Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 2 ° Sprühregen

Navigation:
Bundestagsvizepräsident Peter Hintze gestorben

Ex-CDU-Generalsekretär Bundestagsvizepräsident Peter Hintze gestorben

Er war Verfasser umstrittener CDU-Wahlkampagnen, Vertrauter von Kanzlerin Merkel und Verfechter ethischer Überzeugungen im Bundestag. Jetzt hat Peter Hintze seinen Kampf gegen den Krebs verloren. Die Trauer um den jovialen Politiker ist groß - parteiübergreifend.

Voriger Artikel
Netanjahu bedankt sich bei Palästinensern
Nächster Artikel
Strobl will Abschiebepraxis deutlich verschärfen

Peter Hintze im Juli 2015 während einer Debatte im Deutschen Bundestag.

Quelle: Wolfgang Kumm

Berlin. Bundestagsvizepräsident Peter Hintze ist tot. Der frühere CDU-Generalsekretär Hintze starb in der Nacht zum Sonntag im Alter von 66 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung, wie seine Partei in Berlin und Düsseldorf mitteilte.

Zuerst hatte die „Bild“-Zeitung darüber berichtet. Der Tod des Unionsmannes löste parteiübergreifend Trauer und Betroffenheit deutscher Politiker aus.

Bundespräsident Joachim Gauck sprach der Witwe Petra Hintze in einem Brief seine „tief empfundene Anteilnahme“ aus. „Mit seinem unermüdlichen Einsatz zum Wohle unseres Landes hat Peter Hintze sich über alle Parteigrenzen hinweg große Anerkennung erworben“, schrieb Gauck am Sonntag. Ihm würden Hintzes Leidenschaft, „seine Geradlinigkeit, seine Warmherzigkeit und seine besondere Fähigkeit, dem anderen zuzuhören, immer in Erinnerung bleiben“.

Kanzlerin Angela Merkel erklärte, mit Hintze verliere die Union „eine ihrer herausragenden Persönlichkeiten“. Er habe „die Politik der CDU Deutschlands wie auch unseres Landes über Jahrzehnte in unterschiedlichsten Funktionen maßgeblich geprägt“. Hintze sei stets „ein Mann des offenen Wortes, aber auch des Ausgleichs“ gewesen. Der studierte Theologe habe „aus seinem Glauben die Kraft für seine politische Arbeit“ gezogen, so Merkel.

Hintze ist nach dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Andreas Schockenhoff und dem Bundestagsabgeordneten Philipp Mißfelder der dritte einflussreiche CDU-Politiker, der in dieser Legislaturperiode gestorben ist.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) würdigte Hintze als „leidenschaftlichen Parlamentarier und einen allseits und über die Fraktionsgrenzen hinaus geschätzten Kollegen“. Er habe große Begabung gehabt, „Brücken zwischen unterschiedlichen Auffassungen und Interessen zu bauen“.

Seit 1990 saß Hintze im Bundestag. Er gehörte zum kleinen Kreis von Unions-Vertrauten, die Kanzlerin Merkel lange und gut kennt: Anfang der 1990er Jahre war Hintze Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Frauen und Jugend - unter der damaligen Ressortchefin Merkel. 1994 und 1998 organisierte er für Kanzler Helmut Kohl als CDU-Generalsekretär die Bundestagswahlkämpfe.

Für den Machtverlust 1998 wurde Hintze wegen seiner auf Abgrenzung zum linken Lager setzenden „Rote-Hände“-Kampagne mitverantwortlich gemacht. Merkel löste ihn im Amt des CDU-Generalsekretärs ab. Doch der Kohl-Mann überstand den politischen Umbruch. 2005 wurde er Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, 2007 zusätzlich Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrttechnik, mit Beginn der laufenden Legislaturperiode im Oktober 2013 dann Bundestagsvizepräsident.

Für seine Überzeugungen kämpfte Hintze hartnäckig - etwa gegen das Verbot der Präimplantationsdiagnostik (PID). Mit seiner liberalen Position in der Debatte um Sterbehilfe stellte sich der evangelische Pfarrer nicht nur gegen die Spitze seiner Partei und die Mehrheit seiner Fraktion, sondern auch gegen die eigene und die katholische Kirche.

Hintzes Kollegin als Bundestagsvizepräsidentin, Petra Pau von der Linken, äußerte sich über Twitter „traurig“. Sie fügte hinzu: „Früher stritten wir über rote Socken, später hörten wir einander zu, warben um Respekt und Demokratie.“ Claudia Roth von den Grünen, eine weitere Bundestagsvizepräsidentin, äußerte ebenfalls Trauer: „Er war ein wahrhaft streitbarer Demokrat, der in seinem politischen Leben keiner demokratischen Auseinandersetzung aus dem Weg gegangen war. Gleichzeitig verstand er es, als leidenschaftlicher Parlamentarier auch über Fraktions- und Parteigrenzen hinweg Brücken zu bauen (...).“

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Lobbyismus
Die Agentur NWMD vermarktet Gespräche von Unternehmen und Lobbygruppen mit SPD-Spitzenpolitikern.

Gesponsorte Treffen von Lobbyisten mit Spitzenpolitikern sind in Berlin nichts Ungewöhnliches. Wenn aber eine Kommunikationsagentur der SPD gegen Geld Gespräche mit SPD-Spitzenpolitikern vermittelt, steht schnell der Verdacht verdeckter Parteienfinanzierung im Raum.

mehr
Mehr aus Politik
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Serie, Weltkrieg, erster Weltkrieg, zweiter Weltkrieg Teaser der den User auf die Sonderseiten zum Thema Weltkrieg führen soll image/svg+xml Image Teaser Weltkrieg 2015-09-23 de Serie Erinnerung an Weltkriege Alle Beiträge und Bildergalerien zum Thema sowie Infos zu Ausstellungen und Museen finden Sie auf unseren Sonderseiten. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier. > Erster Weltkrieg > Zweiter Weltkrieg 1914 bis 1918 1939 bis 1945
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.