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Wieso fehlten Organe in der Leiche des 17-Jährigen?

Mysteriöser Tod auf Malta Wieso fehlten Organe in der Leiche des 17-Jährigen?

Eine Familie verabschiedet ihren 17-jährigen Sohn in den Urlaub. Auf Malta stirbt er – unter mysteriösen Umständen. Bis heute ist die Todesursache nicht geklärt. Haben die Behörden Fehler gemacht? Und wieso fehlen Organe in der Leiche des Opfers?

Die als Dingli Cliffs bekannte Steilküste im Süden der Insel Malta. Knapp ein Jahr nach dem Tod ihres 17-jährigen Sohnes an der Dingli-Steilküste auf Malta sucht seine Familie aus Oldenburg noch immer nach Antworten.

Quelle: dpa

Oldenburg. Knapp ein Jahr nach dem Tod ihres 17-jährigen Sohnes auf Malta sucht seine Familie aus Oldenburg noch immer nach Antworten. Ungeklärt sei etwa die genaue Todesursache, sagte der Vater des Jungen, Bernd Mansholt, der Deutschen Presse-Agentur. „Vieles ist in Malta schief gelaufen.“ An der Leiche fehlten Organe.

Rückblick: Vergangenen Sommer verschwand der Jugendliche aus Oldenburg im Urlaub spurlos. Zuletzt war er am 18. Juli in seinem Hotel in Sliema an der Nordostküste gesehen worden. Ermittlungen ergaben, dass er sich am Tag seines Verschwindens ein blaues Fahrrad geliehen hatte. Mehr als eine Woche später, am 26. Juli, wurden die Leiche und das Fahrrad in einer Felsspalte der Dingli-Klippen an der Südküste der Insel entdeckt. Nach Angaben der maltesischen Behörden hat der Körper damals vermutlich schon sieben bis acht Tage dort gelegen. Wie genau der Jugendliche ums Leben kam, wurde nie geklärt.

Auch die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt noch immer zum Tod des Jugendlichen. Im Rahmen der Obduktion seien zwar keine Hinweise auf ein Fremdverschulden gefunden worden, teilte Staatsanwalt Torben Tölle am Freitag mit. „Allerdings fehlten bei dem nach Deutschland überführten Leichnam eine Vielzahl von Organen“, sagte Tölle. Ohne die Organe sei es nicht möglich, die Todesursache festzustellen.

Anzeige wegen illegaler Organentnahme

Einen Organspendeausweis hatte der Jugendliche nach Angaben seines Vaters nicht. Zwar gelten in den EU-Ländern verschiedene Modelle zur Organentnahme, doch auf Malta ist eine Zustimmung nötig. Dort ist ein Toter nicht automatisch Organspender, sondern er selbst muss zu Lebzeiten zugestimmt haben. Liegt keine Zustimmung vor, können die Angehörigen entscheiden, ob Organe entnommen werden dürfen. „Nachgefragt wurde das bei uns aber nicht“, sagte Mansholt.

Nachdem Experten in Malta den Leichnam untersucht hatten, führten Ärzte in Deutschland eine zweite Obduktion durch. Der Obduktionsbericht über die Erstobduktion liegt in Deutschland nicht vor, hieß es von der Staatsanwaltschaft. Schon im November sei ein Auskunftsersuchen nach Malta versandt worden, um das Ergebnis der dortigen Obduktion, Todesermittlungen und den Verbleib der fehlenden Organe in Erfahrung zu bringen. „Eine Antwort auf dieses Ersuchen steht derzeit noch aus“, teilte Staatsanwalt Tölle weiter mit. Die maltesischen Behörden wollten sich offiziell nicht zu dem Fall äußern.

Im April ist der Vater zusammen mit seiner Tochter wieder nach Malta gereist, hat bei den Behörden Anzeige wegen illegaler Organentnahme erstattet. Er vermutet keinen organisierten Organhandel dahinter, vielmehr könnten schlampig arbeitende Behörden in Malta Schuld sein. Der Oldenburger hält es für vorstellbar, dass die Organe zu Studienzwecken an der Universität von Malta gelandet sind.

Hat der Tote seine Kräfte überschätzt?

Das Fehlen der Organe ist nicht die einzige Ungereimtheit: Der 17-Jährige war, bevor er starb, auf einem Fahrrad unterwegs, hatte für seinen Ausflug höchstwahrscheinlich einen Rucksack dabei, war zudem ausgerüstet mit einer Gopro-Kamera. „Obwohl eine Polizistin auf Malta mir mehrmals bestätigt hat, dass die Gopro auch an der Leiche gefunden wurde, tauchte sie nie wieder auf“, beschreibt der Vater.

Als Mansholt die persönlichen Dinge seines Sohnes habe abholen wollen, hätte man ihm stattdessen eine andere Digitalkamera überreichen wollen. Diese gehörte seinem Sohn aber nicht.

Die Familie hat eine Theorie zum Tod des Jungen: Es könnte gut sein, dass der abenteuerlustige junge Mann seine Kräfte überschätzt hat und am Ende an einem Hitzschlag starb. Die maltesischen Behörden gingen zunächst davon aus, dass der Jugendliche mit dem Rad abgestürzt war. Doch kein Knochen seines Körpers war gebrochen, er hatte zum Zeitpunkt seines Todes lediglich eine Schürfwunde am Arm.

Von RND/dpa

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