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Der Mutmacher: Frank-Walter Steinmeier

Erster Auftritt als Kandidat Der Mutmacher: Frank-Walter Steinmeier

Frank-Walter Steinmeier verkörpert die deutsche Polit-Elite. Im höchsten Amt des Staates will er vor allem eines sein: Einer von uns. Deutschland macht er so etwas wie eine Liebeserkärung.

Berlin. Einer von uns. So soll es wirken. Jedenfalls kenne ihn wohl jeder, für die meisten in Deutschland nicht nötig, dass er sich vorstelle, sagt Frank-Walter Steinmeier.

Flimmere er doch allabendlich über das Fernsehen in die Wohnzimmer, wenn auch meistens mit eher schlechten Nachrichten aus den Krisenregionen der Welt. Die Einleitung des Kandidaten für das höchste Staatsamt mag zunächst irritieren. Vorstellung nicht nötig - das klingt irgendwie abgehoben und könnte jenen in die Hände spielen, die die politische Eliten im Moment scharf kritisieren und dafür viel Beifall bekommen.

Doch dann schlägt der 60-Jährige, Sozialdemokrat und Außenminister einen ganz anderen Ton an. Einen präsidialen, versöhnlichen, ermutigenden. Er schreibt seinem neuen Amt eine hohe Verantwortung zu, gerade jetzt in dieser „krisenbefangenen Welt“.

Als zentrale Ressource nennt er Vertrauen in die Demokratie, demokratische Institutionen und ihre Repräsentanten. „Eine Ressource, die nie garantiert ist in der Demokratie.“ Natürlich nimmt er den Namen des designierten US-Präsidenten Donald Trump jetzt nicht in den Mund und geht nicht auf die Spaltung in den USA ein. Aber es schwingt mit.

Die Polit-Elite ist in Sorge, dass sie den Menschen, den Wählern nicht mehr nahe kommt. Wenn Populisten mit einfachen Sprüchen und falschen Fakten Erfolg haben, haben es Regierende mit Erklärungsversuchen schwer. So mahnt Steinmeier: „Ein Bundespräsident kann die Welt nicht einfacher machen, als sie ist. Ein Bundespräsident darf kein Vereinfacher sein.“ Er warnt davor, sich „in Echokammern“ zu verschanzen. Alle sollten wissen, „dass wir andere, Freunde und Partner, brauchen für unser eigenes Gelingen“.

Steinmeier macht es sich selbst nie leicht. Auch, wenn eine Lage noch so aussichtslos erscheint, kämpft er um eine Lösung. Das hat er in den Krisen in der Ukraine, in Syrien, im Irak bewiesen. Und dass er den Menschen zuhört, will er auch jetzt in diesen wenigen Minuten der Vorstellung im Stehen zeigen. Ein Mann habe ihn kürzlich gefragt, ob er Angst um die Zukunft Deutschlands haben müsse, berichtet er. Das fragen sich vermutlich gerade Millionen Menschen.

Der Blick auf die Welt bereite Sorge, sagt Steinmeier. Aber der Blick der Welt auf Deutschland verbreite Zuversicht. „Denn unser Land verkörpert vielleicht wie kein anderes Land der Welt die Erfahrung, dass aus Kriegen Frieden werden kann. Aus Teilung Versöhnung. Und dass nach der Raserei von Nationalismus und Ideologien so etwas einkehren kann wie politische Vernunft.“ Eine schönere Liebeserklärung hätte er Deutschland vielleicht nicht machen können.

Steinmeier steht im Bundestag, dort, wo die Fraktionen tagen. Eingerahmt von Kanzlerin Angela Merkel, CSU-Chef Horst Seehofer und dem SPD-Vorsitzenden und Vizekanzler Sigmar Gabriel. Merkel, die in der Union wegen der Unterstützung Steinmeiers unter Druck steht, sagt, dieser sei ein bodenständiger, richtiger Kandidat in dieser Zeit. Seehofer nennt ihn einen „Mann des Ausgleichs“, was in diesen Zeiten der Unruhe besonders wichtig sei. Gabriel dankt beiden für die gar nicht so selbstverständliche Unterstützung des SPD-Mannes.

Es sind viele Journalisten da, aber Fragen sind unerwünscht. So bleibt offen: Wird sich die SPD revanchieren, können CDU und CSU in umgekehrten Fall auf Unterstützung des Koalitionspartners zählen? Seehofer wünscht Steinmeier „viel Glück“ bei der Wahl in der Bundesversammlung am 12. Februar. Hat der bayerische Ministerpräsident, der einen eigenen Unionskandidaten forderte, Zweifel? Er sagt, die CSU unterstütze Steinmeier als Bundespräsidenten. Unterstützt die CSU aber auch Merkel als nächste Kanzlerin? Ihr vierte Kandidatur wird sie offenbar bald verkünden. Aber die CSU hält sich bedeckt, wie sie das findet.

Steinmeier sagt noch, was ein Bundespräsident vor allem sein muss: „ein Mutmacher“. Wäre es übrigens nach seiner Mutter gegangen - Ursula Steinmeier, 87 Jahre alt, wohnhaft in dem 1000-Einwohner-Ort Brakelsiek in Nordrhein-Westfalen - wäre ihr Sohn nie Politiker geworden. Als Rechtsanwalt mit eigener Kanzlei habe sie ihn sich vorgestellt. Was sie ihm jetzt wünscht? „Gesundheit, und dass er das alles gut über die Bühne kriegt.“

dpa

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