Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
„Es roch nach Sprengstoff ... dann wurde es dunkel“

Explosion in St. Petersburg „Es roch nach Sprengstoff ... dann wurde es dunkel“

In einer U-Bahn-Station in St. Petersburg ist eine Bombe explodiert. Mehrere Menschen wurden getötet, Dutzende verletzt. Russlands Präsident Putin spricht von einem möglichem Terroranschlag. Die Polizei fahndet nach zwei Verdächtigen. Überlebende berichten, was sie gesehen haben.

Voriger Artikel
Wie reagiert China auf Trumps Nordkorea-Drohung?
Nächster Artikel
Trump bekräftigt Freundschaft zu Al-Sisi

Bei einer Explosion in der St. Petersburger U-Bahn sind 14 Menschen ums Leben gekommen, darunter offenbar auch der Täter.

Quelle: imago

St.Petersburg. Nach Angaben der Ermittler explodierte am Montag um 14.20 Uhr Ortszeit ein Sprengsatz in einem U-Bahnzug auf der Fahrt zwischen zwei Stationen im Zentrum der Stadt. Der Zugführer habe trotzdem nicht angehalten, sondern sei bis zur nächsten Station weitergefahren. „Das die absolut richtige Entscheidung“, sagte die Sprecherin des staatlichen Ermittlungskomitees, Swetlana Petrenko. Deshalb habe man den Opfern unverzüglich helfen können. So seien vermutlich Menschenleben gerettet worden.

1af6a86c-1874-11e7-b122-10534c34aa17

Bei einer Explosion in einer U-Bahn-Station im Zentrum der russischen Stadt St. Petersburg sind mindestens zehn Menschen getötet worden, etwa 50 Personen sollen verletzt worden sein.

Zur Bildergalerie

Die russischen Ermittler gehen davon aus, dass ein Selbstmordattentäter für den Anschlag verantwortlich war. Der Täter sei vermutlich einer der 14 Menschen, die bei der Bombenexplosion ums Leben gekommen seien, erklärte das russische Ermittlungskomitee am Dienstag. Er sei identifiziert worden. Ein Name wurde allerdings nicht genannt. Weitere 45 Verletzte würden noch in Krankenhäusern behandelt, teilte das Informationszentrum des staatlichen Anti-Terror-Komitees laut Nachrichtenagentur Tass am Montagabend mit.

Sprengsatz mit Metallteilen versehen

Behördenquellen schätzten die Sprengkraft auf 200 bis 300 Gramm TNT. Der Sprengsatz sei mit Metallteilen versehen gewesen, um die tödliche Wirkung zu verstärken. Nach unbestätigten Angaben wurde der Sprengsatz in einer Aktentasche in dem U-Bahn-Wagen abgelegt.

Zwei Stunden nach der Explosion fanden Ermittler in einem der geschäftigsten Petersburger U-Bahnhöfe einen weiteren Sprengsatz und entschärften ihn. Diese Bombe enthielt nach ihren Angaben einen Kilogramm Sprengstoff und war mit Splittern gefüllt.

Bekenneranrufe oder -schreiben gab es zunächst nicht. Der Hintergrund der Tat ist unklar. Der kirgisische Geheimdienst identifizierte aber einen in Kirgistan geborenen Russen als möglichen Verdächtigen. Man arbeite mit den russischen Ermittlern zusammen. Der Verdächtige sei zwischen 21 und 22 Jahre alt und heiße Akbarschon Dschalilow, hieß es bei den kirgisischen Behörden. Welche Rolle er genau bei dem Bombenanschlag gespielt haben soll, war demnach noch unklar.

Der Nachrichtenagentur Interfax zufolge gingen die Behörden am Montag davon aus, dass der Verdächtige in Kontakt zu radikal-islamischen Gruppen stand und den Sprengstoff per Rucksack in die U-Bahn brachte.

Medien berichteten am Montagabend, dass die Ermittler nach zwei Verdächtigen suchten. Einer von ihnen soll die Bombe in der Aktentasche unter einem Sitz in der U-Bahn platziert haben, wie die Agentur Interfax unter Berufung auf Sicherheitskreise meldete. Der andere soll die zweite Bombe deponiert haben – also die Bombe, die von Sicherheitskräften entdeckt und unschädlich gemacht worden war.

