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Politik Mit Entschuldigungen allein ist es nicht getan
Nachrichten Politik Mit Entschuldigungen allein ist es nicht getan
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23:32 10.04.2018
Facebook CEO Mark Zuckerberg vor dem US-Kongress. Quelle: imago/UPI Photo
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Washington

Daten zu sammeln, auszuwerten und zu Werbezwecken weiterzuverarbeiten ist das Geschäftsmodell von Facebook. Mark Zuckerberg gibt auf der Marathonsitzung des Handel- und Justizausschusses einen vielsagenden Einblick hinter die Kulissen seiner Firma. Ganz offen gesteht der 33-Jährige ein, dass ein Unternehmen, das im Studentenzimmer entstand, nach einem anderen Regelwerk funktioniere als ein herkömmliches Unternehmen: „Uns unterlaufen Fehler, aber wir stehen parat, diese Fehler schnellstmöglichst zu korrigieren.“ Im übrigen, so Zuckerberg, stehe über allem das Ziel, die Menschen weltweit „zum Guten“ zu vernetzen. Erst später in der Anhörung, die eher einem Verhör gleicht, kommt der Geschäftsmann auf den Punkt: Die selbstangefertigen Profile der Nutzer werden genauestens ausgewertet, um Werbung gezielt zu platzieren. Und in einem bisher noch nicht vollständig geklärten Ausmaß werden diese Erkenntnisse gewinnbringend verkauft. Gleich mehrfach gesteht Zuckerberg gegenüber den Senatoren ein, nicht immer den Verbleib der Daten sicherstellen zu können. Er betont lediglich, „eine Gemeinschaft zum Guten aufbauen zu wollen“.

Vieles bleibt trotz der hartnäckigen Fragen im Ungefähren: Welche Daten der Facebook-Nutzer werden genutzt, um Gewinne zu erzielen? Wer stellt sicher, wo die weitergeleiteten Daten letztendlich landen? Wie lässt sich eine Wiederholung des Datenmissbrauchs durch Unternehmen wie Cambridge Analytica verhindern, das Angaben über 87 Millionen Nutzern abschöpfte?

Senatoren wie Maria Cantwell, Lindsey Graham und Orrin Hatch werfen dem Multimilliardär vor, sich seit bald zehn Jahren aus der Verantwortung zu stehlen. Zuckerberg entschuldige sich zwar für diverse Missstände. Die Öffentlichkeit könne sich aber nach wie vor nicht darauf verlassen, dass dieser Missbrauch zeitnah endet. Zuckerberg signalisierte erstmals, dass das weltgrößte Online-Netzwerk eine Bezahl-Variante ohne Werbung bekommen könnte. „Es wird immer eine kostenlose Version von Facebook geben.“

Facebook-Mitarbeiter konzentrieren sich auf Verhinderung von Hassbotschaften

Ausgerechnet der konservative Senator Lindsey Graham bringt schließlich Datenschutzregeln nach europäischem Vorbild ins Spiel – auch der Facebook-Gründer deutet an, sich diese für die USA vorstellen zu können. Zuckerberg gesteht zum Ende des ersten Verhandlungstages ein, dass der Datenschutz genauer gefasst werden müsse, zumal sich die Manipulation von politischen Wahlen nicht wiederholen dürfe.

Wie der Konzernchef einräumt, konzentrieren sich seine Mitarbeiter zunächst einmal auf die Verhinderung von Hassbotschaften. Mehr als 20.000 Mitarbeiter rund um den Globus seien im Einsatz, um gefährliche Hetze aus dem Netz zu verbannen. Doch die Aufgabe gleiche einer Sisyphusarbeit: „Wir benötigen Experten in allen Sprachen der Welt. Das ist eine enorme Herausforderung“, so Zuckerberg. Er betrachte es als einen Erfolg, dass die große Mehrzahl der Terroraufrufe gelöscht und verhindert werden, bevor sie überhaupt an die Öffentlichkeit geraten. Gerade bei den Hasskommentaren gebe es aber noch einen enormen Nachholbedarf. Die Grenze zwischen freier Meinungsäußerung und den bösartigen Bemerkungen sei jedoch nicht einfach zu ziehen.

John Thune, Vorsitzender des Handelsausschusses, zeigt sich von dem Auftritt des Facebook-Chefs nicht überzeugt: „Wir geraten an einen Punkt, an denen uns die freiwilligen Zusagen von Facebook nicht mehr ausreichen. Der Zeitpunkt für mehr staatliche Regulierungen rückt näher.“ Für Empörung sorgt insbesondere die frühere Praxis, dass sich App-Entwickler die Informationen von Facebook-Nutzern zunutze machen konnten - und sie sogar gewinnbringend weiterreichten.

Von Stefan Koch/RND

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