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Nachrichten Politik Ende der Zeitumstellung in der EU rückt näher
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11:14 31.08.2018
In einer repräsentativen Forsa-Umfrage sprachen sich in Deutschland 73 Prozent der Befragten für die Abschaffung der Zeitumstellung aus. Quelle: Martin Schutt
Brüssel

Im März eine Stunde vor, im Oktober eine Stunde zurück - seit Jahrzehnten wird in der Europäischen Union zwei Mal im Jahr die Zeit umgestellt. Doch nun scheint das Ende dieser seit Jahren umstrittenen Regelung absehbar.

In einer EU-weiten Umfrage hat sich eine überwältigende Mehrheit der Teilnehmer für die Abschaffung der Zeitumstellung ausgesprochen. Die Abstimmung war zwar nicht repräsentativ und auch nicht bindend. Doch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker will dem folgen. „Die Menschen wollen das, wir machen das“, sagte der Kommissionschef am Freitag im ZDF.

Wird die Zeitumstellung nun wirklich abgeschafft?

Wahrscheinlich schon, aber noch nicht sofort. Die EU-Kommission hat zunächst einmal nur ein Vorschlagsrecht. Das Europaparlament und die EU-Staaten müssen noch zustimmen. Wenn das noch vor Ende der Legislaturperiode im Mai 2019 passieren soll, müssen sie sich beeilen. Die Befürworter der Abschaffung sind sich sicher, dass es im EU-Parlament eine Mehrheit dafür gibt. Im Rat der Mitgliedsländer ist die Lage unübersichtlicher. Auch Deutschland hat sich bisher nicht positioniert.

Wollen die Bürger die Abschaffung wirklich?

Das wollte die EU-Kommission mit der Online-Umfrage herausfinden und das Ergebnis war sehr eindeutig: Wie diese Woche bereits durchsickerte, wollten 80 Prozent der 4,6 Millionen Teilnehmer ein Ende des Hin und Her zweimal im Jahr. Die Umfrage war allerdings nicht repräsentativ - es konnte jeder mitmachen, und die Vermutung liegt nahe, dass sich vor allem Menschen mit einer sehr klaren Meinung beteiligten. Allein drei Millionen der 4,6 Millionen Antworten kamen aus Deutschland, wo offensichtlich besonders viele Gegner der Umstellung sitzen: In einer repräsentativen Forsa-Umfrage vom März sprachen sich in Deutschland 73 Prozent der Befragten für die Abschaffung der Zeitumstellung aus.

Die Kommission hatte stets betont, dass das Votum in ihrer Online-Umfrage nicht bindend sei. Nun will sie ihm aber nach Junckers Angaben trotzdem folgen.

Warum gibt es den Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit überhaupt?

Eigentlich soll das Tageslicht besser genutzt werden. In Deutschland gab es die Sommerzeit schon mehrfach. Zuletzt wurde sie 1980 wieder eingeführt. Unter dem Eindruck der Ölkrise von 1973 hatte man die Hoffnung, auf diese Weise Energie zu sparen. Ein weiterer Grund war die Anpassung an die Nachbarländer, die diese Regelung schon hatten. Seit 1996 gibt es eine einheitliche EU-weite Regelung. Seitdem beginnt die Sommerzeit Ende März und hört Ende Oktober auf. In dieser Zeit ist es abends eine Stunde länger hell.

Warum wollen das die Kritiker der Zeitumstellung nicht mehr?

Sie argumentieren, dass tatsächlich keine Energie gespart wird. Laut Umweltbundesamt schalten die Deutschen im Sommer zwar wegen der Zeitumstellung abends seltener das Licht an - im Frühjahr und Herbst wird morgens allerdings mehr geheizt.

Mediziner sehen zudem Risiken für die Gesundheit. In einer repräsentativen Studie des Forsa-Instituts im Auftrag der DAK-Gesundheit gab im Frühjahr rund ein Viertel der Befragten an, schon einmal gesundheitliche Probleme gehabt wegen der Zeitumstellung zu haben. Als Beschwerden wurden vor allem Müdigkeit, Schwierigkeiten beim Einschlafen und Konzentrationsprobleme genannt.

Was passiert, wenn der Gesetzesvorschlag wirklich beschlossen wird?

Sollte das Hin und Her tatsächlich abgeschafft werden, könnte jedes Land für sich entscheiden, ob es dauerhaft die Standardzeit - also Winterzeit - oder die Sommerzeit einführen möchte. Diese Entscheidung, welche von beiden Zeiten dauerhaft gilt, ist eine nationale Angelegenheit und würde von einer Abschaffung der Zeitumstellung nicht berührt.

Würde das nicht zu einem Flickenteppich der Zeit in der EU führen?

Gut möglich, dass es noch mehr zeitliche Unterschiede geben würde. Spanien etwa würde wohl kaum die Sommerzeit beibehalten - denn dann würde die Sonne in Madrid im Winter erst gegen 9.30 Uhr aufgehen. In der von Deutschland dominierten Online-Umfrage wollte hingegen eine Mehrheit die dauerhafte Sommerzeit.

Schon jetzt gibt es drei Zeitzonen in der EU. In Deutschland und 16 weiteren Staaten herrscht die gleiche Uhrzeit: die Mitteleuropäische Zeit, genannt MEZ. Darunter sind die Niederlande, Belgien, Österreich, Dänemark, Frankreich, Italien, Kroatien, Polen und Spanien. Acht Länder - Bulgarien, Estland, Finnland, Griechenland, Lettland, Litauen, Rumänien und Zypern - sind eine Stunde voraus: dort gilt die Osteuropäische Zeit oder OEZ. Drei Staaten sind eine Stunde zurück, nämlich Irland, Portugal und Großbritannien, wo die Westeuropäische Zeit gilt, die WEZ.

„Portugal hat eine andere Zeit als Spanien, und Finnland hat eine andere Zeit als Schweden“, sagte der CDU-Politiker Peter Liese, ein langjähriger Gegner der Zeitumstellung. „Daher wäre es kein Problem, wenn sich einige Mitgliedstaaten für die ständige Winterzeit und andere für die ständige Sommerzeit aussprechen.“ Nur eines soll EU-weit wegen des Binnenmarkts einheitlich sein: Zeitumstellung oder nicht.

Wie merke ich mir noch mal, ob die Zeit eine Stunde vor oder zurück gestellt werden muss?

Dazu gibt es zahlreiche Eselsbrücken. Eine davon lautet: „Im Frühjahr stellt man die Gartenmöbel vor die Tür. Im Herbst stellt man sie zurück in den Schuppen.“ Im März wird die Uhr also eine Stunde vorgestellt, im Oktober eine Stunde zurück. Auf Englisch geht es noch einfacher: Spring forward, fall back.

dpa

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