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Wowereit erstattet Anzeige gegen Bushido

Berlin Wowereit erstattet Anzeige gegen Bushido

Provokation ist zwar sein Markenzeichen — aber dieses Mal ging der Berliner Rapper einigen Politikern zu weit.

Berlin. Es ist gerade mal ein Jahr her, da machte Rapper Bushido ein Praktikum bei einem CDU-Bundestagsabgeordneten. Er wollte eine Partei gründen, Klaus Wowereit stürzen, die D-Mark wiederhaben und Sex mit Angela Merkel — jetzt drängt der Preisträger des Integrations-„Bambi“ erneut in die Schlagzeilen: Mit einem Hass-Lied namens „Stress ohne Grund“. Das Original-Video ist auf dem Internetportal Youtube inzwischen gesperrt. Der Grund: In dem Song hetzt der 34-Jährige gegen Politiker und spart nicht mit Beschimpfungen. Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth und den FDP-Bundestagsabgeordneten Serkan Tören bedroht er mit dem Tod, Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) widmet er einen schwulenfeindlichen Reim. Nur die CDU greift er nicht an — vielleicht eine Spätfolge seines Praktikums.

Der Song wird nun ein Fall für die Justiz: Klaus Wowereit hat gestern Strafanzeige gestellt. Der Inhalt des Videos habe Wowereit zu rechtlichen Schritten bewogen, sagte der stellvertretende Senatssprecher Bernhard Schodrowski. Zum konkreten Tatvorwurf äußerte er sich nicht. Es heißt aber, dass es um Beleidigung gehe. Und vielleicht folgen weitere Anzeigen.

„Ich will, dass Serkan Tören ins Gras beißt“, lautet eine Zeile in dem Rap. Dann fallen zwei Schüsse. An einer anderen Stelle heißt es: „Ich schieß auf Claudia Roth, und sie kriegt Löcher wie ein Golfplatz.“ Tören hatte im April gefordert, Bushido den Integrations-Bambi, der ihm 2011 vom Burda-Verlag verliehen wurde, wieder abzuerkennen, weil Bushidos enge Kontakte zum mafiösen Abou-Chaker-Clan bekannt geworden waren. Daraufhin hatte Tören gesagt: „Wer einen engen Kontakt zu Größen der Berliner Unterwelt pflegt, ist kein Beispiel für Integration, sondern das genaue Gegenteil.“ Das wollte der Rapper wohl nicht auf sich sitzen lassen.

Aber Rache ist nicht das einzige Motiv für den Halb-Tunesier, der eigentlich Anis Mohamed Youssef Ferchichi heißt: Bushido braucht die Schlagzeilen, Provokation ist sein Geschäft — und das läuft gerade nicht so gut. Anerkannte Rap-Größen haben sein Plattenlabel „ersguterjunge" wieder verlassen. Seinen neuesten Mitarbeiter, den 24-jährigen Rapper Shindy, mit dem er seinen neuen Song zusammen aufgenommen hat, kennt noch niemand. Also ist der Wirbel um das Video genau in seinem Sinne. „Bushido ist ein Aufmerksamkeit-Parasit“, sagte der grüne Bundestags-Abgeordnete Omid Nouripour der „Welt“. Eigentlich helfe nur eines: „Man muss diesen talentlosen Musiker ignorieren."

Sänger Heino fordert aber mehr. „Die Lieder sind in meinen Ohren menschenverachtend“, so der 74-Jährige. „Der Mann muss in seiner kriminellen Energie dringend gestoppt werden. Unser Rechtsstaat ist aufgefordert, jetzt endlich mal zu handeln.“ Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, forderte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) auf, zu dem Musikvideo Stellung zu beziehen.

Bushido aber scheint das alles wenig zu beeindrucken — er hat seine Schlagzeilen. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter verlinkte er sogar jeden Artikel über sich, auch das Nouripour-Interview. Dazu schrieb er: „Hahaha das hat meine Laune aufgeheitert.“

Das Video ist in einer zensierten Version wieder online. Die Namen Wowereit, Roth, Tören und Oliver Pocher — dem Bushido Prügel androht — sind gelöscht. Dennoch wird inzwischen geprüft, ob das Lied auf den Index gehört — gestern seien Anträge gegen die CD und das Video eingegangen, sagte die Vorsitzende der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien.

 

 

jps, dpa

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