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Panorama Urteile nach Mord an Kreml-Gegner Nemzow verzögern sich
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15:12 27.06.2017
Der russische Oppositionspolitiker Boris Nemzow wurde 2015 ermordet. Quelle: Jacek Turczyk/archiv
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Moskau

In dem Moskauer Prozess wegen Mordes an dem russischen Oppositionspolitiker Boris Nemzow hat sich das erwartete Urteil der Geschworenen gegen fünf Angeklagte verzögert. Der Militärrichter schloss einen Geschworenen und eine Ersatzgeschworene vom Prozess aus, wie russische Agenturen meldeten.

Der eine Laienrichter habe sich über den Gerichtsprozess hinaus Informationen zum Mord an Nemzow verschafft und diese Papiere mit in das Beratungszimmer bringen wollen, was verboten sei. Die Ersatzrichterin hatte Vorstrafen ihres verstorbenen Mannes verschwiegen. Wann die Geschworenen nach diesen Verzögerungen ihr Urteil verkünden, war bis Dienstagnachmittag nicht absehbar.

Der frühere Vizeministerpräsident Nemzow war am 27. Februar 2015 auf einer Brücke nahe dem Kreml in Moskau erschossen worden. Die Angeklagten stammen aus der Teilrepublik Tschetschenien im Nordkaukasus. Weil einer von ihnen damals in einem Bataillon des tschetschenischen Innenministeriums diente, wird der Fall vor einem Militärgericht verhandelt. Die Männer hatten nach ihrer Festnahme Geständnisse abgelegt, diese im Prozess aber widerrufen.

Die Anklage geht von einem Auftragsmord aus, wobei sich der angebliche Auftraggeber aus Russland abgesetzt haben soll. Nemzows Familie vermutet die Hintermänner in der tschetschenischen Führung unter Republikchef Ramsan Kadyrow. Die Anwälte der Familie haben vergeblich versucht, Kadyrow als Zeugen vorladen zu lassen.

Der Mordfall steht auch für das heikle Verhältnis zwischen dem ehemals abtrünnigen Tschetschenien, das unter großem Blutvergießen zurückerobert wurde, und der Führung in Moskau. Auch im Fall der ermordeten Journalistin und Kreml-Kritikerin Anna Politkowskaja 2006 versandete die Spur letztlich in Tschetschenien.

Der Reformpolitiker Nemzow machte Karriere als Gouverneur des Gebietes Nischni Nowgorod an der Wolga und diente unter Staatschef Boris Jelzin 1997/98 als Vizeministerpräsident. Mit dem neuen Präsidenten Wladimir Putin überwarf er sich und war dann in der zersplitterten Opposition einer der bekannteren und angeseheneren Politiker.

dpa

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