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Panorama Tödliches Spiel mit Patienten
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00:27 20.02.2015
Der ehemalige Krankenpfleger Niels H. versteckt sein Gesicht hinter einem Aktendeckel, während er auf dem Weg zur Anklagebank ist.

Er tötete wahllos. Jeden konnte es treffen. Jeden, der als Patient auf der Intensivstation lag, wenn Niels H. Dienst hatte. Niels H. tötete dann, wenn ihn mal wieder das Bedürfnis nach etwas Abwechslung und Anerkennung überkam — egal wen. „Meistens vergingen fünf Minuten vom Aussuchen des Opfers, bis ich die Spritzen aufzog“, sagt Niels H.. „Sie töteten also ohne Planung?“, fragt Richter Sebastian Bührmann nach. „Genau richtig“, antwortet H. eifrig, als sei er auf Korrektheit bedacht.

Es sind sehr befremdliche Momente, in denen der 38-jährige Ex-Krankenpfleger Niels H. gestern vor dem Landgericht Oldenburg seine Taten auf der Intensivstation Delmenhorst zwischen 2003 und 2005 schilderte. Befremdlich, weil seine sachliche Art in so krassem Gegensatz zur Monströsität dessen steht, was er getan hat. Wegen fünf Taten ist er in Oldenburg angeklagt. In der kommenden Woche soll das Urteil fallen. Deutlich wurde aber während des Prozesses, dass er weit mehr Patienten getötet hat. Bis zu 200 Todesfälle bringt eine Sonderkommission mit ihm in Verbindung. Er selbst hat zuletzt gegenüber einem Gutachter gestanden, 90 Patienten das potenziell tödliche Herzmedikament Gilurytmal injiziert zu haben. 30 starben.

„Habe ich das richtig verstanden, dass es sich um Mindestzahlen handelt?“, fragt Richter Bührmann nach. „Ja, das sind geschätzte Zahlen“, antwortet H.. Das Morden war für H. alltäglich. So alltäglich, dass es irgendwann keine Spuren mehr in seiner Erinnerung hinterließ.

Niels H. hat sich gestern zum ersten Mal im Prozess öffentlich zu seinen Taten geäußert. Was er berichtete, war die Geschichte eines hoch qualifizierten Krankenpflegers, dem es im kleinen Krankenhaus Delmenhorst oft zu ruhig war — und der sich durch gezielte Medikamentengabe immer wieder Reanimationsfälle verschaffte. Nach einer erfolgreichen Wiederbelebung sei er „gelöst und euphorisch“ gewesen:

„Je mehr Anerkennung ich bekam, desto besser habe ich mich gefühlt.“

Wenn es schiefging und der Patient starb, suchte er sich umso schneller das nächste Opfer. „Mir ist klar, dass meine Taten unentschuldbar sind“, sagte er gestern. Mit dem Blick auf die Angehörigen fügte er hinzu: „Es tut mir wirklich leid.“ Die Angehörigen glauben jedoch nicht an seine Reue. „Ich kann die Entschuldigung nicht annehmen“, sagte Kathrin Lohmann, Tochter eines der Opfer.

Auch auf das Strafmaß dürfte sein Geständnis keinen Einfluss haben. Oberstaatsanwältin Daniela Schiereck-Bohlmann forderte gestern lebenslang für H. — wegen dreifachen Mordes und zweifachen Mordversuchs. H. habe seine bewusstlosen Opfer heimtückisch und aus niederen Beweggründen getötet. Zudem will sie die besondere Schwere der Schuld feststellen lassen — was bedeuten würde, dass H.

nicht schon nach 15 Jahren freikommen könnte. Und sollten sich die weiteren Vorwürfe gegen den Ex-Pfleger bestätigen, könnte es nach Angaben der Staatsanwaltschaft eine weitere Anklage und einen weiteren Prozess gegen den Mann geben.

An seine Opfer kann sich H. offenbar nicht erinnern. Die Anwältin der Angehörigen, Gaby Lübben, hielt H. die Fotos seiner Opfer entgegen — und erzählte ihre Geschichten. Die von dem 44-Jährigen, der ein Haus gebaut hatte und drei kleine Kinder hinterließ. Oder die von der 61-Jährigen, Kathrin Lohmanns Mutter, die sich einen lange gehegten Traum erfüllt hatte, den Kauf eines Mercedes 190. „Das sind die Menschen, denen Sie das Leben genommen haben“, sagte Lübben. Niels H. blickte auf den Tisch, ohne ein Wort, ohne eine Regung im Gesicht.

Was für Qualen diese Menschen bis zu ihrem Tod erlitten haben, können wir nur erahnen.“ Gaby Lübben, Anwältin der Angehörigen



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