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16:43 29.11.2017
Bundeskanzlerin Angela Merkel wird vom Präsidenten der Elfenbeinküste, Alassane Ouattara am Flughafen in Abidjan begrüsst. Quelle: Michael Kappeler
Abidjan

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich angesichts von Hinweisen auf Sklaverei für ein europäisch-afrikanisches Vorgehen gegen den Menschenschmuggel in Libyen ausgesprochen.

Es müsse verhindert werden, dass Migranten „auf schrecklichste Weise in Lagern“ gehalten oder sogar „gehandelt“ würden, sagte sie zum Auftakt des EU-Afrika-Gipfels in Abidjan (Elfenbeinküste).

Wie ein zusätzliches Engagement Deutschlands aussehen könnte, ließ die Kanzlerin offen. Nicht ausgeschlossen wurde allerdings eine neue EU-Initiative. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatten bereits in den vergangenen Tagen ein Eingreifen gefordert. Macron sprach angesichts der Situation in Libyen von „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, Juncker von einer „Hölle“.

Den Berichten aus dem Land zufolge sollen afrikanische Migranten, die über das Mittelmeer nach Europa fliehen wollten, in Libyen von Menschenhändlern bei Auktionen verkauft worden sein. Bereits zuvor hatte es Hinweise auf Vergewaltigungen und Folter in Lagern gegeben. Für die EU ist das besonders brisant, weil sie über die Unterstützung der libyschen Küstenwache dafür sorgt, dass immer weniger Migranten über Libyen nach Europa kommen können.

Die dramatische Lage in Libyen ließ das Hauptthema des zweitägigen Gipfels zunächst in den Hintergrund rücken. Dieser wollte sich vor allem mit der Frage beschäftigen, wie die Zukunftsperspektiven für junge Afrikaner verbessert werden können. Bis 2050 soll sich die Bevölkerung auf rund 2,5 Milliarden Menschen verdoppeln. Das bedeutet, dass zusätzlich Hunderte Millionen junge Afrikaner Essen, Bildung und vor allem ein Einkommen brauchen.

Wenn sich die Lage nicht deutlich bessert, wird Europa nach Einschätzung von Experten auf Jahrzehnte mit nach Europa strebenden Migranten konfrontiert sein. „Wir reden hier nicht über Tausende, Hunderttausende, die migrieren wollen, sondern über Millionen oder zehn Millionen oder noch mehr“, sagte der Afrika-Beauftragte der Kanzlerin, Günter Nooke, in Abidjan.

Um die afrikanischen Staaten zu einem stärkeren Engagement im Kampf gegen die Migration nach Europa zu bewegen, will die EU in den kommenden Jahren vor allem weitere finanzielle Anreize setzten. Ein Beispiel ist die jüngst gestartete „Investitionsoffensive“ für Afrika und die Nachbarschaft der EU. In sie sollen 4,1 Milliarden Euro aus dem EU-Haushalt fließen.

Zugleich sollen legale Einreisemöglichkeiten für junge Menschen geschaffen werden, die in der EU eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren wollen. UN-Generalsekretär António Guterres betonte, eine geregelte Zuwanderung unterstütze die Wirtschaft der Heimat- und Zielländer von Migranten. „Wir können den Tragödien im Mittelmeer kein Ende setzen, wenn wir nicht signifikante Möglichkeiten legaler Migration schaffen“, sagte er laut Redetext.

Bessere Lebensbedingungen in Afrika zu schaffen, gilt als Herkulesaufgabe. Die Regierung des westafrikanischen Nigeria etwa ist bereits jetzt damit überfordert, ihre Bürger mit grundlegenden Dienstleistungen wie Bildung und Gesundheit zu versorgen. Bis 2100 soll die Bevölkerung des Landes UN-Prognosen zufolge von derzeit 185 Millionen auf rund 900 Millionen anschwellen. Um das rasante Bevölkerungswachstum in Teilen Afrikas zu verlangsamen, braucht es Experten zufolge neben mehr Familienplanung vor allem bessere Schulbildung für Mädchen. Je länger Mädchen zur Schule gingen, desto weniger Kinder würden sie gebären.

Hilfsorganisationen forderten zum Gipfel eine radikale Abkehr von der bisherigen Politik Europas. Viele der aktuellen Kooperationen dienten nur der Eindämmung der illegalen Migration und der Förderung der europäischen Wirtschaft, nicht dem Aufbau nachhaltiger Strukturen in Afrika. Als Beispiel nannten Hilfsorganisationen wie Brot für die Welt, Medico International und Pro Asyl die EU-Unterstützung für das Transitland Libyen. Auch die Unterstützung für Transitländer mit fragwürdiger Menschenrechtslage wie im Tschad oder dem Sudan kritisieren sie.

dpa

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