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Vergewaltigern droht die Todesstrafe

Neu Delhi Vergewaltigern droht die Todesstrafe

Sondergericht in Indien spricht Angeklagte des Mordes an der jungen Frau schuldig. Familie fordert den Strang.

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„Wir wollen Gerechtigkeit!“ Mit Parolen wie diesen zogen Demonstranten gestern vor das Gerichtsgebäude in Neu Delhi.

Quelle: Fotos: AFP, dpa, Fotolia

Neu Delhi. Die Vergewaltiger vom Dezember haben ihr Urteil gehört — in einer für Indien außergewöhnliche Schnelligkeit. Welche Strafe sie erwartet, ist noch unklar. Für die Familie des Opfers gibt es nur eine zufriedenstellende Antwort.

Die brutalen Peiniger einer 23 Jahre alten Studentin in Indien sind gestern von einem Sondergericht in Neu Delhi wegen Mordes schuldig gesprochen worden. Die vier Angeklagten hatten laut Urteil die junge Frau gemeinsam mit zwei weiteren Tätern in einem Bus entführt, vergewaltigt und mit einer Eisenstange gefoltert. Daran starb sie zwei Wochen später. Die 19 bis 26 alten Männer seien für „den kaltblütigen Mord des wehrlosen Opfers“ verantwortlich, heißt es im Urteil. Richter Yogesh Khanna wird das Strafmaß — lebenslang oder die Todesstrafe — in den kommenden Tagen verkünden.

Aussage auf dem Sterbebett

Das Urteil stützt sich vor allem auf die Aussage des Freundes des Opfers, der mit im Bus war und dort zusammengeschlagen wurde, sowie auf die Erklärung der Studentin auf dem Sterbebett. Ihre Familie hatte bei der Urteilsverkündung Tränen in den Augen. Sie forderte einmal mehr den Strang für die Täter. „Die einzig mögliche Strafe für diese Männer, die solch ein brutales, abscheuliches Verbrechen begangen haben, ist die Todesstrafe. Wir werden nichts anderes akzeptieren, auch keine lebenslange Haftstrafe“, sagte der jüngere Bruder. Ein ebenfalls an der Tat beteiligter Jugendlicher war Ende August zur Höchststrafe von drei Jahren Jugendarrest verurteilt worden. Ein sechster Angeklagter, der als Anführer galt, war erhängt in seiner Gefängniszelle gefunden worden.

Das äußerst grausame Verbrechen an der Studentin am 16. Dezember hatte ganz Indien aufgeschreckt und zu wochenlangen Protesten gegen Vergewaltigungen und zu Demonstrationen für mehr Frauenrechte geführt. Gestern standen wieder viele Demonstranten vor dem Gerichtsgebäude, einige hatten Galgenstricke um den Hals.

„Frauen werden durch dieses Urteil in ihren Rechten bestärkt“, sagte Ranjana Kumari, Direktorin des Zentrums für Sozialstudien. „Sie werden jetzt auf die Gerichte schauen und wissen, dass sie Gerechtigkeit erhalten.“ Das meint auch Ambika Soni von der regierenden Kongresspartei: „Dieses Urteil soll eine Nachricht der Abschreckung sein an alle, die solche Verbrechen begehen .“ Die Täter sollten erzittern.

Die nun verurteilten Männer — ein Taxifahrer, ein Hilfsschaffner, ein Fitnessstudio-Mitarbeiter und ein Obstverkäufer — hatten ihre Schuld bestritten. Erst gegen Ende des Prozesses erklärte der 26 Jahre alte Taxifahrer, er habe den Bus gelenkt, aber von den Vorgängen auf der Rückbank nichts mitbekommen. Zwei der Männer sagten aus, sie hätten zum Tatzeitpunkt ein Konzert besucht, ein anderer will in seinem Dorf gewesen sein.

In den Bus gelockt

Doch tatsächlich fuhren sie zum Spaß mit einem Bus, der normalerweise Kinder zur Schule bringt, durch die indische Hauptstadt. Wie weiter aus dem Urteil hervorgeht, lockten sie an einer Haltestelle das Opfer und ihren Freund an Bord. Die beiden hatten gerade einen Film gesehen und waren auf dem Nachhauseweg. Die Männer gaben an, in ihre Richtung zu fahren, doch als die Türen sich schlossen, fielen sie über die beiden her.

Die Gruppenvergewaltigung war die erste einer ganzen Reihe solcher Verbrechen, über die in den indischen Medien ausgiebig berichtet wurde. Erstmals begann eine gesellschaftliche Debatte. Der Aufschrei zwang die Regierung dazu, die Haftstrafen für sexuelle Verbrechen zum Teil zu verdoppeln. Es gibt jetzt spezielle Notrufnummern für Frauen und Schnellgerichte für Sexualstraftaten. Der TV-Sender NDTV kommentierte: „Sie starb, aber weckte die Nation auf.“

Das Verbrechen, das ein ganzes Land erschütterte
Die Vergewaltigung einer Studentin Ende 2012 löste eine Protestwelle aus.

16. Dezember 2012: In einem Bus in Neu Delhi vergewaltigen und foltern sechs Männer eine 23-jährige Studentin und verprügeln ihren Freund. Am Folgetag nimmt die Polizei vier Verdächtige fest, später zwei weitere. Die Frau schwebt in Lebensgefahr.

18. Dezember: Demonstranten verlangen die Todesstrafe für Vergewaltiger. 27. Dezember: Der Zustand des Opfers verschlechtert sich. Die Frau wird nach Singapur ausgeflogen, wo sie am 29. Dezember stirbt.

3. Januar 2013: Die Justiz erhebt gegen fünf Beschuldigte Anklage wegen Mordes, Vergewaltigung und Entführung. Ihnen droht die Todesstrafe.

21. Januar: Die mutmaßlichen Vergewaltiger stehen in Neu Delhi für erste Anhörungen vor einem der neuen Schnellgerichte, die nach dem Tod der Studentin eingerichtet worden waren.

5. Februar: Der Prozess gegen fünf Beschuldigte beginnt.

11. März: Der Drahtzieher wird erhängt in seiner Zelle gefunden.

31. August: Ein zur Tatzeit 17-Jähriger bekommt drei Jahre Jugendarrest.

 

OZ

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