Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Panorama Staatsanwalt: Obdachloser hätte qualvoll verbrennen können
Nachrichten Panorama Staatsanwalt: Obdachloser hätte qualvoll verbrennen können
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:22 09.05.2017
Eine Bank auf dem Bahnsteig des Berliner U-Bahnhofs Schönleinstraße. Hier hatten sieben junge Männer versucht, einen schlafenden Obdachlosen anzuzünden. Quelle: Paul Zinken
Berlin

Der Obdachlose schlief fest, als neben ihm Flammen aufloderten: Junge Männer sollen in der Weihnachtsnacht in einem Berliner U-Bahnhof versucht haben, einen ahnungslosen Mann anzuzünden.

Unter großem Medienandrang hat rund vier Monate später der Prozess gegen sieben Angeklagte im Alter von 16 bis 21 Jahren begonnen. Sechs von ihnen wird versuchter Mord vorgeworfen.

Der 37-jährige Obdachlose hätte laut Anklage „qualvoll verbrennen können“. Dem siebten Angeklagten wird unterlassene Hilfeleistung zur Last gelegt. Mehrere Verteidiger kündigten für ihre Mandanten Aussagen für den zweiten Prozesstag am Freitag an.

Nur das beherzte Eingreifen von Fahrgästen einer kurz nach dem mutmaßlichen Feueranschlag einfahrenden U-Bahn konnte im Kreuzberger U-Bahnhof Schönleinstraße Schlimmeres verhindern. „Sie weckten den Mann und löschten das Feuer“, heißt es in der Anklage. Der Obdachlose aus Polen blieb unverletzt.

Von „Heimtücke und Grausamkeit“ geht die Staatsanwaltschaft aus. Die jungen Männer hätten den Attackierten zwar nicht vorsätzlich umbringen wollen, aber seinen möglichen Tod „billigend in Kauf genommen“. Zum möglichen Motiv sagte Staatsanwalt Martin Glage am Rande des Prozesses, es könnte auch Langeweile im Spiel gewesen sein.

Sechs Verdächtige stammen aus Syrien, einer aus Libyen. Die Angeklagten kamen nach Angaben von Ermittlern zwischen 2014 und 2016 als Flüchtlinge nach Deutschland - fünf als alleinreisende Minderjährige. Der Anwalt eines inzwischen 16-Jährigen sagte, es sei auch zu prüfen, „warum 15- und 16-Jährige mitten in der Nacht in Berlin unterwegs waren“. Der Staat hätte sich um sie kümmern müssen.

Es war 01.55 Uhr, als die siebenköpfige Gruppe den Bahnsteig betrat. Bilder von Überwachungskameras belegen Angaben zufolge, wie sich einige der jungen Männer sechs Minuten später zu dem auf einer Bank schlafenden Obdachlosen umdrehten. Sie hätten sich „offensichtlich über ihn lustig gemacht“. Der mutmaßliche Rädelsführer habe erst ein Stück Papier, dann ein Taschentuch mit einem Feuerzeug angezündet und es „unmittelbar neben dem Kopf“ des 37-jährigen Polen gelegt. Die Angeklagten sollen den Plan spontan und gemeinsam gefasst haben.

Sechs der Männer befinden sich seit Ende Dezember in U-Haft. Mit jeweils zwei Anwälten an ihrer Seite saßen sie zu Beginn der Verhandlung am Dienstag im Gerichtssaal.

dpa

Mehr zum Thema

Für die Feuerattacke auf einen schlafenden Obdachlosen müssen sich in Berlin von heute an sieben junge Männer vor Gericht verantworten.

09.05.2017

Berlin (dpa) – Die Angeklagten sollen in der Weihnachtsnacht versucht haben, einen Obdachlosen anzuzünden - nun hat die Staatsanwaltschaft sechs der sieben jungen ...

09.05.2017

Berlin (dpa) – Junge Männer sollen in der Weihnachtsnacht in einem Berliner U-Bahnhof versucht haben, einen ahnungslosen Mann anzuzünden.

09.05.2017

In einem Mönchengladbacher Wohngebiet hängt wochenlang unbemerkt eine Leiche in einem Baum. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Mann erfroren oder an einer Überdosis gestorben ist. Die Identität des Mannes ist noch unklar.

09.05.2017

Der britische Prinzgemahl begleitete seine Frau Queen Elizabeth II. (91) zum 100. Jubiläum einer Privatschule in der Grafschaft Berkshire. Bald will er sich aus der Öffentlichkeit zurückziehen.

09.05.2017

Vor einem Einkaufszentrum in Thailand explodieren binnen weniger Minuten zwei Bomben. Die Bilanz: mehrere Dutzend Verletzte. Vermutet wird, dass wieder muslimische Rebellen dahinterstecken.

09.05.2017