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Politik „Es ist eine echte Watschn, die Merkel da bekommen hat“
Nachrichten Politik „Es ist eine echte Watschn, die Merkel da bekommen hat“
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11:02 26.09.2018
Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und der ehemalige Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Volker Kauder. Quelle: imago/CommonLens
Berlin

Mit Volker Kauder verlässt ein enger Vertrauter von Kanzlerin Angela Merkel die Spitze der Unionsfraktion im Bundestag. Sein Nachfolger Ralph Brinkhaus steht für einen Neuanfang in der Union. Das überraschende Wahlergebnis wird von vielen Seiten begrüßt, gilt aber auch als Warnsignal für die Kanzlerin.

Ein Ereignis, das auch die internationale Presse beschäftigt: Während in der Schweiz die jüngste Entschuldigung von Merkel eine Rolle spielt, schaut man in Großbritannien auf die Geschichte der Union. In einem Punkt herrscht aber Konsens – es wird langsam eng für die Kanzlerin. Ein Überblick:

Neue Zürcher Zeitung (Schweiz): Das Ende ist in Sicht

Später einmal, wenn Angela Merkel nicht mehr Kanzlerin ist, wird man sich an diesen 25. September 2018 erinnern: als Tag, an dem die Abgeordneten von CDU und CSU der Frau ihre Gefolgschaft aufgekündigt haben und einen von Merkels engsten Vertrauten fallen ließen. Wie viel Zeit zwischen diesem Datum und dem tatsächlichen Ende der Ära Merkel liegen wird, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Aber das Ende ist in Sicht.

Times (Großbritannien): Dritte Kampfansage in der Geschichte der Union

Angela Merkels Autorität ist durch einen Überfall aus den Reihen ihrer eigenen Partei schwer beschädigt worden. (...) Es war die erst dritte derartige Kampfansage in der 73-jährigen Geschichte dieser konservativen Allianz, und sie wurde von der Opposition als erster Akt der Merkeldämmerung bejubelt.

Lesen Sie auch: Reaktionen auf Kauder-Abwahl: „Aufstand gegen Merkel

Tages-Anzeiger (Schweiz): Demutsgeste nutzte am Ende nichts

Merkel hatte zuletzt selbst gespürt, wie heikel die Abstimmung werden könnte. Noch am Vortag hatte sie in einem für sie außergewöhnlichen Schritt Fehler beim Umgang mit Hans-Georg Maaßen zugegeben, dem umstrittenen Chef des Verfassungsschutzes, und eine künftig wieder bessere Arbeit der Koalition versprochen. Die Demutsgeste sollte auch bei den eigenen Abgeordneten den Ärger über das desaströse Bild besänftigen, das die von ihr geführte Regierung in den letzten Monaten abgegeben hatte. Am Ende nutzte es nichts. Der Autoritätsverlust von Merkel (und Seehofer) schreitet in immer schnellerem Tempo voran.

NRC Handelsblad (Niederlande): Union schaut in die Ära nach Merkel

Mit dem Sturz von Kauder hat die Fraktion nicht nur gezeigt, dass sie sich unabhängiger von Merkel aufstellen will. Zugleich ließen die Abgeordneten erkennen, dass sie bereits in die Zukunft schauen wollen, in die Ära nach Merkel.

Der Standard (Österreich): Eine echte Watschn für Merkel

Unverhofft kommt jetzt immer öfter in Berlin. Zum zweiten Mal binnen nur Stunden musste die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel eingestehen, sich schwer geirrt zu haben. Zuerst in der Causa Maaßen, die sie nach viel wütendem Protest zu korrigieren hatte. Und am Dienstag, nach der Neuwahl der Fraktionsspitze in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, wurde deutlich: Merkel hat erneut die Wünsche der Mehrheit falsch eingeschätzt. Obwohl sie sich deutlich für einen Verbleib des getreuen Volker Kauder ausgesprochen hatte, siegte der Außenseiter Ralph Brinkhaus bei der Wahl.

Es ist eine echte Watschn, die Merkel da bekommen hat. Brinkhaus plädiert für einen eigenständigeren und selbstbewussteren Kurs der Fraktion, sie soll künftig weniger Kanzlerwahlverein sein. Wäre die Unzufriedenheit mit Merkels Politik nicht so groß, hätte er keine Chance gehabt. Doch so sahen viele die Möglichkeit, Merkel die Meinung zu sagen. Noch geschieht dies im Geheimen und in der Wahlkabine.

Von RND/dpa/lf

Ralph Brinkhaus hat im Kampf um den Unions-Fraktionsvorsitz gegen Volker Kauder gesiegt. Freunde und Weggefährten haben immer an seinen Erfolg geglaubt. Sie beschreiben ihn als sehr talentiert. Er könne Menschen für sich begeistern und scheue sich nicht, klare Entscheidungen zu treffen.

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