Staatsanwaltschaft geht von Terrorakt aus

Der russische Senator Viktor Oserow sagte der Nachrichtenagentur Interfax, die Explosion sehe aus wie ein Terroranschlag. Der russische Präsident Wladimir Putin erklärte, Ermittler prüften, ob es sich um einen Terroranschlag handele. Er sprach den Familien sein Beileid aus. Wie die russische Zeitung „Kommersant“ schrieb, stufte das Ermittlungskomitees der Russischen Föderation die Tat als „terroristischen Akt“ ein.

Davon gehen auch die Ermittler aus: „Die Staatsanwälte werden alles dafür tun, um alle Aspekte, die zu diesem Terroranschlag geführt haben, aufzuklären und solche Fälle in Zukunft zu vermeiden“, sagte Alexander Kurennoj, Vertreter der russischen Generalstaatsanwaltschaft, im russischen Staatsfernsehen.

Nutzer sozialer Medien posteten Fotos eines U-Bahn-Zuges mit demolierten Türen. Pendler versuchten Fenster und Türen zu öffnen, um zu sehen, ob noch Leute im Zug saßen. Mehrere Menschen lagen am Boden. Andere riefen nach Notarztwagen.

„Es roch nach Sprengstoff“

Reporter der Deutschen Welle zitierten einen Augenzeugen: „Ein heller Blitz und ein heftiger Knall, dann flogen Glassplitter. Es roch nach Sprengstoff. Den Geruch kenne ich von Militärmanövern, als da Sprengsätze gezündet wurden. Dann wurde es dunkel und ich konnte nichts mehr hören.“

Ein anderer Augenzeuge berichtete der Zeitung „Kommersant“: „Die Mehrheit der Metrostationen wurde abgeriegelt. Die Menschen müssen einfach zu Fuß durch die Stadt gehen, weil keiner weiß, was gerade passiert und was noch kommt. Die Menschen sind in Panik. Alle hier rufen ihre Mütter an. Die anderen nehmen Fotos und Videos auf, um sie ihren Nächsten zu schicken.“

„Unser Mitgefühl gilt den Betroffenen“

Russland gilt wegen seines Eingreifens im syrischen Bürgerkrieg, aber wegen der nach wie vor auch wegen der instabilen Lage in der unruhigen Kaukasusregion als mögliches Ziel von Terroristen.

In der Vergangenheit hatte es mehrere Anschläge auf die U-Bahn in Moskau mit zahlreichen Toten gegeben. Die meisten davon wurden in Verbindung mit islamistischen Terroristen aus Tschetschenien gebracht. In St. Petersburg gab es bislang keine Anschläge.

Der Sprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Steffen Seibert, schrieb auf Twitter: „Das sind furchtbare Nachrichten aus St. Petersburg: Unser Mitgefühl gilt allen Betroffenen und ihren Familien.“

Seehofer kondoliert per Brief

Auch Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat dem russischen Präsidenten Wladimir Putin sein Beileid ausgesprochen. „Mit großer Bestürzung hören wir in Bayern von dem schrecklichen Anschlag, der Ihre Heimatstadt St. Petersburg erschüttert hat“, schrieb Seehofer in einem Kondolenzbrief. „Unser herzliches Beileid gilt den Hinterbliebenen der Opfer, den Verletzten unser tiefes Mitgefühl. Wir beten für deren schnelle Genesung.“

Seehofer verurteilte den „barbarischen Anschlag“, der „unsere Art zu leben“ treffe, wie die Staatskanzlei am Dienstag in München mitteilte. Erst vor drei Wochen hatte der CSU-Chef bei einer Moskaureise Putin getroffen.

Am Dienstag sind wegen einer neuen Bombendrohung vier U-Bahn-Stationen in St. Petersburg geschlossen worden. Pendler wurden am Dienstag über Lautsprecher informiert, dass sie die Haltestelle am Sennaja-Platz sowie drei weitere nicht betreten dürften.

Die Metro in St. Petersburg

Die Untergrundbahn in St. Petersburg gilt als die tiefste der Welt. Aufgrund des sumpfigen Grundes mussten die Tunnelschächte in bis zu 100 Metern Tiefe und mehr gegraben werden. Die Rolltreppen in den Stationen sind entsprechend lang. Der Bau begann zu Sowjetzeiten. 1955 wurde im damaligen Leningrad die erste Linie eröffnet, 10,8 Kilometer lang mit acht Stationen. Einige Stationen sind besonders prunkvoll. Heute gibt es fünf Metrolinien mit einer Streckenlänge von etwa 110 Kilometern und 67 Stationen. Täglich werden schätzungsweise etwa drei Millionen Menschen befördert.

