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Ausreißer bei der Wahl - in Brennpunkten räumt die AfD ab

Stuttgart/Magdeburg Ausreißer bei der Wahl - in Brennpunkten räumt die AfD ab

Pforzheim, Mannheim, Bitterfeld - in Problemregionen konnte die AfD bei den Landtagswahlen ganz besonders punkten. SPD und CDU lassen Federn in ihren Hochburgen und verlieren Direktmandate an die Rechtspopulisten für viele ein Schock.

Stuttgart/Magdeburg. Das starke Ergebnis der AfD bei den drei Landtagswahlen müssen die übrigen Parteien erst mal verdauen. In Baden-Württemberg wird die SPD in ihrer Hochburg Mannheim von den Rechtspopulisten überholt.

Bisher nicht vorstellbar: Der Neuling holte sogar das Direktmandat, genau so wie in Pforzheim. Noch stärker war die Partei in Sachsen-Anhalt, wo im aussterbenden Bitterfeld fast jede dritte Stimme (31,9 Prozent) auf ihr Konto ging.

Eine Hochburg der grünen Wahlsieger in Baden-Württemberg ist Stuttgart, wo alle vier Direktmandate an die Öko-Partei fielen. Im rheinland-pfälzischen Trier holte die SPD-Spitzenkandidatin Malu Dreyer mit knapp 50 Prozent ihr bestes Erststimmenergebnis.

Wo die AfD in Baden-Württemberg mit mehr als 20 Prozent abräumen konnte, ist die Arbeitslosigkeit höher als anderswo im Südwesten, es gibt Arbeitermilieus und einen beträchtlichen Migrantenanteil. Die Partei sei für Abgehängte der Gesellschaft vermutlich deshalb so attraktiv, weil sie mit ihrem konservativen Programm Halt verspreche, sagt AfD-Experte Alexander Hensel vom Institut für Demokratieforschung der Universität Göttingen. Landesweit bekam sie aus dem Stand heraus 15,1 Prozent.

Das rechtskonservative Programm ist laut Hensel in Pforzheim bei der deutsch-russischen Community, bei strenggläubigen protestantischen Pietisten und Sympathisanten rechter Positionen gut angekommen. Die AfD hatte schon bei der Europawahl in Pforzheim ihr bundesweit bestes Ergebnis erzielt - dort, wo bei der Landtagswahl 2011 der damalige Ministerpräsident Stefan Mappus noch für die CDU gewann. Auch die Sozialdemokraten können sich offenbar nicht mehr auf ihre Hochburg in der „Arbeiterstadt“ Mannheim verlassen.  

Abgehängt vom Strukturwandel - das gilt auch für die Region um Bitterfeld im Osten von Sachsen-Anhalt. Landesweit schaffte es die AfD in Sachsen-Anhalt mit 24,2 Prozent auf Platz zwei hinter der CDU. Wo früher die Chemieindustrie, später die Solarbranche boomte, sind die Straßen heute leergefegt, viele Häuser verlassen. Mit 31,9 Prozent Zweitstimmen war die AfD in Bitterfeld so stark wie sonst nirgends in dem Bundesland.

Die Region ist eine Hochburg von AfD-Politikern, die teils einen „sehr aggressiven, rechtspopulistischen Wahlkampf“ machten, wie ein Sprecher der Mobilen Opferberatung in Dessau-Roßlau sagt. Im vergangenen Jahr häuften sich in Bitterfeld rechte Angriffe auf Abgeordnetenbüros von Linken und Grünen. Während sich die AfD-Politiker in Baden-Württemberg gemäßigt geben und den Extremisten-Vorwurf weit von sich weisen, scheint die Partei in den östlichen Bundesländer gerade mit dem schärferen Ton zu punkten.

In den übrigen Regionen des östlichen Bundeslandes lag die CDU vor den Rechtspopulisten. Mit 36 Prozent erreichten die Christdemokraten am Wohnort des CDU-Aushängeschilds Reiner Haseloff in Wittenberg das beste Ergebnis.

In Rheinland-Pfalz erhielt die AfD in der gut 20 000 Einwohner zählenden Stadt Germersheim jede vierte Zweitstimme - ihr landesweit bestes Ergebnis. Als drittstärkste Kraft zog sie mit 12,6 Prozent aus dem Stand auch in das Landesparlament in Mainz ein.

dpa

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