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Sternekoch führt einsamen Kampf gegen die Mafia

Italien Sternekoch führt einsamen Kampf gegen die Mafia

Pietro Parisi hat für Staatschefs und den besten Restaurants der Welt gekocht: Mittlerweile führt er ein Restaurant in seiner Heimat Palma Campania – und wehrt sich seit Jahren gegen die Drohungen und Einschüchterungen der Comorra.

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„Bauernkoch“: Pietro Parisi will sich nicht den Machenschaften der Mafia beugen und versucht, gegen die mächtigen Kartelle anzukochen.

Quelle: Foto: Dominik Straub

Rom. Der ungebetene Gast erschien am späteren Abend im Restaurant von Pietro Parisi. Parisi und seine Frau Magda waren gerade dabei, die Dekoration für das Geburtstagsfest ihrer dreijährigen Tochter abzuräumen. Der Unbekannte wirkte bedrohlich und erklärte, er komme gerade aus dem Gefängnis und sei der Sohn von einem Boss aus der Gegend. Und er forderte Schutzgeld. „Ich sagte ihm: ,Verschwinde, ich habe weder Angst vor dir noch vor dem, der dich schickt. Wenn du Geld willst, dann geh arbeiten‘“, schildert der 36-jährige Parisi die Begebenheit. Danach anschließend rief der Gastronom die Polizei. Denn es war die Comorra, die dem jungen Koch einen ersten Besuch abgestattet hatte. So wie sie es überall dort tut, wo sie Geld und Einfluss wittern.

Nach der Anzeige wurden die Drohungen schlimmer

Seit diesem Tag vor drei Jahren lebt die Familie in Angst. „Das sind Leute, die dich nur wegen eines falschen Wortes umbringen“, betont Parisi. Nachdem er Anzeige erstattet hatte, gingen die Drohungen gegen ihn, seine Familie und sein Restaurant weiter. „Es ist eine nie endende Geschichte, und du bist mit diesen Leuten, die spät abends in der Türe stehen, einfach ganz allein“, beschreibt Parisi die Situation.

Pietro Parisis Restaurant befindet sich in Palma Campania. Die Kleinstadt jenseits des Vesuv liegt in einer der berüchtigtsten Gegenden Süditaliens. Domenico Cesarano, einer der führenden Mafiabosse, der der Polizei 2016 ins Netz ging, stammt von hier. Im Volksmund wird das Gebiet auch als „Terra dei Fuochi“ bezeichnet, als „Land der Feuer“. Der Name bezieht sich auf die brennenden illegalen Müllhalden der Camorra, die hier den Sondermüll aus halb Italien ablagern und vernichten. Laut mehreren Studien liegt die Kindersterblichkeit und die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken, in der „Terra dei Fuochi“ weit über dem Landesdurchschnitt.

Parisi kochte im „Burj Al Arab“, dann kehrte er in seine Heimat zurück

Es ist die Heimat von Parisi, in die der Sternekoch 2005 zurückkehrte. Seine Eltern hatten ihn schon als 14-Jährigen gedrängt, die Gegend zu verlassen. „Damals war das hart, aber heute bin ich meinen Eltern unendlich dankbar dafür. Denn die Gefahr, dass man hier als Jugendlicher in die Fänge der Camorra gerät, ist groß.“ Parisi ging zunächst nach Mailand und mit 16 Jahren in die Schweiz, wo er zuerst in Bellinzona und dann in Lausanne in Spitzenküchen arbeitete. Mit 18 wurde er Schüler des weltberühmten Alain Ducasse in Paris, mit dem er anschließend um die Welt und schließlich nach Dubai zog, um dort im 7-Sterne-Hotel „Burj Al Arab“ die Küche zu führen.

Doch dann kehrte Parisi, der im Ausland für Staatsoberhäupter wie Nicolas Sarkozy gekocht hatte, zurück in seine kampanische Heimat. In Palma Campania kaufte er eine alte, vor dem Bankrott stehende Pizzeria. Sein Lokal nannte er vielsagend „Era Ora“ („Es war an der Zeit“) – Zeit, nach Hause zurückzukehren. Doch die Anfänge waren schwierig. Niemand hatte in dieser von der Camorra kontrollierten Gegend auf einen Gourmettempel gewartet. Parisi war gezwungen, seinen Kochstil anzupassen: Etwas einfacher, etwas regionaler. Mittlerweile verwendet Parisi ausschließlich saisonale Produkte aus der Region. Der Kontakt zu den einheimischen Kleinbauern und Züchtern ist dem „Bauernkoch“, wie er sich nun nennt, wichtig.

Die Kleinbauern werden verdrängt

Doch auch hier hat die Camorra schon längst die Finger im Spiel, denn sie kontrolliert vor allem die landwirtschaftlichen Großbetriebe, die die Kleinbauern mittlerweile nahezu verdrängt haben. Vor einigen Jahren, als wegen der Überproduktion der Großbetriebe die Preise für Auberginen einbrachen und einige Kleinbauern in ihrer Existenz bedroht waren, kaufte Parisi kurzerhand die ganze Ernte ab und erfand seine „Parmigiana di melanzane“, eine Art Soufflé aus Auberginen, Tomaten und Mozzarella, das er aus Haltbarkeitsgründen luftdicht in Gläser verschloss. Einen Großteil verkaufte er an „American Airways“, die das Gericht in der 1. Klasse als „exzellente italienische Spezialität“ servierten.

Der Kampf gegen die Mafia wurde damit praktisch über den Wolken fortgeführt.

Von Dominik Straub

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