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DIW: Jetzt keine Deals mit Großbritannien

Berlin DIW: Jetzt keine Deals mit Großbritannien

Nach dem Ja der Briten zum EU-Austritt zeichnen Ökonomen düstere Prognosen. Großbritannien selbst büße am meisten ein, doch auch die deutsche Wirtschaft werde in Mitleidenschaft gezogen.

Berlin. Nach der Entscheidung der Briten für einen EU-Austritt erwarten Ökonomen gravierende wirtschaftliche Einbußen in Europa. Am schmerzhaftesten werde der Brexit die Briten selbst treffen, urteilte die Bertelsmann-Stiftung.

„Es ist eine Situation, in der alle verlieren, die EU-Mitgliedsländer und ganz besonders dramatisch Großbritannien“, sagte Andreas Esche, Leiter des Wirtschaftsbereichs der Stiftung, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Blieben die EU-Länder bei ihrem angekündigten harten Kurs gegen die ausstiegswilligen Briten, zeichne sich eine Abschottung ab, die die britische Wirtschaft bis ins Jahr 2030 mehr als 300 Milliarden Euro kosten könnte. Isoliere sich Großbritannien in Handelsfragen komplett, könnte auch Deutschlands Wirtschaft Verluste von insgesamt mehr als 55 Milliarden Euro einstecken müssen.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sprach sich trotz aller Befürchtungen für einen klaren Schnitt aus. „Ich glaube nicht, dass es im Interesse der Europäer ist, den Briten einen guten Deal zu geben“, sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher der dpa. „Brexit heißt: Ihr seid raus.“

Jedes Entgegenkommen würde Nachahmereffekte provozieren. In Ländern wie Italien, Frankreich und den Niederlanden könnte es ähnliche Bewegungen geben. Wirtschaftlich gebe es nur Verlierer durch einen Brexit. Auch in Deutschland werde sich das Wachstum abschwächen. Das DIW senkte seine Konjunkturprognose für Deutschland für 2017 bereits deutlich um 0,5 Prozentpunkte.

Die US-Ratingagentur Moody's erwartet nach dem Brexit-Votum weniger Ausgaben und Investitionen in Großbritannien und damit ein geringeres Wirtschaftswachstum. Der Ausblick für die Einstufung sei von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt worden, teilte die Agentur mit. Damit droht dem Land eine Herabstufung seiner Bonität. Das würde es tendenziell teurer machen, sich am Finanzmarkt Geld zu besorgen.

Auch die Bertelsmann-Stiftung verwies auf die nun herrschende Unsicherheit. Diese werde den Konsum und die Investitionsfreude auf der Insel bremsen und reduziere die wirtschaftliche Leistung in den kommenden Monaten und Jahren. Langfristig schlügen teurer werdender Handel, fehlende Investitionen und schwindende Innovationskraft zu Buche. Die Ökonomen erwarten einen Einbruch des Bruttoinlandsprodukts um bis zu 14 Prozent bis zum Jahr 2030. Sie beziehen sich auf diesen Zeitraum, weil sie davon ausgehen, dass handelspolitische Entscheidungen erst dann ihre volle Wirkung entfalten.

Mehr als 50 Prozent des britischen Import- und Exportgeschäfts wickelte England zuletzt mit EU-Mitgliedstaaten ab, heißt es in der Studie. Fallen die durch die EU garantierten Handelsprivilegien weg, verteuern Zölle und andere Effekte den Austausch von Waren und Dienstleistungen. Zu den Sektoren, die es den Experten zufolge besonders hart treffen wird, zählen die Maschinenbau- und Automobilbranche, aber auch die Pharma- und Chemieindustrie.

Besonders treffe die Abschottung die Briten aber auf dem für sie so bedeutsamen Finanzdienstleistungssektor. Investoren könnten sich zurückziehen. Es fehle ihnen schließlich dann ein wichtiger Grund, nach England zu kommen: Der Zugang zum europäischen Binnenmarkt. So könnten von Abwanderungen vom Finanzplatz London etwa Frankfurt, Paris oder andere Finanzzentren profitieren.

Spekuliert wird in der Londoner City über 50 000 bis 70 000 Finanzjobs, die ins Ausland verlagert werden könnten. Es würden bereits Büroräume in Frankfurt oder Madrid angemietet. Auch Dublin stehe als Ausweichstandort ganz oben auf der Liste. Jamie Dimon, Chef der US-Großbank JP Morgan, hatte bereits vor dem Referendum betont, er sehe allein in seinem Unternehmen bei einem Brexit 3000 bis 4000 Jobs in London in Gefahr.

dpa

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