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Panorama So lief das erste ESC-Halbfinale
Nachrichten Panorama So lief das erste ESC-Halbfinale
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23:33 08.05.2018
Favoritin: Die Israelin Netta Barzilai setzte sich mit ihrem skurrilen Lied „Toy“ im ersten Halbfinale des Eurovision Song Contest in Lissabon durch. Quelle: dpa
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Lissabon

Der Eurovision Song Contest hat ein Faible für Schräges. Für Individualisten. Der europäische Popzirkus mag einfach diese Typen, die durchs Raster fallen, die ein bisschen schief ins Leben gebaut sind. Hauptsache anders! Conchita Wurst. Lordi. Loreen. Salvador Sobral. Lena. Ruslana. Dana International. Lauter putzige Helden, deren Selbstbewusstsein sich auch aus der Not speist, mit ihrem Anderssein irgendwie zu Rande kommen zu müssen, zur Not eben mit der Flucht nach vorn: an die Rampe, ins Licht, vor Millionen TV-Zuschauer. Da war es kein Wunder, dass auch die Israelin Netta das erste Halbfinale des Eurovision Song Contest 2018 am Dienstag in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon mit Bravour überstand.

Furioser Auftritt mit erratischem Hühnertanz

Netta Barzilai. Die Favoritin. Eine voluminöse Naturgewalt, die in diesem Jahr die Rolle der „Wuchtbrumme mit Herz“ übernommen hat. Ihr elektrisches Popgewitter „Toy“, ein Mix aus Skat-Gesang, Hip-Hop, Loopschleifen, erratischem Hühnertanz und dem Soundtrack eines Polterabends, wird seit Wochen als potenzieller Siegertitel gehandelt. Ihr Auftritt geriet furios. Jubel auch im Pressezentrum in Lissabon, wo die Grenzen zwischen Fans und Fachwelt traditionell fließend sind. Netta sieht ihren musikalisch eher durchschnittlichen Titel als Hymne auf das „Erwachen der weiblichen Macht“, Gegacker hin oder her. Nun ja.

19 Länder bewarben sich um zehn Startplätze im Finale am Sonnabend. Das zweite Halbfinale mit weiteren 18 Ländern geht am Donnerstag über die Bühne (in Deutschland live beim ARD-Tochtersender One). Geschafft haben es am Ende: Österreich, Estland, Zypern, Litauen, Israel, Tschechien, Bulgarien, Albanien, Finnland und Irland.

Viel Sinnloses und Seelenloses

Nicht geschafft haben es unter anderem die Schweiz, Belgien und Aserbaidschan. Viel Sinnloses war zu sehen, viel Seelenloses zu hören: eine eiskalte Disconummer aus Aserbaidschan, ein schmalziger Zirkusballadeur aus Island, ein asketischer Albaner mit einer Bon-Jovi-B-Seite, ein James-Bond-Song aus Belgien mit der sehr in ihren eigenen Rücken verliebten Sängerin Sennek, ein tschechischer Justin Timberlake mit einem textlastigen Egotrip. Dazu noch ein zittriger Rosenjüngling aus Weißrussland auf einem Hubwagen, die fensterscheibengefährdende Sopranistin Elina Nechayeva mit explodierendem Farbkleid aus Estland, eine düstere Wohngemeinschaft aus Bulgarien, eine pinkfarbene Domina aus Bulgarien, der von der schwulen ESC-Kerngemeinde gefeierte, aber ausstrahlungsarme Lionel-Ritchie-Verschnitt César Sampson aus Österreich, die übliche engagierte Griechin in Weiß, das halbrockende Schweizer Cowgirl-meets-Alternativzausel-Pärchen Zibbz und noch Irgendwas aus Litauen. Manches Lied kann man nur deshalb nicht sofort wieder vergessen, weil es bereits auf dem Weg durch den Gehörgang ins Gehirn verreckt ist.

Finnlands Saara Aalto dagegen kam mit dem starken, modernen Discopop-Ohrwurm „Monsters“ nah an die Popgegenwart heran. Auch der zypriotische Feuersalamander Eleni Foureira meldete für Sonnabend Ansprüche auf eine Top-Ten-Platzierung an.

Die extremen Ausschläge fehlen

Schon das erste Halbfinale zeigte: Der europäische ESC-Geschmack gleicht sich weiter an. Die extremen Ausschläge fehlen: die ganz großen Grausamkeiten ebenso wie die ganz großartigen Popzaubermomente. Und das ist kein Wunder: An mindestens acht ESC-Titeln des Jahrgangs 2018 sind schwedische Produzententeams beteiligt: Dänemark, Österreich, Aserbaidschan, Bulgarien, Zypern, Finnland, Malta – und Schweden selbst. Und nicht weniger als 16 Teilnehmer sind TV-gestählt und „performanceerfahren“ durch Casting-Shows wie „X Factor“, „Pop Idol“ oder „The Voice“. Stilistisch also verengt sich der ESC bedauerlicherweise weiter auf radiotaugliche Dutzendware statt norwegischer Nadelwaldfolklore und montenegrinischen Schmalzhaubitzen, auch wenn die jeweiligen Siegersongs das Gegenteil vermuten lassen.

Mehrheit singt nicht auf Englisch

Was auffiel: 14 von 19 Teilnehmern im ersten Halbfinale sangen nicht auf Englisch – ein extrem hoher Wert. Im gesamten ESC-Jahrgang 2017 gab es unter 42 Teilnehmern nur einen einzigen, der nicht auf Englisch sang: den Sieger Salvador Sobral aus Portugal mit dem auf Portugiesisch vorgetragenen Liebeslied „Amor Pelos Dos“ aus der Feder seiner Schwester. Das Publikum also scheint den Mut zur kulturellen Eigenheit also durchaus zu schätzen. Der herzkranke Sobral hatte seit Herbst im Krankenhaus auf ein Spenderorgan gewartet. Kurz vor Weihnachten wurde ihm ein neues Herz implantiert. Zunächst versagten seine Nieren, doch sein Zustand stabilisierte sich. Beim ESC-Finale am Sonnabend wird Sobral auftreten.

Deutscher Kandidat eine positive Überraschung

Der deutsche Kandidat Michael Schulte muss mit seiner Familienballade „You Let Me Walk Alone“ nicht durchs Halbfinale – Deutschland ist als Mitglied der sogenannten „Big Five“ automatisch qualifiziert. Die großen Beitragszahler Deutschland, Großbritannien, Italien, Spanien und Frankreich gehören – ebenso wie Gastgeber Portugal – zu den 26 Finalisten am Sonnabend. Bei den Buchmachern steht Schulte auf Platz 15 von 43. In Lissabon gilt Schulte als positive Überraschung: ein zeitgemäß inszenierter Popsong aus Deutschland mit einem sympathischen Interpreten – das hatte die ESC-Gemeinde so ohne weiteres nicht auf dem Zettel. Einschalten könnte sich also lohnen – es lockt der größte deutsche ESC-Erfolg der letzten Jahre. Wobei dafür schon ein drittletzter Platz reichen würde.

Von Imre Grimm/RND

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