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Panorama So schön kann Schlager sein
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00:00 26.03.2014

OSTSEE-ZEITUNG: Es gibt Helene-Fischer-Uhren, Wandkalender, Kleidung, ein Magazin, Dokumentationen, die TV-Show, den Echo — und niemand würde sich wundern, wenn bald „Wetten, dass

. . ?" hinzukäme. Wann gibt es eigentlich genug Helene Fischer?

Helene Fischer: Ich habe mich zu allem, was von mir zu sehen ist, bewusst entschieden — und obwohl ich kreative Pausen mache, kann schon das Gefühl entstehen, ich sei ständig da.

Wobei man die Wiederholungen im Fernsehen ebenso wenig beeinflussen kann wie die Geschichten über mich in der Presse. Aber für meine Fans kann‘s nie genug Helene Fischer geben.

OZ: Bieten Sie denen also eine Art Dienstleistung?

Fischer: Professionell zu liefern, was erwartet wird, zählt zu meinem Beruf.

OZ: Steuert die Nachfrage das Angebot oder umgekehrt das Angebot die Nachfrage?

Fischer: Ich denke ersteres. Ich kann aber immer auswählen, ob ich die Sachen beherrsche, dahinter stehe und Spaß dabei habe. Das ist ein großer Luxus, den ich mir hart erarbeitet habe.

OZ: Mit dem Faktor Berühmtheit als Zugabe. Sehen Sie die als Fluch oder Segen?

Fischer: Am liebsten würde ich natürlich auf die Bühne gehen, meinen Job machen, und dann wäre der Rummel vorbei. Aber ich bin eine Person des öffentlichen Lebens und muss damit umgehen.

OZ: Ist die Person, die morgen beim Echo auf der Bühne steht, Helene Fischer oder ein Kunstprodukt des Show-Business?

Fischer: Das bin schon ich, sonst würde es nicht funktionieren. Shows wie diese haben zwar Drehbücher, aber die Zuschauer würden es merken, wenn ich nur eine Rolle spiele. Privat bin ich trotzdem eine andere, trage legere Kleidung und tanze nicht ständig durch die Gegend (lacht).

OZ: Was bedeutet Ihnen mehr: den Echo zu moderieren oder ihn zu bekommen? Sie sind morgen für drei Auszeichnungen nominiert.

Fischer: Ich finde es toll, dass beides der Fall sein könnte. Aber ich bin ein Bewegungsmensch; wie in den Jahren zuvor passiv im Publikum zu hoffen, den Echo zu kriegen, war viel anstrengender als jetzt, wo ich vor und hinter der Bühne aktiv bin. Die Moderation lenkt mich von der Aufregung ab. Das finde ich erleichternd.

OZ: Sind Sie auch ein wenig erleichtert, nicht die rechtspopulistische Band Frei.Wild anmoderieren zu müssen, die ihre Teilnahme abgesagt haben?

Fischer: Ich bin jedenfalls froh, dass ich da anders als bei meinen eigenen Shows nichts zu entscheiden hatte. Der Auftritt hätte sicher großen Wirbel gemacht, und wenn man den durch Abwesenheit umgeht — warum nicht.

OZ: Ist es für eine Künstlerin wie Sie nicht wichtig, Haltung zu zeigen?

Fischer: Schwierige Frage. Ich respektiere es sehr, wenn sich zum Beispiel Rosenstolz wie beim vorigen Bambi für mehr Gleichberechtigung einsetzen — ich selbst konzentriere mich aber aufs Künstlerische. Das bedeutet, niemanden zur Homestory zu bitten — aber auch, mich öffentlich nicht zu politischen Themen zu äußern.

OZ: Da ist die Bühnenfigur also doch eine andere als die private.

Fischer: Nein, die Person bleibt die gleiche. Aber so viel, wie man von mir mitkriegt, möchte ich mich seelisch einfach nicht noch mehr ausziehen. Da brauche ich mein privates Refugium, und zu dem zählen auch meine Haltungen.

OZ: Meinen Sie mit „ausziehen", auch viel Haut zu zeigen?

Fischer: Auch.

OZ: Das macht Sie zum Postergirl des Schlagers.

Fischer: Ja? Da steckt aber kein Kalkül hinter.

OZ: Braucht man für Ihre Art der körperlichen Performance eine exhibitionistische Ader?

Fischer: Ohne die wäre ich im falschen Beruf, aber sie hat nicht unbedingt mit Kleidung zu tun. Ein Sänger/Songwriter, der sein Innerstes über die Texte nach außen kehrt, gibt viel mehr von sich preis als ich, die körperbetont auftritt.

OZ: Wie weit würden Sie für Ihren Beruf nie gehen?

Fischer: Wenn ich mir oder anderen schaden würde. Ich bin ziemlich harmoniesüchtig.

Interview:

Jan Freitag

Echo-Verleihung:

Donnerstag, 27. März, 20.15 Uhr , ARD



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