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Sternengucker und Künstler im Midburn-Fieber

Negev-Wüste Sternengucker und Künstler im Midburn-Fieber

Es geht um Kunst und Selbstverwirklichung - und ums Feiern. Beim Midburn-Festival schwitzen Tausende Menschen in der unwirtlichen Wüste Negev. Warum tun sie sich das an?

Negev-Wüste. Der Staub ist überall. Der heiße Wind treibt ihn um die meterhohen Holzfiguren in der Wüste, zu den tanzenden Menschen in ihren Kostümen und zwischen den Zelten hindurch: Beim Midburn-Festival in der israelischen Negev-Wüste feiern an diesem Wochenende rund 8000 Menschen.

Das Motto lautet „Abra Cadabra“ (Ich werde erschaffen während ich spreche auf Aramäisch). Für fünf Tage entsteht eine Zeltstadt im Staub. Mit faszinierenden Kunstinstallationen, aber auch mit Zeitungsredaktion, Arztzentrum und Gericht. Die Teilnehmer beteiligen sich an insgesamt 130 Camps. Wer will, kann feiern, Musik machen, Yoga praktizieren, nackt sein oder die Zeichensprache für Hörgeschädigte lernen. Ein Höhepunkt ist die Verbrennung von zwei 20 Meter hohen Holzfiguren. Karten kosten bis zu 170 Euro. Jeder Teilnehmer muss sich selbst versorgen. Es gibt nichts zu kaufen - außer Eis. Wer macht da mit?

DER ÜBERZEUGUNGSTÄTER: Edan Orion trägt einen kleinen Hut und ein rotes Papp-Herz auf dem Hemd. Im Grunde war er schon Midburn-Fan, als es das Festival in Israel noch gar nicht gab. Vor 17 Jahren sah er einen Film über den Burning Man in der Wüste von Nevada. Tausende Menschen feiern in der Natur, eine meterhohe Holzstatue wird verbrannt. „Ich war verblüfft“, sagt der 53-Jährige über das Konzept. „Keine Zuschauer, nur Teilnehmer.“ Edan Orion lässt die Menschen nun auf dem Midburn an seiner Leidenschaft für Fernrohre teilhaben: „Ich habe meine Teleskope mitgebracht und zeige den Menschen die Sterne.“

DIE ENTSPANNTE: Tal Saporta macht auf einer Matte unter einem Zeltdach einen Kopfstand, eine Brücke und richtet sich langsam wieder auf. Für die Yogalehrerin aus Tel Aviv ist das Midburn-Festival „einfach Urlaub und Natur“. Die 25-Jährige hat bereits eine Stunde Yoga-Unterricht für andere Teilnehmer gegeben. Aber eigentlich hat sie keine großen Pläne für die Tage in der Wüste. Was ihr an dem Festival gefällt? „Dass jeder machen kann, was er will, und jeder geben kann, was er zu geben hat.“ Jetzt warte sie schlicht auf den Sonnenuntergang, weil der so schön sei.

DER HELFER: „Es ist einfach ein Fun-Festival“, sagt Ziv Zeira - obwohl er das medizinische Team unterstützt. Der Softwareingenieur aus der Nähe von Tel Aviv kümmert sich sonst um Bedrohungen im Internet. Auf dem Midburn ist er einer von rund 2000 freiwilligen Helfern. Sein Alter gibt er mit „Dreißig-irgendwas“ an. Allein 35 Ärzte sind beim Midburn tätig, alle freiwillig. Die meisten Notleidenden haben Sonnenstiche, doch auch Skorpionbisse kommen immer wieder vor. Regelmäßig fährt der Krankenwagen vor. Ernsthafte Probleme habe es aber bisher nicht gegeben, sagt der Veranstalter.

DER KÜNSTLER: Ein meterhohes Kartenhaus, fantastische Holzfiguren oder kostümierte Menschen - Kunst ist auf dem Midburn überall zu sehen. Daniel Polykov ist selbst ein Kunstwerk. „Ich soll ein Zeitreisender sein“, sagt er über sein Kostüm aus durchsichtigen Farb- und Silberfolien. „Ich habe eigentlich ein Rad, das meine Zeitmaschine ist.“ Aber das Herumgeschleppe sei ihm dann doch zu viel gewesen. Der 33-jährige Ingenieur aus Tel Aviv macht in seiner Freizeit Skulpturen und malt. Für ihn ist das Midburn „ein freier Spielplatz für Kunst und Musik“. Einen Tag später will er in einen Ganzkörper-Ballon durch die Wüste wandeln.

dpa

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