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Politik Die Gewerkschaften müssen ganz neu denken
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05:01 15.05.2018
Auf der Suche nach Antworten auf den Wandel der Arbeitswelt: DGB-Chef Reiner Hoffmann. Quelle: dpa
Berlin

Der Arbeitsmarkt in Deutschland boomt wie nie zuvor. Doch es ist keineswegs so, dass die Gewerkschaften von den Jobrekorden profitieren würden. Im Gegenteil: Zu Jahresbeginn mussten die DGB-Organisationen einräumen, dass die Zahl ihrer Mitglieder erstmals unter sechs Millionen gesunken ist. Die Basis ist überaltert, die Jüngeren sind stark unterrepräsentiert.

Die zunehmende Schwäche beim Organisationsgrad hat die Gewerkschaften bisher nicht von lauten Auftritten abgehalten, die vor allem eines ausstrahlen sollen: Stärke. Wer den DGB-Kongress in Berlin besucht, hört einmal mehr Entschlossenheitsrhetorik.

Keine Frage: Der Deutsche Gewerkschaftsbund ist unverändert effektiv, wenn es um politisches Lobbying geht. Vom Rückkehrrecht in Vollzeit bis zur Stabilisierung des Rentenniveaus finden sich viele Forderungen der organisierten Arbeitnehmerschaft im GroKo-Koalitionsvertrag wieder.

Doch auf den tief greifenden Wandel der Arbeitswelt finden die Gewerkschaften nur unzureichende Antworten. Auf die Transformation zur Dienstleistungsgesellschaft reagierten sie mit einer Fusion. Die so entstandene Organisation Verdi mag im öffentlichen Dienst durchsetzungsstark sein, in vielen Branchen bekommen Frank Bsirske und seine Leute aber keinen Fuß auf den Boden.

Bei Amazon versuchen sie es seit Jahren mit Streiks, ohne greifbaren Erfolg. Bei anderen Anbietern der sogenannten Plattform-Ökonomie gelingt es nicht einmal, Betriebsräte zu organisieren. Jüngstes Beispiel dafür ist der Online-Lieferdienst Deliveroo. Ein zunehmend digitalisierter Kapitalismus verlangt neue Antworten, womöglich auch vom Gesetzgeber eine grundlegende Neudefinition des Arbeits- und des Arbeitnehmerbegriffs.

Tatsächlich war eine starke Sozialpartnerschaft mit gut organisierten, weitsichtigen Gewerkschaften bislang Teil der Erfolgsgeschichte des Standorts Deutschland. Stark bleiben Gewerkschaften aber nur dann, wenn sie die Zeichen der Zeit erkennen, sich frühzeitig um neue Zielgruppen kümmern und ihnen deutlich machen, weshalb eine Mitgliedschaft einen Mehrwert hat, der über günstigen Rechtsschutz hinausgeht.

Das mäßige Ergebnis von DGB-Chef Reiner Hoffmann bei seiner Wiederwahl hat sicher viel mit internen Befindlichkeiten zu tun, auch mit seinem energischen Pro-GroKo-Kurs. Einen Befreiungsschlag könnte der Vorsitzende landen, wenn er die mächtigen Vorsitzenden der Einzelgewerkschaften dazu bringen würde, die notwendigen Reformdebatten endlich zu führen und ein klares Konzept für eine Stärkung der Tarifbindung zu entwickeln. Alles andere wäre ein Hinnehmen des schleichenden Bedeutungsverlusts.

Von Rasmus Buchsteiner/RND

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