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Panorama Terror auf Straßburger Weihnachtsmarkt – drei Tote, Täter auf der Flucht
Nachrichten Panorama Terror auf Straßburger Weihnachtsmarkt – drei Tote, Täter auf der Flucht
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06:13 12.12.2018
Bei einem Angriff in der Gegend des Straßburger Weihnachtsmarktes mit Toten und mehreren Verletzten geht die Polizei von einem terroristischen Hintergrund aus. Quelle: aptn/AP/dpa
Straßburg

Frankreich wird erneut von einem schweren Terroranschlag erschüttert. Bei einem Angriff am Straßburger Weihnachtsmarkt sind drei Menschen getötet worden, wie die französische Nachrichtenagentur AFP am Mittwochmorgen unter Berufung auf den Bürgermeister der Stadt im Elsass berichtete. Zwölf Menschen wurden demnach verletzt.

Die Polizei in Straßburg bestätigte, dass sie von einem terroristischen Hintergrund ausgehe. Der mutmaßliche Täter war auch am frühen Mittwochmorgen noch auf der Flucht. Er war nach Angaben des französischen Innenministers Christophe Castaner der Polizei bekannt. Frankreichs Regierung ließ nach dem Anschlag die höchste nationale Sicherheitswarnstufe ausrufen.

Castaner traf in der Nacht in Straßburg ein. Staatspräsident Emmanuel Macron berief in Paris eine Krisensitzung ein. Er beriet sich am frühen Mittwochmorgen unter anderen mit Premierminister Édouard Philippe und Verteidigungsministerin Florence Parly.

Der Angreifer soll vor seiner Flucht von patrouillierenden Soldaten verletzt worden sein, berichtete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Polizei. Im Stadtteil Neudorf sollen Einsatzkräfte Berichten zufolge mehrere Häuser gestürmt haben, in denen sie den Angreifer vermuteten, den Mann aber nicht angetroffen haben.

Polizei findet Granaten in Wohnung des Verdächtigen

Bei dem Angreifer handelt es sich nach Informationen der französischen Nachrichtenagentur AFP um eine Person, die als radikalisiert gilt. Der Mann sei auf der Sicherheitsakte „Fiche S“ geführt worden, einer Liste von Personen, die verdächtigt werden, radikalisiert zu sein, meldete die Agentur unter Berufung auf die Präfektur. Der mutmaßliche Täter sollte nach einem Medienbericht eigentlich am Dienstagmorgen verhaftet werden.

Wie der Sender France Info unter Berufung auf Polizeiquellen berichtete, war er jedoch nicht zu Hause. Dem Bericht zufolge wird dem 29-Jährigen versuchter Mord vorgeworfen. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung Stunden vor den Schüssen sollen Granaten gefunden worden sein, wie der Sender und die Zeitung „Le Parisien“ am Dienstagabend berichteten. Der vermutlich radikalisierte Mann sei vor seiner Flucht von patrouillierenden Soldaten verletzt worden, meldete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Polizei.

Nach dem Angriff haben Anti-Terror-Spezialisten der Pariser Staatsanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Die Untersuchung wurde unter anderem dem Inlandsgeheimdienst DGSI übergeben, wie Justizkreise der Deutschen Presse-Agentur in Paris bestätigten.

Straßburg: Angreifer soll automatische Waffe benutzt haben

Der Angreifer soll eine automatische Waffe und ein Messer benutzt haben, berichtet Franceinfo. Zeugen sagten, sie hätten gegen 20 Uhr an mehreren Orten in der Innenstadt Schüsse gehört. Wie der Nachrichtensender Franceinfo berichtete, riegelte die Polizei Teile der Innenstadt ab. Das Innenministerium forderte die Menschen auf, ihre Häuser nicht zu verlassen. Die örtlichen Behörden erklärten bei Twitter, die Menschen sollten das Gebiet um die Polizeiwache meiden, die sich in der Nähe des Weihnachtsmarktes befindet.

In Straßburg war Sirenengeheul zu hören. Eine Straße südlich der Innenstadt war abgesperrt. Ein Mann, der sich der Absperrung näherte, wurde angewiesen, kehrtzumachen. Als er der Aufforderung nicht nachkam, richteten mehrere Sicherheitskräfte ihre Waffen auf ihn. Schließlich kehrte er um.

EU-Parlament setzt Arbeit trotz Angriffs in Straßburg fort

Trotz des mutmaßlich terroristischen Angriffs setzte das Europaparlament in Straßburg seine Arbeit am Dienstagabend zunächst fort. Ein Sprecher von Parlamentspräsident Antonio Tajani bestätigte, dass das Plenum nicht unterbrochen worden sei. Tajani selbst schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter: „Dieses Parlament wird sich von Anschlägen von Terroristen oder Kriminellen nicht einschüchtern lassen.“ Er forderte: „Antworten wir auf terroristische Gewalt mit der Stärke der Freiheit und der Demokratie.“

Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron schickte Innenminister Christophe Castaner nach Straßburg. Das berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf den Élysée-Palast.

Polizisten befragen in einem dem Tatort nahe gelegenen Restaurant einige Augenzeugen. Quelle: Milja Rämö/Lehtikuva/dpa

Am Grenzübergang kontrollierte die Polizei am Abend Autos, die von Deutschland nach Frankreich fuhren, wie eine dpa-Reporterin berichtete. „Wir verstärken (...) aktuell die Kontrollen an der deutsch-französischen Grenze in diesem Bereich“, teilte die Bundespolizei Baden-Württemberg auf Twitter mit. Der Tramverkehr nach Deutschland sei eingestellt worden, hieß es bei Twitter.

Regierungssprecher Seibert „erschüttert“ über Tat in Straßburg

Der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert zeigte sich am Abend „erschüttert“ über den Angriff. „Welches Motiv auch immer hinter den Schüssen steckt: Wir trauern um die Getöteten und sind mit unseren Gedanken und Wünschen bei den Verletzten. Hoffentlich gerät niemand mehr in Gefahr“, schrieb Seibert bei Twitter. Auch EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker und weitere Politiker drückten ihr Mitgefühl aus.

Frankreich wird seit Jahren von einer islamistischen Terrorserie erschüttert. Dabei wurden bislang fast 250 Menschen aus dem Leben gerissen. Auch der Straßburger Markt sollte schon einmal Ziel eines Attentats sein: Im Jahr 2000 wurde ein geplanter Sprengstoffanschlag einer algerischen Gruppe rechtzeitig verhindert.

Von RND/dpa/AP/das/seb