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09:17 14.05.2017
Die Tochter eines Straßenbahners und einer Schaffnerin wird im Jahr 2000 erstmals in den Düsseldorfer Landtag gewählt. Quelle: Bernd Thissen
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Düsseldorf

Zu einer Top-Karriere in Berlin „nie, nie“ zu sagen - Hannelore Kraft hat es getan. Seitdem die diplomierte Ökonomin mit dem rauen Ruhrpott-Charme im Jahr 2000 in den Düsseldorfer Landtag gewählt wurde, hat sie ihre ganze Kraft auf Nordrhein-Westfalen konzentriert.

Jetzt steht die Ministerpräsidentin mit dem Rücken zur Wand. Lange Zeit als „Herzdame der SPD“ gerühmt, muss die 55-Jährige bei der Landtagswahl am Sonntag um die Macht fürchten.

Dabei galt Wahlkampf stets als Paradedisziplin der Mülheimerin mit dem unverkennbaren Ruhrpott-Dialekt. Zugang zu Menschen findet Kraft leicht. Eisern bewahrt sich die verheiratete Mutter eines erwachsenen Sohnes in ihrer Großfamilie einen Rest Privatleben, spielt Doppelkopf und fiebert mit ihrer Borussia Mönchengladbach. Der Deutschen Presse-Agentur sagte sie einmal: „Ich mache mit Leidenschaft Politik, aber ich agiere nicht wie ein Roboter.“

Die Tochter eines Straßenbahners und einer Schaffnerin wird im Jahr 2000 erstmals in den Düsseldorfer Landtag gewählt. Schon ein knappes Jahr später beginnt sie eine Blitzkarriere, die sie durch viele Ämter in der NRW-Regierung wie in der Landes- und Bundespartei führt.

Als Rot-Grün 2005 in NRW abgewählt wird, kommt für Kraft eine entscheidende Bewährungsprobe: Als neue Chefin des stärksten SPD-Landesverbands und der Landtagsfraktion führt sie ihre deprimierte Partei engagiert durch die ungewohnte Oppositionsaufgabe.

Nach der Wahl 2010 wagt sie das Experiment einer von der Linkspartei tolerierten rot-grünen Minderheitsregierung und profiliert sich im Spiel mit wechselnden Mehrheiten. Seit der vorgezogenen Wahl 2012 regiert Nordrhein-Westfalens erste Ministerpräsidentin mit einer komfortablen rot-grünen Mehrheit. Im Sommer 2012 avanciert sie sogar zur beliebtesten Politikerin Deutschlands.

Kritiker werfen Kraft vor, zu wenig Biss zu zeigen, um NRW im Ländervergleich besser zu positionieren. Als sie Ende 2013 einer möglichen Kanzlerkandidatur für die SPD eine klare Absage erteilt („nie, nie“), erntet die SPD-Vizevorsitzende viel Kopfschütteln. Später hagelt es Negativ-Schlagzeilen.

Inzwischen sind Krafts Zustimmungswerte deutlich gesunken. In den letzten Tagen vor der Landtagswahl hat die CDU von Herausforderer Armin Laschet massiv aufgeholt. In den Umfragen zur Beliebtheit der Spitzenkandidaten liegt Kraft zwar immer noch deutlich vor Laschet, hat aber jüngst persönliche Tiefstwerte auf der Skala erreicht. Dabei sah die SPD zu Beginn des Wahlkampfes noch wie der sichere Sieger aus. Ob die „Herzdame“ am Sonntag den Infarkt ihrer Partei vermeiden kann, ist offen wie nie.

dpa

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