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AfD-Vize: Politischer Islam größte Bedrohung für Demokratie

Berlin AfD-Vize: Politischer Islam größte Bedrohung für Demokratie

Die AfD macht weiter Front gegen den Islam. Trotz der Empörung, die ihre Thesen hervorgerufen haben. Aus Kirche und Wissenschaft kommt auch Kritik an den anderen Parteien. Sie hätten das Thema Religion lange vernachlässigt und der AfD dadurch eine Steilvorlage geliefert.

Berlin. Die AfD lässt sich in ihrem Anti-Islam-Kurs auch von heftiger Kritik nicht beirren. „Die größte Bedrohung für Demokratie und Freiheit geht heute vom politischen Islam aus“, sagte die AfD-Vizevorsitzende Beatrix von Storch der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Auch antisemitische Übergriffe hätten heutzutage überwiegend einen islamistischen Hintergrund. Politiker anderer Parteien und Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaften warfen der AfD vor, sie gefährde mit Pauschalurteilen und unhaltbaren Anschuldigungen den inneren Frieden.

Doch auch die Bundestagsparteien stehen in der Kritik. „Kopftuch, Schächten, Islamunterricht - die deutsche Politik hat die Bevölkerung nicht rechtzeitig auf die Religionsvielfalt vorbereitet“, sagte der Politikwissenschaftler Ulrich Willems, der an der Universität Münster einem interdisziplinären Forschungsverbund zu „Religion und Politik“ angehört. Religionspolitische Debatten und Entscheidungen seien von den etablierten Parteien lange Zeit bewusst vermieden worden. Konflikte zu Fragen wie Beschneidung oder Moscheebau habe man den Gerichten überlassen.

Der religionspolitische Sprecher der Union im Bundestag, Franz Josef Jung, warf der AfD vor, sie missbrauche das Thema Islam, um die Gesellschaft zu spalten. „Sie begibt sich damit geistig auf eine Stufe mit religiösen und politischen Extremisten, zu deren Programm Unfrieden und Chaos gehören“, fügte er hinzu.

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) sagte, gewaltorientierte Salafisten seien ein großes Problem - man dürfe deswegen aber nicht alle Muslime verteufeln. In Deutschland dürfe nie wieder eine Religionsgruppe für alles verantwortlich gemacht werden, was schieflaufe.

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, sagte, es sei unwahr, abwertend und diskriminierend zu behaupten, der Islam sei generell nicht mit dem Grundgesetz vereinbar. Er verwahrte sich auch gegen die Aussage von Storchs, antisemitische Übergriffe hätten heute einen überwiegend islamistischen Hintergrund. Das Gros antisemitischer Straftaten werde immer noch von Rechtsextremisten verübt. Schuster sagte: „Für besonders infam halte ich es, wenn eine Partei wie die AfD, die rechtsextremes Gedankengut in ihren eigenen Reihen duldet, nun andere Menschen des Antisemitismus bezichtigt.“

Hannovers Landesbischof Ralf Meister pochte angesichts der Anti-Islam-Tiraden der AfD auf einen möglichst schnellen Abschluss des Staatsvertrages des Landes Niedersachsen mit den Muslimen. „Wir brauchen Verträge, die mit einer breiten Mehrheit die islamischen Gemeinschaften anerkennen und sich mit ihnen über Rechte und Pflichten in unserem Staat verständigen“, erklärte Meister.

Von Storch und der zweite Partei-Vize, Alexander Gauland, hatten am Wochenende erklärt, der Islam sei eine Ideologie, die nicht mit dem Grundgesetz vereinbar sei. Er sei ein „Fremdkörper“ in Deutschland.

dpa

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