auf diesen Hass mit Wut zu antworten, das hieße, sich derselben Ignoranz zu ergeben, die aus Euch das gemacht hat, was Ihr seid“.

Aus diesem Eintrag wurde später ein Buch, in dem Leiris eindringlich seinen Umgang mit dem Grauen jenes 13. November 2015 schildert. Ein Jahr nach der Pariser Terrornacht erzählt der Franzose im Interview der Deutschen Presse-Agentur, warum er sich gegen den Hass wehrt.

Frage: Vor fast einem Jahr haben Sie diesen Satz geschrieben, „Meinen Hass bekommt Ihr nicht“. Ist Ihnen das wirklich gelungen?

Antwort: Ich habe ein bisschen ein Problem mit dem Wort „gelingen“. Es ist möglich, sich dem nicht zu unterwerfen. Aber es ist jeden Tag ein Kampf. Bisher habe ich mich nicht davon dominieren lassen.

Frage: Warum wollen Sie diese Leute eigentlich nicht hassen? Es gäbe ja genug Gründe.

Antwort: Ich habe den Eindruck, dass dieses Gefühl für meinen Sohn und mich letztlich alles einnehmen würde. Unser ganzes Leben würde sich darum drehen. Ich möchte, dass ich ein freier Geist bleiben und dass er es werden kann. Deshalb müssen wir diesen Geist an unserer Tür lassen.

Frage: Wie stellt sich dieser Kampf für Sie dar?

Antwort: Es ist etwas, das die ganze Zeit da ist. Eine Art Versuchung. Denn anfangs würde man daraus eine gewisse Beruhigung ziehen. Sich einen Raum schaffen, um diese Wut in einem drin loszuwerden. Aber ich bin überzeugt: Ein wenig nachzugeben hieße sehr schnell komplett nachzugeben.

Frage: Hat das Schreiben des Buchs Ihnen dabei geholfen? Oder gibt es Momente, wo Sie es bereuen, diesen Facebook-Post veröffentlicht zu haben?

Antwort: Meine Gefühle sind ziemlich zwiespältig. Es gibt Momente, in denen ich das absolut bereue. Und dann akzeptiere ich wieder, dass das jetzt mein Leben ist. Das Schreiben hat mir gut getan, da habe ich eine Tür zu etwas geöffnet.

Frage: Was bereuen Sie denn?

Antwort: Ich denke dann, dass ich vielleicht besser einmal meinen großen Mund gehalten hätte. Ich liebe meine Intimität und ich habe es geschätzt, unbekannt zu sein. Aber ich denke, dass ich das bald wieder werden kann. Gerade war ich in Deutschland auf der letzten Lesereise. Vom 14. November an werden die Leute zu anderen Dingen übergegangen sein. Und die Worte werden weiterleben.

ZUR PERSON: Antoine Leiris (Jahrgang 1981) arbeitete als Kulturredakteur bei den französischen Radiosendern France Info und France Bleu, heute ist er freiberuflicher Journalist. Seine Frau Hélène kannte er zwölf Jahre lang. Als sie im „Bataclan“ starb, war der gemeinsame Sohn Melvil gerade 17 Monate alt.

dpa

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