Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Politik Bundesregierung will schnelles Steuerabkommen mit Panama
Nachrichten Politik Bundesregierung will schnelles Steuerabkommen mit Panama
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:32 30.04.2016
Berlin/Panama-Stadt

Nach den Enthüllungen der „Panama Papers“ über Tausende Briefkastenfirmen will das mittelamerikanische Land mit dem deutschen Fiskus zusammenarbeiten.

Die Verhandlungen über einen beidseitigen Austausch von Steuerinformationen sollten zügig wieder aufgenommen werden, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Ziel sei, das Abkommen bis zum Staatsbesuch von Präsident Juan Carlos Varela in Berlin im Oktober abzuschließen.

„Das ist ein wichtiger Schritt auf Panamas Weg, Defizite zu beseitigen“, sagte Seibert. Panama steht weltweit in der Kritik, nachdem Praktiken zur Steuervermeidung mittels Briefkastenfirmen in den „Panama Papers“ enthüllt worden waren. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Varela hatten am Donnerstag telefoniert.

Ein beidseitiges Steuerinformationsabkommen habe bereits vor drei Jahren ausformuliert vorgelegen, hieß es in Berlin. Einen Abschluss gab es bislang aber nicht. Das Abkommen sei der erste Schritt auf dem Weg Panamas zu einem automatischen Informationsaustausch, der international bereits vereinbart sei.

Nach einjähriger Recherche hatten Anfang April Medien aus aller Welt über gut 200 000 von der Kanzlei Mossack Fonseca gegründete Briefkastenfirmen berichtet, in denen Politiker, Prominente und Sportler ihr Vermögen geparkt haben sollen. Für den mittelamerikanischen Staat waren die „Panama Papers“ ein harter Schlag, brachten sie doch eine der wichtigsten Branchen des Landes in Misskredit.

Merkel erkenne an, dass die Berichte nicht angemessen widergäben, wofür Panama als prosperierendes Land heute stehe, sagte Varela. Zudem habe die Kanzlerin die Bemühungen der panamaischen Regierung um mehr Transparenz gewürdigt.

Am Donnerstag einigte sich Panama zudem mit Kolumbien auf den Austausch von Steuerdaten. Mit den USA hat Panama schon einen solchen Vertrag geschlossen. Verhandlungen laufen mit Frankreich und Japan.

In den vergangenen Jahren hatte das Land versucht, seinen Ruf als Steueroase loszuwerden und sich als seriöser Finanzplatz zu positionieren. So erließ die Regierung eine Reihe neuer Richtlinien für Banken, Versicherungen, Immobilienfirmen sowie Wertpapier- und Edelsteinbörsen.

Im Februar strich der OECD-Arbeitskreis für Maßnahmen zur Geldwäschebekämpfung (Gafi) Panama von der grauen Liste. Darauf werden Staaten geführt, die beim internationalen Austausch von Finanz- und Steuerinformationen hinterherhinken. Nach der Veröffentlichung der „Panama Papers“ bescheinigte die OECD dem Land allerdings erneut, internationale Standards für Steuertransparenz zu missachten.

Das angestrebte Abkommen zum Datenaustausch mit Deutschland soll den Gemeinsamen Berichtstandards (CRS) der Industrieländerorganisation OECD entsprechen. Anders als von der OECD angestrebt, setzt Panama auf den Abschluss bilateraler Abkommen. Beim automatischen multilateralen Datenaustausch könnten Informationen in die falschen Hände geraten, argumentiert die Regierung.

dpa

Mehr zum Thema

Jetzt reißt Euch zusammen, Ihr Europäer. Es gibt viel zu verlieren! Das ist die Hauptbotschaft des US-Präsidenten an die kriselnde EU. Er nimmt die Verbündeten beim Deutschland-Besuch aber auch in die Pflicht.

25.04.2016
Leserbriefe Loblied auf Europa: Obama ruft Verbündete zur Einheit auf - Ein entspannter Betriebsausflug, mehr nicht

Klaus Seegert aus Hagen

27.04.2016

Panama will nach den Enthüllungen der „Panama Papers“ über abertausende Briefkastenfirmen mit den deutschen Steuerbehörden zusammenarbeiten.

29.04.2016

Die Gespräche waren zäh. Doch nun sind Grüne und CDU in Baden-Württemberg einen großen Schritt vorangekommen. Das erste grün-schwarze Regierungsbündnis kann wohl bald starten.

29.04.2016

Die AfD will am Wochenende Teile ihres Programms beschließen. Vor dem Parteitag bricht ein alter Streit wieder auf.

30.04.2016

Griechenland tut sich schwer, die Flüchtlingskrise in den Griff zu kriegen. Und wenn die Behörden es probieren, funken selbst ernannte Flüchtlingshelfer dazwischen. Schlepper weichen auf neue Routen aus.

29.04.2016