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Armut ist urban, nicht ostdeutsch

Berlin Armut ist urban, nicht ostdeutsch

Studie: In den Städten gibt es die größten Einkommensprobleme.

Berlin. Einkommensarmut ist nicht in Ostdeutschland zu Hause, sondern in den Städten. Werden die unterschiedlichen Preise berücksichtigt, dann sind die Unterschiede zwischen Ost und West gar nicht mehr so groß. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Ein weiterer Befund: Das Stadt-Land-Gefälle ist unter Berücksichtigung der Kaufkraft größer als vermutet. Am stärksten von Armut betroffen sind die Städte.

Egal, wo man wohnt: In Deutschland gilt als einkommensarm, wer höchstens 60 Prozent des mittleren bundesdeutschen Einkommens erreicht. Die Schwelle liegt derzeit bei 870 Euro im Monat. Doch nach Berechnungen des IW braucht ein Single in München 1030 Euro, um sich genau das leisten zu können, was der durchschnittliche deutsche Bürger mit 870 Euro kann. Wer in Stendal in Sachsen-Anhalt lebt, braucht dafür keine 800 Euro.

Dies ist das Extrembeispiel. Im Schnitt sind die Preise im Osten sieben Prozent niedriger als im Westen. Werden diese Unterschiede berücksichtigt, dann liegen die ostdeutschen Länder beim mittleren Einkommen nur noch neun Prozent unter den westdeutschen Ländern. Die Einkommen seien zwar niedriger, aber man kann sich damit auch mehr leisten als im Westen. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, könne Brandenburg als kaufkraftstärkstes Ost-Land sogar fast mit Hamburg gleichziehen.

Auch bei der Armutsquote ändert sich die Länder-Reihenfolge, wenn die jeweilige Kaufkraft vor Ort mit einfließt. Thüringen rückt dann nach Bayern und Baden-Württemberg zum Land mit dem drittniedrigsten Anteil von Personen in Armut auf. Brandenburg und Sachsen erreichen nahezu den Bundesdurchschnitt und stehen besser da als Nordrhein-Westfalen. Deutlich zurück fällt nur Mecklenburg-Vorpommern. Der Tourismus hat vielerorts die Preise nach oben getrieben, die Einkommen aber sind wegen ländlicher Struktur und fehlender Industrie niedrig.

Die Mecklenburgische Seenplatte, Vorpommern und die Insel Rügen sind die Regionen mit der niedrigsten Kaufkraft in ganz Deutschland. Schleswig-Holstein, Niedersachsen oder Hessen liegen im oberen Mittelfeld. Grund für die Probleme der Städte ist der hohe Anteil von Alleinstehenden, Alleinerziehenden und Zuwanderern.

 



Arnold Petersen

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