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Einkommensgefälle nimmt zu

Berlin Einkommensgefälle nimmt zu

Gewerkschaftsnahe Studie warnt: Staat verteilt weniger um als in den 90er Jahren.

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Berlin. Mehr Minijobs und Teilzeit auf der einen Seite, höhere Kapitaleinkommen auf der anderen Seite haben dazu geführt, dass die Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland in den letzten 20 Jahren immer größer geworden ist. „Wir erleben eine dramatische Umverteilung von Arbeits- zu Kapitaleinkommen“, sagte gestern der wissenschaftliche Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, Gustav Adolf Horn.

Nach einer Untersuchung des Instituts ist in den letzten 20 Jahren die Ungleichheit bei der Verteilung der Nettoeinkommen um knapp 13 Prozent gestiegen. Die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung verfügten demnach im Jahr 2010 über 23 Prozent des Gesamteinkommens. Ihr Anteil am Nettoeinkommen war zwischen 1991 und 2010 um 12,4 Prozent gestiegen. Hingegen sank der Einkommensanteil der unteren 30 Prozent im selben Zeitraum um 23,6 Prozent.

Während die Bundesrepublik früher zu den Ländern mit einer relativ ausgeglichenen Verteilung gehörte, ist sie jetzt nach Untersuchungen der Industrieländer-Organisation OECD ins untere Mittelfeld abgerutscht. Auffällig ist, dass sowohl unter SPD- als auch unter Unionsgeführten Regierungen die Ungleichheit ein Problem geworden ist. Besonders stark wuchs sie in der ersten Hälfte der 2000er Jahre an, als die rot-grüne Bundesregierung die Hartz-Reformen in Angriff nahm. Die Zunahme von Minijobs, Teilzeitstellen und anderen unsicheren Arbeitsverhältnissen nannte das IMK als einen der Gründe dafür, dass die Schere weiter auseinander geht. Allerdings wollte Horn die Hartz-Reformen nicht allein verantwortlich machen: Die Umverteilung von Arbeits- zu Kapitaleinkünften gebe es schon seit Mitte der 90er. Der Anteil der Kapitaleinkommen ist in den letzten 20 Jahren stark gestiegen: Seit 1991 kletterte er von 29,2 Prozent am Gesamteinkommen auf 33,8 Prozent im Jahr 2010 — trotz der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise.

 

Antje Schroeder

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