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Das Hochhaus „Trump Tower“ wird Touristen-Magnet

Trump-Zirkus in Fifth Avenue Das Hochhaus „Trump Tower“ wird Touristen-Magnet

Vor 33 Jahren eröffnete Donald Trump an der noblen Fifth Avenue ein Hochhaus, eines von vielen in Midtown Manhattan. Seitdem er dort aber nicht nur lebt, sondern auch seine Präsidentschaftskampagne steuert, strömen die Touristen heran. Ein Ortsbesuch.

New York. „Das ultimative Wohngebäude der Welt“, wie es der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump in seiner ihm eigenen unbescheidenen Weise auf einer Plakette an der Fassade nennt, steht an New Yorks nobler Fifth Avenue, drei Straßenblöcke südlich vom Central Park.

Gegenüber liegt Prada, links und rechts Tiffany und Armani, unten Gucci und über all dem thront der Trump Tower. Mitten im Luxus. Bevor Trump im Juni 2015 seine Kandidatur in der Lobby des Wolkenkratzers verkündete, war das rund 60-Stockwerke-Gebäude mit der gefächerten dunklen Glasfassade eines von vielen an der edlen Fifth Avenue. Touristen ließen das Hochhaus, dessen oberste drei Stockwerke Trump selbst bewohnt, auf dem Weg zu Central Park oder Rockefeller Center meist links liegen. Inzwischen ist es ein Zirkus.

„Können Sie ein Foto von mir machen?“, fragt ein italienischer Tourist eine Brasilianerin, die gerade von der gegenüberliegenden Straßenseite aus eine Reihe von Selfies vor dem Gebäude geknipst hat. „Meine Freunde wollen nicht mit aufs Bild, die finden das widerlich.“ Daneben fotografiert sich ein Paar aus San Francisco. „Wir sind hier gerade vorbeikommen und mussten einfach ein Bild machen - ist doch lustig“, sagt sie. „In das Gebäude rein gehen wir aber nicht“, sagt er. „Schau Dir doch mal die Schlange an.“

Direkt vor dem Gebäude ist der Menschenauflauf fast undurchdringlich geworden. Flehend schaut der Türsteher immer wieder zu den drei Polizisten, die ihn inzwischen bei seinem Job unterstützen müssen. Vor dem Hochhaus haben sie Barrikaden aufgebaut und ein Einsatzfahrzeug geparkt. Dahinter wedelt ein Mann mit einem Schild. „Wer ist der Beste?“, steht darauf. „Trump, Hillary oder Mickey Mouse?“ Mickey Mouse ist angekreuzt.

Unter den goldenen „Trump Tower“-Buchstaben über dem Eingang hat sich der „Nakes Cowboy“ das Gedränge zu Nutzen gemacht. Normalerweise spielt der Mann mit den langen Haaren in Unterhose und Cowboystiefeln auf dem Times Square seine Gitarre. Touristen stecken ihm für gemeinsame Fotos Geld zu. Seit aber der Trump Tower zum Touristenmagnet geworden ist, hat sich der nackte Cowboy „Trump“ auf die Rückseite seiner Unterhose geschrieben und positioniert sich hier.

„Trump wird eine Mauer bauen“, singt er. „Das klingt mir nach einer guten Idee.“ Ein junges Mädchen, das ihn um ein Foto bittet, nimmt er kurzerhand auf den Arm und steckt ihr danach seine Nummer zu. „Irgendwann wirst auch du 18.“ Die Fotos knipsenden Touristen lachen laut. Dann bibbert der Cowboy, der bei frostigen Temperaturen außer Unterhose, Stiefeln und Hut nichts anhat. „Erderwärmung - so ein bescheuerter Witz!“

Ein Touristenpaar aus Deutschland schaut sich an. „Sollen wir auch mal reingucken?“ Dann geht es durch eine der beiden Drehtüren in die marmorne Lobby mit plätscherndem Wasserfall, das Hauptquartier der Trump-Vermarktung. Wer Hunger oder Durst hat, kann hier wählen zwischen dem „Trump Grill“ mit Mittagsmenü für 25 Dollar (etwa 23 Euro), Stammlokal der Familie, der „Trump Bar“, dem „Trump Café“ oder dem „Trump Ice Cream Parlor“.

Ein kleiner Laden verkauft Schmuck von Tochter Ivanka und diverse Vitrinen preisen Trump-Andenken an, die in einem Laden im Keller gekauft werden können: T-Shirts, die berühmt-berüchtigten „Make America Great Again“-Kappen, Aufkleber, Bücher, Teddybären, Hemden und Krawatten, Gläser, Parfüm, Handtaschen, Reisetaschen, Sonnenbrillen, Plüschhunde und unter der Marke „Trump Kids“ Hemdchen und Bademäntel für Babys. „So etwas muss man sich einfach mitnehmen, das gehört doch dazu“, sagt eine Frau aus dem US-Bundesstaat Wisconsin, die ihre Familie gerade mit Kappen und T-Shirts ausgestattet hat.

Auf der inzwischen berühmten Rolltreppe, die Trump einst zu seiner Kandidatur gemeinsam mit Ehefrau Melanie herunterfuhr, fährt jetzt der nackte Cowboy, er muss sich aufwärmen und hat sich einen Bademantel übergezogen. Daneben steht der Türsteher und schaut gequält. Wie sich sein Job in den vergangenen Monaten verändert hat? „Ach“, sagt er, während die nächste Gruppe Touristen an ihm vorbeidrängt, und seufzt tief. „Es ist ein bisschen voller geworden.“

dpa

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