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Was wird aus deutschen Höhlenkindern?

Arona/Madrid Was wird aus deutschen Höhlenkindern?

Das Schicksal der beiden Mädchen auf Teneriffa ist noch ungewiss — gegen ihre Mutter wird jetzt ermittelt.

Arona. Die wachsende Armut in Spanien im Zuge der tiefen Wirtschaftskrise macht auch vor nordeuropäischen Auswanderern nicht halt. Nun rettete die Polizei zwei verwahrloste deutsche Mädchen aus einer Höhle auf der Kanareninsel Teneriffa. Die Mutter wurde festgenommen. Dies ist kein Einzelfall: Auf den Kanarischen Inseln genauso wie auf Mallorca leben immer mehr gescheiterte Glücksritter aus Deutschland und anderen europäischen Staaten auf der Straße — in Bretterverschlägen oder eben in Felslöchern.

Kein Strom, kein Wasser

Die Mädchen schliefen auf Matratzen, die auf dem nackten Boden lagen. Sie lebten in einer kleinen Höhle in einer Vulkan-Hügellandschaft namens Guaza: ohne fließendes Wasser und elektrischen Strom, nicht weit von der Urlaubshochburg Arona im Süden Teneriffas entfernt. Eine bekannte Touristengemeinde, zu der die berühmten Strandorte Playa de las Américas und Los Cristianos gehören, wo sich jedes Jahr hunderttausende Feriengäste erholen.

Nun wurde die Sozialfürsorge auf die beiden Mädchen in der Höhle aufmerksam und rückte mit der Polizei an, um die Minderjährigen dort herauszuholen. Die beiden deutschen Kinder im Alter von sieben und zehn Jahren lebten bereits mehrere Wochen in dem Felsenloch. Zusammen mit einem deutschen Mann, der offenbar ein Bekannter der Mutter ist. Er hatte sich, so teilten die Behörden mit, auf Bitten der Frau um die beiden Kinder gekümmert, er brachte sie sogar täglich zur Schule.

Behörden halten sich bedeckt

Der genaue Hintergrund des aufsehenerregenden Falles ist derzeit noch mysteriös, weil die kanarischen Behörden aus Jugendschutzgründen keine Einzelheiten bekannt geben wollen. Mitgeteilt wurde nur so viel: Bei der deutschen Mutter handelt es sich offenbar um eine auf Teneriffa gestrandete Auswanderin, die schon längere Zeit in einer Hütte an einem Strand im Süden lebte. Als die Deutsche sich im Januar nicht mehr in der Lage gesehen habe, die Kinder zu versorgen und sie zur Schule zu bringen, habe sie ihren in der Höhle lebenden Bekannten gebeten, sich um die Mädchen zu kümmern.

Wie es nun mit den beiden Kindern weitergeht, die sich derzeit in Obhut des kanarischen Sozialdienstes befinden, ist noch unklar. Die Polizei sucht derzeit nach Familienangehörigen in Deutschland, in der Hoffnung, die Mädchen dort unterbringen zu können. Vielleicht könnten sie ja künftig bei ihren Großeltern leben, sagte die Chefin des Sozialdienstes, Clara María Pérez. Vom Vater gebe es bisher noch keine Spur.

Wenn Auswanderträume platzen Hilfsorganisationen auf Teneriffa warnen schon länger davor, dass die Zahl der Obdachlosen auf der Urlaubsinsel stetig wachse. Spaniens tiefe Finanz- und Wirtschaftskrise sorge dafür, dass immer mehr Menschen Arbeit, Einkommen und Obdach verlieren, heißt es. Mehrere hundert Personen lebten auf Teneriffa bereits auf der Straße — davon seien etwa ein Drittel gescheiterte Auswanderer, die meist aus der Europäischen Union stammten und deren Träume vom Leben in der Sonne geplatzt sind.

 



Ralph Schulze

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