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Verfahren gegen spanische Infantin Cristina zu Ende

Palma de Mallorca Verfahren gegen spanische Infantin Cristina zu Ende

Ein historisches Gerichtsverfahren gegen eine Schwester des spanischen Königs geht nach gut fünf Monaten zu Ende. Die Infantin Cristina kann auf einen Freispruch hoffen. Für ihren Ehemann Iñaki Urdangarin sieht es weniger günstig aus.

Palma de Mallorca. Die Angeklagten wurden vernommen, mehr als 300 Zeugen und Sachverständige angehört und die Plädoyers gehalten: In Spaniens „Prozess des Jahres“ gegen eine Schwester von König Felipe VI. sind die Verhandlungen abgeschlossen.

„Ich habe nichts zu sagen, Euer Ehren. Vielen Dank!“ Mit diesen Worten verzichtete die Infantin Cristina auf ihr Recht auf ein Schlusswort.

Für die 51-Jährige und die übrigen 16 Angeklagten beginnt nun eine Zeit des gebannten Wartens auf die Entscheidungen der drei Richterinnen auf der Ferieninsel Mallorca. In Spanien werden - anders als in Deutschland - die Gerichtsurteile nicht sofort nach dem Abschluss der Verhandlungen verkündet, sondern im Normalfall erst mehrere Wochen später und dann in schriftlicher Form.

Der Prozess in einem - zum Gerichtssaal umfunktionierten - Schulklassenraum im Gewerbegebiet von Palma de Mallorca hat am Image des spanischen Königshauses gekratzt. Cristina, die Nummer sechs der spanischen Thronfolgeliste, war in der Geschichte des Landes die erste nahe Verwandte eines Monarchen, die in einem Verfahren um einen Finanzskandal auf die Anklagebank musste. Die 51-Jährige soll ihrem Ehemann Iñaki Urdangarin, einem der Hauptangeklagten, Beihilfe zum Steuerbetrug geleistet haben.

„Die Bilder von der Königsschwester auf der Anklagebank mögen für die Infantin und ihre Familie schmerzlich gewesen sein, aber sie taten der spanischen Demokratie und dem Rechtsstaat gut“, zog die Zeitung „El Mundo“ Bilanz. „Die Justiz bewies ihre Unabhängigkeit und gab nicht dem Druck nach, Felipes Schwester den Prozess zu ersparen.“

In dem vor gut fünf Monaten eröffneten Verfahren ging es um die Geschäfte der gemeinnützigen Stiftung Nóos, die der frühere Handballstar Urdangarin mit seinem Partner Diego Torres geleitet hatte. Das Institut hatte unter anderem von den Regierungen der Balearen und der Region Valencia mehr als sechs Millionen Euro für die Ausrichtung von Kongressen über Sport und Tourismus erhalten. Die Konferenzen sollen laut Anklage jedoch nur einen Bruchteil der berechneten Summen gekostet haben. Cristina war zu 50 Prozent an einer Firma beteiligt, die ihrem Mann dazu gedient haben soll, Gelder aus der Stiftung abzuzweigen.

Die Infantin kann darauf hoffen, glimpflich davonzukommen. Sie sagte bei ihrer Vernehmung aus, sich nie um die Geschäfte gekümmert und nur ihren Namen für den Firmenvorsitz hergegeben zu haben. Allein die Gewerkschaft Manos Limpias (Saubere Hände) verlangte als Nebenklägerin für Cristina eine Haftstrafe von acht Jahren. Die Organisation wurde jedoch mittlerweile selbst von einem Skandal in ihrer Glaubwürdigkeit erschüttert: Ihr Präsident Miguel Bernad sitzt wegen des Verdachts der Erpressung in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft war von Anfang an gegen eine Anklage gegen die Infantin gewesen und forderte für sie einen Freispruch.

Für Urdangarin, mit dem Cristina vier Kinder hat und in Genf lebt, sieht es deutlich ungünstiger aus. Der 48-Jährige wurde im Prozess von Zeugen und Mitangeklagten belastet. Der Staatsanwalt forderte für ihn knapp 20 Jahre Haft. Der frühere Profisportler sagte zu seiner Verteidigung aus, er sei davon überzeugt gewesen, dass die Geschäfte von Nóos rechtens gewesen seien, zumal das Königshaus eingeweiht gewesen sei. Sein Anwalt forderte für ihn Freispruch und versuchte, den Beratern seines Mandanten die Schuld zuzuschieben. „Urdangarin hat nichts Böses getan“, sagte sein Verteidiger. „Er hat lediglich zu schnell anderen Leuten vertraut.“

dpa

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