U-Bahnen als Ziel von Anschlägen

U-Bahnen waren schon oft Ziel terroristischerAnschläge. Häufig waren Russland oder frühere sowjetische Republiken betroffen. Die verheerendsten Angriffe:

März 2016: Islamistische Terroristen verüben in der belgischen Hauptstadt Brüssel einen Doppelanschlag auf den Flughafen und in der U-Bahn. 32 Menschen werden ermordet, mehr als 320 verletzt. Zudem kommen drei Selbstmordattentäter um.

April 2011: Bei einem Bombenanschlag in der Metro der weißrussischen Hauptstadt Minsk werden 15 Menschen getötet und etwa 150 verletzt. Die Verdächtigen sollen im Auftrag Oppositioneller gehandelt haben, heißt es zunächst. Der Präsident der autoritär regierten Ex-Sowjetrepublik, Alexander Lukaschenko, sagt später, es gebe keine Hinweise auf die Drahtzieher.

März 2010 in Moskau: In zwei Metro-Zügen sprengen sich Selbstmordattentäterinnen in die Luft. Sie reißen 40 Menschen mit in den Tod. Der Anführer der Islamisten im Nordkaukasus, Doku Umarow, bekennt sich zu den Anschlägen.

Juli 2005 in London: Beim ersten Selbstmordanschlag in Westeuropa zünden vier Muslime mit britischem Pass in drei U-Bahnen und einem Doppeldeckerbus Sprengsätze. 56 Menschen sterben, etwa 700 werden verletzt. Eine Geheimorganisation Kaida al-Dschihad bekennt sich zu den Anschlägen.

August 2004 in Moskau: Eine mutmaßliche Tschetschenin sprengt sich am Eingang einer belebten U-Bahn-Station in die Luft. Elf Menschen sterben, darunter die Attentäterin und ihr Komplize, ein seit langem gesuchter Terrorist aus der nordkaukasischen Teilrepublik Karatschai-Tscherkessien. Rund 50 Menschen werden verletzt. Die Terrorgruppe Islambuli-Brigaden der El Kaida bekennt sich zu der Tat.

Februar 2004 in Moskau: Bei einem vermutlich tschetschenischen Selbstmordanschlag in einem voll besetzten Waggon der U-Bahn werden mindestens 40 Fahrgäste getötet. Nach unterschiedlichen Angaben werden zwischen 100 und 230 Menschen verletzt.

Juni 1996 in Moskau: Auf einer viel befahrenen Linie explodiert unter einem Sitz eine Bombe. Vier Menschen sterben, zwölf weitere Fahrgäste werden verletzt.

Juli 1995 in Paris: Algerische Islamisten zünden eine Bombe in einer Untergrundbahn. Acht Menschen werden getötet, mehr als 100 verletzt.

März 1995 in Tokio: Mitglieder der japanischen Aum-Sekte setzen in mehreren U-Bahn-Waggons das Nervengas Sarin frei. Zwölf Menschen sterben, mehr als 5300 werden zum Teil schwer verletzt.

Mai 1994 in Baku (Aserbaidschan): Zwischen zwei Stationen explodiert in einem U-Waggon ein Sprengsatz, im Tunnel bricht Feuer aus. Sieben Reisende kommen ums Leben, zehn Menschen werden verletzt.

März 1994 in Baku: 13 Menschen sterben, als in einem voll besetzten Zug eine Zeitbombe explodiert. 50 Menschen werden verletzt. Die Behörden vermuten militante Muslime oder Armenier dahinter.

Januar 1977 in Moskau: Zwischen zwei Stationen explodiert ein unter einer Sitzbank versteckter Sprengsatz. Für den Mord an sieben Fahrgästen werden drei Armenier 1979 hingerichtet.

Von RND/as/fw/wer/dpa/AP

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Politik
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Serie, Weltkrieg, erster Weltkrieg, zweiter Weltkrieg Teaser der den User auf die Sonderseiten zum Thema Weltkrieg führen soll image/svg+xml Image Teaser Weltkrieg 2015-09-23 de Serie Erinnerung an Weltkriege Alle Beiträge und Bildergalerien zum Thema sowie Infos zu Ausstellungen und Museen finden Sie auf unseren Sonderseiten. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier. > Erster Weltkrieg > Zweiter Weltkrieg 1914 bis 1918 1939 bis 1945
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.
24. Juli 2017 - Alev Doğan in Allgemein

Es gibt eine Wahrheit, vor der auch ich mich schon lange drücke. Eine, die auszusprechen weh tut: Um die Türkei steht es im Moment nicht gut. Ach was, um die Türkei steht es im Moment miserabel.

mehr