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Das Alphatier Söder

Arbeitstier und Provokateur Das Alphatier Söder

So wenig wie in den Tagen seit der Bundestagswahl hat man von Markus Söder (CSU) lange nicht in München gehört.

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Markus Söder zwischen Gold-Madonnen des Konzeptkünstlers Hörl.

Quelle: Daniel Karmann

München. So wenig wie in den Tagen seit der Bundestagswahl hat man von Markus Söder (CSU) lange nicht in München gehört.

Für seine Verhältnisse ist der ehrgeizige Franke derzeit nur wenig in den Medien präsent, kurzerhand sagt er für Donnerstag gar ein lange geplantes Treffen mit Journalisten auf dem Oktoberfest ab. Als sich am Mittwoch die CSU-Landtagsfraktion zur großen Aussprache mit Seehofer im Landtag trifft, wählt Söder gar den Hintereingang.

Trotzdem ist Söder in aller Munde und dürfte auch bei CSU-Chef Horst Seehofer einen omnipräsenten Platz im Hinterkopf haben. Denn auch wenn es niemand offen ausspricht, sehen sowohl die Kritiker wie die Befürworter ihn als Rädelsführer der laufenden Revolte.

Die wenigen aktuellen Aussagen Söders wirken gut durchdacht, exakt austariert und bieten jede Menge Raum für Interpretationen: Im Nachhinein sei er sehr besorgt, schließlich habe Seehofer persönlich die Bundestagswahl ja als besonders wichtig für die Landtagswahl ausgerufen, sagte Söder etwa am Dienstag.

Ansonsten appelliert er an seinen Parteichef, mehr auf die Basis zu hören, empfiehlt ihm gar ein „hineinhorchen“ in die CSU-Gefilde, für die Söder als Nachfolger schon lange gesetzt ist. Auch wenn der im Januar 50 gewordene Nürnberger also bislang offene Angriffe auf Seehofer vermeidet, ist eines klar: Die „ehrliche Unterstützung“, die er ihm im April bis zur Wahl zusagte, hat keinen Tag länger gehalten.

Dabei hat Söder aus seinen Karriereplänen nie einen Hehl gemacht: In Bayern, und nur hier, will er für die CSU arbeiten. Er hat aber nicht irgendeinen Posten im Sinn, sondern die beiden großen: Parteichef und Ministerpräsident, beide seit 2008 in Seehofers Hand. „Ab 50 beginnt im Leben eines Mannes die Zeit der Ernte“, zitiert er gerne seinen Vater. Was das für ihn bedeute, werde die Zeit zeigen - persönlich wie politisch, sagte er Anfang des Jahres. Damals gingen sie in der CSU noch davon aus, dass Seehofer spätestens zur Landtagswahl 2018 in den Ruhestand geht, also ein friedlicher Übergang der Macht möglich wird. Der Wunsch ist längst Geschichte.

Die ersten Rücktrittsforderungen an Seehofer und Rufe nach Söder kamen aus den Söder-getreuen Reihen in Franken. Reiner Zufall? Seehofer glaubt das nicht: „Wir hatten die Debatte ja schon unabhängig von den Ergebnissen hinter den Kulissen. Insofern kann sich jeder seinen Reim darauf machen“, sagt er am Mittwoch. Mit der Auffassung ist Seehofer nicht allein.

Die Meinungen über Söder gehen in der CSU weit auseinander. Schon vor Jahren warf Seehofer ihm „charakterliche Schwächen“ und einen „pathologischen Ehrgeiz“ vor, Söder leiste sich „zu viele Schmutzeleien“. Das Verhältnis der beiden Alphatiere ist eigentlich immer angespannt, die Machtkonstellationen zwingen sie aber zur Zusammenarbeit. Freunde werden sie garantiert nicht mehr.

Söder hat viele Unterstützer in der Partei, besonders an der Basis und in der Landtagsfraktion. Als Hardliner und akribischer Arbeiter im Finanzministerium hat er sich in der CSU viel Respekt erarbeitet, rein fachlich lobt auch Seehofer bisweilen seine Arbeit. Dagegen ist sein Image außerhalb des Freistaates umstritten: Er gilt als Scharfmacher, Populist, Provokateur, Rechtsaußen. „Diese Kritik muss man wegstecken können. Wer mich kennt, weiß, dass mich diese Beschreibungen nicht richtig charakterisieren“, sagt Söder.

Die CSU-Laufbahn des vierfachen Vaters lässt schon lange große Ziele vermuten: Seit 1983 ist der promovierte Jurist Parteimitglied, von 1995 bis 2003 war er Chef der Jungen Union Bayern. Seit 1994 ist er Landtagsabgeordneter, seit 1995 Teil des Präsidiums, von 2003 bis 2007 war er Generalsekretär unter Ex-CSU-Chef Edmund Stoiber („Mein Mentor und eine politische Vaterfigur“), seit 2007 ist er Minister.

Söder weiß um seinen Sonderstatuts in der CSU. Andere Minister wären mit seiner provokanten Art gegenüber Seehofer wohl schon lange auf einem Abstellgleis gelandet. Er kommentiert es mit Humor: „Wenn ich Mitglied der SPD wäre, hätte die CSU ein Problem.“

dpa

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