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„Tatort“-Blitzkritik: „Es lebe der Tod“

Wiesbaden „Tatort“-Blitzkritik: „Es lebe der Tod“

Eine großartige Drehbuch-Idee, viel hintergründige Psyche, ein Schuss großes Drama: der Tatort mit Ermittler Felix Murot trägt diesmal ganz dick auf.

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Ulrich Tukur in der Rolle des Felix Murot in einer Szene des Tatort-Krimis „Es lebe der Tod“.

Quelle: ARD

Wiesbaden. Wenn Felix Murot ermittelt, ist eigentlich nie irgendetwas normal - doch diesmal trägt der Tatort ganz dick auf. Das war nun wirklich keine leichte Kost – aber große, brillante Kunst war es wohl auch nicht. „Es lebe der Tod“ war am Ende wohl am ehesten das, was man gerne als „knapp vorbei“ bezeichnet: Eine großartige Drehbuch-Idee, viel hintergründige Psyche, ein Schuss großes Drama – aber dann doch von allem eine Spur zu viel oder auch eine Prise zu wenig, ja nach Sichtweise. Vor allem das Ende wirkte überdreht und verwirrend, dass die Deutungshoheit so komplett dem Zuschauer überlassen wird, ist vorsichtig gesagt befremdlich.

Überragend allerdings und nach 90 Tatort-Minuten so etwas wie der strahlende Held des Ensembles war Schauspieler Jens Harzer, der als geistesgestörter, aber hochintelligenter Mörder Arthur Steinmetz eine grenzgeniale Vorstellung hinlegte. Das Feuilleton feiert ja gerne die Darsteller solcherlei Typen, Götz George etwa als Massenmörder Fritz Haarmann in „Der Totmacher“, und Jens Harzer muss in dieser Hinsicht keinen Vergleich fürchten. Das war große Schauspielkunst, anrührend, immer nah dran am Wahnsinn, aber nie über den kritischen Punkt hinweg. Letztlich war es da kein Wunder, dass andere an seiner Seite verblassten, Barbara Philipp als Ermittlerin Magda Wächter zum Beispiel, die geradezu verloren wirkt mit ihrer Aufgabe, eine verzweifelte Mutter in einem tiefen seelischen Konflikt darzustellen. Das wirkte oft zu eingeübt und deshalb unglaubhaft.

Und der Plot an sich? Autor Erol Yesilkaya hat sich einen Namen gemacht mit guten, teils sehr guten Drehbüchern, die tiefer gehen und hintergründiger wirken als die der Konkurrenz, gerade erst mit dem Münchener Tatort „Die Wahrheit“. Einfaches schwarz-weiß- oder gut-böse-denken ist dem Manne fremd, er liebt die Zwischentöne und versteht es, damit zu jonglieren. Auch diesmal überrascht er den Zuschauer mit originellen Wendungen und baut eine irrwitzige Handlung mit komplexen Konflikten auf , da läuft nichts nach Schema-F, er bedient sich aus keinerlei Schubladen und findet immer eine Idee, die wie aus dem Nichts kommt. Aber das Ende dieses „Tatorts“ wirkt dann doch misslungen: Der Täter entschwindet durch eine Hoteltür hinaus ins Licht, der Ermittler (ist er nun gestorben oder nicht?) trifft seinen toter Vater – da mag es Leute geben, die nennen es genial. Für viele aber war es einfach nur eine Prise zu viel des Übersinnlichen.

Uwe Nesemann

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