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Politik EU nimmt Flüchtlinge auf: Endlich dürfen Gerettete runter von Stralsunder „Alan Kurdi“
Nachrichten Politik EU nimmt Flüchtlinge auf: Endlich dürfen Gerettete runter von Stralsunder „Alan Kurdi“
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17:39 13.04.2019
Die „Alan Kurdi“ der Regensburger Organisation Sea-Eye hatte im Mittelmeer Geflüchtete aufgenommen und suchte seitdem einen Hafen zum Anlegen. Quelle: Fabian Heinz/Sea-eye.org/AP/dpa
Rom/Valetta

Die auf einem deutschen Rettungsschiff im Mittelmeer seit Tagen ausharrenden 62 Geflüchteten könnten noch am Samstag in Malta an Land gehen. Von dort würden sie nach Deutschland, Frankreich, Portugal und Luxemburg gebracht, teilte die maltesische Regierung mit. Keiner von ihnen werde in Malta bleiben. Deutschland nimmt nach Angaben des Bundesinnenministeriums vom Samstag bis zu 26 Menschen auf.

Das RettungsschiffAlan Kurdi“ von der Organisation Sea-Eye hatte die Menschen bereits am 3. April vor der libyschen Küsten gerettet. Das Schiff bekam dann keine Genehmigung, in einen sicheren Hafen einzufahren, da Italien und Malta auf eine Verteilung der Menschen auf andere EU-Länder pochten. Zwei Frauen wurden aus gesundheitlichen Gründen in Malta an Land gebracht. Auch ein Crewmitglied wurde in der Nacht zu Samstag von Bord gebracht. Die Situation auf dem Rettungsschiff hatte sich zuletzt vor allem durch Platzmangel, Wasser- und Lebensmittelknappheit zugespitzt.

Kritik von „Pro Asyl“ und Flüchtlingsrat

Auch jetzt dürfe die „Alan Kurdi“ nicht in Malta einlaufen, teilte die Regierung des rund 350 Kilometer nördlich der libyschen Küste gelegenen Inselstaates mit. Ein maltesischer Diplomat sagte, die Migranten würden von dem Rettungsschiff auf ein maltesisches Schiff umsteigen, das sie dann an Land bringe.

Die deutsche Menschenrechtsorganisation Pro Asyl kritisierte das Verhalten des kleinsten EU-Landes als „unerträglich“. „Es gibt überhaupt keine nachvollziehbare Erklärung, dass Malta die Alan Kurdi nicht einlaufen lässt. Malta tritt die Menschenwürde mit Füßen“, sagte Geschäftsführer Günter Burkhardt. Pro Asyl fordere einen Europäischen Verteilungsschlüssel für Angelandete und aus Seenot gerettete Bootsflüchtlinge.

Mehr zum Thema: Retter fordern Notfallplan für Flüchtlinge

Auch der Flüchtlingsrat Köln äußerte Kritik und sprach von einer humanitären Katastrophe. Dass es mehrere Tage dauerte, bis sich unter anderem Deutschland zur Aufnahme eines Teils der rund 60 Menschen an Bord der „Alan Kurdi“ bereit erklärte, sei ein unwürdiges Schauspiel, mahnte der Vorsitzende Claus-Ulrich Prölß am Samstag.

Seenotrettung im Mittelmeer: Kein Hafen in Sicht

Heimathafen der „Alan Kurdi“ ist Stralsund. Das frühere Forschungsschiff des Landes Mecklenburg-Vorpommern fährt derzeit seine dritte Mission für „Sea-Eye“. Aktuell hat der Hamburger Kapitän Werner Czerwinski das Kommando.

Von RND/dpa/epd