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Politik Die völkischen Theorien des Franco A.
Nachrichten Politik Die völkischen Theorien des Franco A.
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16:11 10.05.2017
Selbstverpflichtung: Vor dem Gebäude des Jägerbataillons 291 der Bundeswehr in Illkirch erklärt ein Plakat die Tugenden der Soldaten. Quelle: Patrick Seeger
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Berlin

Die rechtsextremen Umtriebe des „falschen Flüchtlings“ Franco A. hätten schon früher gestoppt werden können. Doch seine Vorgesetzten bei der Bundeswehr beließen es nach einer Masterarbeit mit fragwürdigem Inhalt bei einer mündlichen Ermahnung.

In der 2013 verfassten Abschlussarbeit mit dem Titel „Politischer Wandel und Subversionsstrategie“ präsentiert der junge Soldat völkische Ideen und Verschwörungstheorien. Er schreibt:

- Politische und gesellschaftliche Entwicklungen dürfe man nicht aus der „Froschperspektive“ betrachten, sondern wie ein General, der vom Feldherrenhügel aus einen Blick auf das komplette Geschehen hat und daraus ableiten kann, „was der Feind als nächstes tun will“.

- Westliche Demokratien wie Frankreich, Deutschland und Großbritannien entwickelten sich alle seit Jahrzehnten in eine bestimmte Richtung. Regierungswechsel bringen demnach keine Veränderung.

- „Nichts in der Welt zwingt uns zu Einwanderung oder Privatisierung. Es ist eine politische Entscheidung.“

- „Auflösung (...) dabei handelt es sich um Mittel, um die Gesellschaft zu schwächen. Fragen wir uns zuerst, was eine Gesellschaft stark macht, damit wir herausfinden, was sie schwächt.“ Homogenität mache eine Gesellschaft stark, so seine These.

- „Viele Geheimdienste operieren international. Sie werden zu Machtfaktoren und Vollstreckern. Beispiele dafür sind der Fall „Jürgen Möllemann“ 2003 in Deutschland oder der Fall „Jörg Haider“ 2008 in Österreich.“ In einer Fußnote führt Franco A. aus: „In beiden Fällen handelt es sich um Politiker, die ihr Leben als Folge von Attentaten verloren haben, direkt nachdem sie öffentlich gegen subversive Bewegungen Position bezogen hatten.“

- Franco A. kritisiert Sendungen im deutschen Fernsehen, von denen er meint, sie verfolgten das Ziel, Deutsche zur Auswanderung zu motivieren. Gleichzeitig beklagt er die „Masseneinwanderung von einfachen Arbeitern nach dem Zweiten Weltkrieg und bis heute“. Er schließt: Trotz dieser „düsteren aber realistischen, notwendigen und dringenden Überlegungen (zur steigenden Heterogenität der Bevölkerung) ist es wichtig, nicht den Mut zu verlieren“.

dpa

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