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Panorama Tod im Gottesdienst: Bluttat mit 26 Opfern erschüttert Texas
Nachrichten Panorama Tod im Gottesdienst: Bluttat mit 26 Opfern erschüttert Texas
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20:02 06.11.2017
Die First Baptist Church ist das Zentrum der Gemeinde. Im Durchschnitt besuchen 50 Menschen den Gottesdienst. Quelle: Darren Abate
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Sutherland Springs

Pastor Frank Pomeroy ist an diesem Sonntag nicht in der Kirche. Aber seine 14-jährige Tochter Annabelle sitzt im Gottesdienst. Es ist Mittag in Sutherland Springs, einem kleinen Ort im US-Bundesstaat Texas. Draußen vor der Kirche steigt der 26-jährige Devin Patrick Kelley aus seinem Auto.

Er ist ganz in schwarz gekleidet, trägt eine kugelsichere Weste. In seiner Hand hält er ein Gewehr. Er schießt. Dann betritt er das Gotteshaus. Er schießt weiter, läuft den Gang entlang. Die Gottesdienstbesucher hätten in diesem Moment wahrscheinlich keine Möglichkeit gehabt, zu fliehen, sagt der örtliche Sheriff später.

Mindestens 26 Menschen sterben. Zahlreiche weitere werden verletzt. Das jüngste Opfer ist 18 Monate alt, das älteste 77. Eine Schwangere ist darunter, mehrere andere Mitglieder ihrer Familie sterben ebenfalls. Die Tat hinterlässt eine klaffende Wunde in Sutherland Springs. Einem Ort, in dem jeder jeden kennt.

Wieder werden die USA von einem Massaker erschüttert, wieder herrscht Fassungslosigkeit. Erst einen Monat ist es her, dass der 64-jährige Stephen Paddock in Las Vegas aus seinem Hotelzimmer das Feuer auf die Besucher eines gegenüberliegenden Festivals eröffnete und 58 Menschen tötete.

Wieder werden am Sonntag neue traurige Rekorde aufgestellt: Es ist die schlimmste Tat eines Schützen in der Geschichte des Bundesstaates und das schlimmste Blutbad in einer Kirche in den USA.

Wieder werden die immergleichen Rituale bemüht. Die Flaggen hängen auf halbmast. Trauernde versammeln sich, zünden Kerzen an. Präsident Donald Trump sagt, seine Gedanken und Gebete gelten den Opfern und ihren Angehörigen. „Thoughts and Prayers“ - das hört man oft nach solchen Taten. So oft, dass es fast schon ein wenig abgenutzt klingt.

Es gibt Helden in dieser Geschichte. Ein Nachbar, der neben der Kirche wohnt, hört die Schüsse. Er schnappt sich seine eigene Waffe und konfrontiert den Täter, als der das Gebäude verlässt. Er schießt auf ihn. Der Schütze lässt seine Waffe fallen, er flieht zu seinem Auto.

Johnnie Langendorff fährt da gerade an der Kirche vorbei. Er sieht den Nachbar, er hält an. Gemeinsam nehmen sie die Verfolgung des Täters auf. Irgendwann verliert der die Kontrolle über seinen Wagen, er kommt von der Straße ab, das Auto bleibt liegen. Polizisten finden den 26-Jährigen später tot in seinem Wagen. Sie gehen davon aus, dass er sich selbst erschossen hat.

Möglicherweise haben die beiden Männer Schlimmeres verhindert. Langendorff sagt später, er sei von dem Gedanken getrieben worden, den Mann zu stellen. „Ich habe getan, was ich glaubte, tun zu müssen.“

Einen Tag nach der Tat verdichten sich Hinweise auf ein familiäres Motiv. Kelley sei wütend auf seine Schwiegermutter gewesen, sagen die Ermittler. Er habe ihr Textnachrichten mit Drohungen geschrieben. Die Frau besuchte die Kirche regelmäßig, am Sonntag war sie aber nicht im Gottesdienst.

Kelley lebte im benachbarten New Braunfels, eine von deutschen Einwanderern gegründete Stadt. Er diente in der US-Luftwaffe, wurde aber 2014 entlassen. Ein Militärgericht hatte ihn zwei Jahre zuvor verurteilt, weil er seine Frau und das gemeinsame Kind angegriffen hatte. Eine Lizenz, um Waffen tragen zu dürfen, hatte er laut den Ermittlern nicht. Das Gewehr und zwei Pistolen kaufte er demnach selbst.

Die kleine Gemeinde trauert unterdessen. Sheriff Tackit sagt, nicht in seinen wildesten Träumen habe er sich so eine grausame Tat in der Gegend vorstellen können. Als er den Schauplatz des Verbrechens beschreibt, ringt er sichtlich um Fassung. Es sei unglaublich gewesen, so viele Kinder, Männer und Frauen dort liegen zu sehen. „Menschen, die sich nicht verteidigen konnten.“

Auch der texanische Gouverneur Greg Abbott kämpft mit den Tränen, während er vor Journalisten spricht. „Es sind so viele Familien, die Angehörige verloren haben“, sagt er. „Vater, Mütter, Söhne und Töchter.“

Sutherland Springs ist ein kleiner Ort, der gut 50 Kilometer südöstlich von San Antonio liegt. Gerade einmal mehrere Hundert Menschen leben hier. Jeder kenne jeden, sagt die Einwohnerin Carrie Matula dem Sender MSNBC. Was am Sonntag geschehen sei, treffe damit alle. Es gibt hier nicht viel, nicht einmal eine eigene Feuerwehr hat der Ort. Die First Baptist Church, ein weißes Gebäude, ist das Zentrum der kleinen Gemeinde. Im Durchschnitt besuchen 50 Menschen den Gottesdienst, heißt es.

Jeden Sonntag verbreitet die Kirche ein Video von der Predigt im Internet. Man kann sich die Aufnahmen auf YouTube anschauen. Gemeindemitglieder singen darin christliche Lieder zu Gitarrenmusik. Im Video aus der vergangenen Woche erklärt Pastor Pomeroy, warum er ein Motorrad in der Kirche geparkt hat. Er sagt, er habe erklären wollen, wie man Vertrauen in Kräfte haben kann, die man nicht sieht. Wie beim Motorradfahren, wenn man sich in eine Kurve legt und auf die Gravitationskräfte vertraut. Das ergebe vielleicht keinen Sinn. Aber ebenso müsse man auch auf Gott vertrauen.

Frank Pomeroy ist an diesem Sonntag nicht in Sutherland Springs, seine Frau Sherri auch nicht. Nach der Tat kehren sie sofort zurück. Sie trauern nicht nur um ihre Gemeinde - ihre Tochter Annabelle ist unter den Toten. Am Montag äußern sich die beiden vor Journalisten. „Wir haben gestern mehr verloren als Belle“, sagt Sherri Pomeroy. Die Kirchengemeinde sei wie eine Familie gewesen. „Wir haben zusammen gegessen, wir haben zusammen gelacht, wir haben zusammen geweint und wir haben zusammen Gottesdienst gefeiert. Jetzt ist der größte Teil unserer Kirchenfamilie tot.“

dpa

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