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Tote auf dem Weihnachtsmarkt

Terror erreicht Berlin Tote auf dem Weihnachtsmarkt

Ein Sattelschlepper rast in einen Weihnachtsmarkt in der Hauptstadt. Menschen sterben, Schwerverletzte liegen in Kliniken. Ermittler gehen von einem Anschlag aus. „Wir stehen zusammen“, sagt Bundespräsident Gauck.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht in Berlin den Ort des Anschlags.

Quelle: Maurizio Gambarini

Berlin. Schweigen liegt über dem Ort des Grauens in der Hauptstadt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) legt im schwarzen Mantel eine weiße Rose nieder. „Das Herz Berlins getroffen“ steht dort auf einem Pappschild inmitten eines Blumenmeeres.

Merkel ist sichtlich getroffen. Am Montagabend ist ein Sattelschlepper in den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gerast. Zwölf Menschen sterben, knapp 50 werden verletzt. Am Symbol für Frieden, der Gedächtniskirche, hat der Terror Berlin erreicht.

Es ist der schwerste Anschlag in der deutschen Hauptstadt. Noch ist nicht klar, wer der oder die Täter sind. Generalbundesanwalt Peter Frank spricht von einem Anschlag mit terroristischem Hintergrund. Am Tatort stehen Polizisten mit Maschinenpistolen im Anschlag. Bald sollen auch an anderen Weihnachtsmärkten und bei größeren Veranstaltungen Beamte die Eingänge sichern. Betonpoller sollen vor heranrasenden Fahrzeugen schützen.

Kurz nach dem Anschlag hatte die Polizei per Twitter gebeten, zu Hause zu bleiben, obwohl die Ermittler dachten, sie hätten den Täter. Am Tag danach gibt es erhebliche Zweifel daran. „Wir müssen uns mit dem Gedanken vertraut machen, dass der festgenommene Pakistaner nicht der Täter ist oder zur Tätergruppe gehört“, sagte Frank. Möglicherweise läuft der Schuldige noch frei herum, vielleicht mit einer Waffe.

Dennoch beschwören Politiker von Bund und Land, sich nicht einschüchtern zu lassen. „Weichen wir nicht zurück. Lassen wir unser Leben nicht von Angst bestimmen“, sagt der sichtlich getroffene Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) fordert die Berliner auf, sich Mut und Lebensweise nicht nehmen zu lassen. Bundespräsident Joachim Gauck verspricht: „Der Hass der Täter wird uns nicht zu Hass verführen.“ Am Mittwoch sollen die Weihnachtsmärkte wieder öffnen. Am Dienstag sind sie geschlossen.

Viele Menschen haben dennoch ein mulmiges Gefühl. „Ich war am Montagabend auf dem Weihnachtsmarkt verabredet, konnte aber nicht hin, weil ich kränklich war“, sagt die 31-jährige Kauffrau Aileen auf dem Weg zur Arbeit. „Es hätte auch mich treffen können.“ Die achteckige Kirche, sonst ein Treff von Touristen und Berlinern, ist zu einem Ort der Trauer geworden. Blumen und Kerzen liegen vor dem modernen Sakralbau mit den blauen Mosaikfenstern, den Egon Eiermann Ende 1950er Jahren neben die Kriegsruine baute.

„Ich bin so traurig, dass das hier passiert. Da kommt einiges wieder hoch“, sagt eine Französin mit leiser Stimme vor der Kirche. Nizza meint sie, wo im Juli bei einem Anschlag mit einem Lastwagen 86 Menschen ums Leben kamen. Pfarrer Martin Germer hat die Kirche geöffnet, damit sich Menschen sammeln können und nicht allein sind.

Es ist kein normaler Tag für das trubelige Berlin. In den Schaufenstern der Shoppingmeile am Ku'damm drehen sich die Dekofiguren einsam. Aus dem KaDeWe schallen Weihnachtslieder, doch kaum jemand hört sie. Nur wenige Menschen sind unterwegs.

Dafür werden am Abend umso mehr zusammenkommen - zur gemeinsamen Trauer. Viele wollen damit nicht allein sein. In der Gedächtniskirche neben dem Tatort und - wie bei schon viel zu vielen internationalen Attentaten zuvor - am Brandenburger Tor. Das Berliner Wahrzeichen leuchtet dann immer in Nationalfarben. „Dieses Mal wird das Brandenburger Tor in unseren eigenen Farben angestrahlt werden“, sagt Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) tief bewegt. Schwarz-Rot-Gold für Deutschland und Rot-Weiß für Berlin.

dpa

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