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UN-Ermittler: Völkermord an Jesiden muss gestoppt werden

Genf UN-Ermittler: Völkermord an Jesiden muss gestoppt werden

Verschleppt, versklavt, ermordet. Tausende Jesiden fallen in Syrien Kriegsverbrechen der IS-Terrormiliz zum Opfer. UN-Ermittler schlagen Alarm.

Genf. UN-Ermittler haben die internationale Gemeinschaft aufgerufen, die Fortsetzung des Völkermords an Jesiden zu unterbinden.

Tausende Angehörige dieser religiösen kurdischen Minderheit seien schutzlos brutalsten Kriegsverbrechen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ausgesetzt, beklagt die vom UN-Menschenrechtsrat berufene Untersuchungskommission für Syrien.

„Es ist bereits ein Völkermord verübt worden und er geht weiter“, sagte der Leiter der Kommission, Paulo Pinheiro, vor Reportern in Genf. „Die IS-Miliz verübt die entsetzlichsten Gräueltaten an allen jesidischen Frauen, Kindern und Männern, die sie gefangen genommen hat.“ Die IS-Miliz versuche, die Jesiden, die sie als Ungläubige ansehe, durch Morde, Vergewaltigungen, Versklavungen und Aushungern als Bevölkerungsgruppe auszulöschen.

Die Ermittler appellierten an den UN-Sicherheitsrat, den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag mit der Verfolgung der verantwortlichen IS-Kommandeure zu beauftragen oder für diese Aufgabe ein Sondertribunal einzurichten. Pinheiro verwies auf die Genozid-Konvention der UN, die alle Staaten verpflichte, Völkermord zu verhindern sowie zu bestrafen.

Die Terroristen hatten 2014 Tausende Jesiden aus ihren Siedlungsgebieten im irakischen Sindschar-Gebirge in das nahe Syrien verschleppt. Dort müssten sie seitdem extreme Gewaltverbrechen erleiden, heißt es in dem Bericht. Männer sowie Jungen über 12 Jahre seien von ihren Familien getrennt worden. Viele von ihnen wurden nach Angaben von Augenzeugen ermordet.

Derzeit befänden sich noch mehr als 3200 jesidische Frauen und Kinder in der Gewalt von IS-Terroristen, die meisten innerhalb Syriens. „Tausende Frauen und Mädchen, manche erst neun Jahre alt, wurden auf Sklavenmärkten verkauft“, berichten die UN-Ermittler. Zudem würden jesidische Frauen IS-Kämpfern als Sexsklavinnen „geschenkt“.

Eine Frau, die fliehen konnte, gab zu Protokoll, sie sei 15 Mal an andere „Besitzer“ weitergereicht worden: „Ich kann mich nicht mal mehr an alle erinnern, die mich gekauft haben.“ Unzählige jesidische Frauen in Syrien hätten Selbstmord begangen, um so ihre fortgesetzte Erniedrigung zu beenden.

Der IS mache kein Geheimnis aus seiner Absicht, die Jesiden zu zerstören, erklärte die Schweizer Juristin Carla Del Ponte, die Mitglied der Untersuchungskommission ist. „Das zeigt klar, dass ihre Aktionen als Völkermord einzustufen sind.“

dpa

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