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Feste Stimme, gerader Rücken: Hillary Clinton geht in Würde

Bitteres Karriere-Ende Feste Stimme, gerader Rücken: Hillary Clinton geht in Würde

Ihr ganzes Leben hat sie auf diesen Moment hingearbeitet: Hillary Clinton wollte als erste Präsidentin der USA Geschichte schreiben. Am Ende unterliegt sie dem Demagogen.

Washington. Im Angesicht der Niederlage ist sie noch einmal ganz Profi. Hillary Clinton mag gegen Donald Trump verloren haben, es war eine bittere Niederlage nach einem hässlichen Wahlkampf, aber der Abschied der Demokratin von der politischen Bühne ist würdevoll, staatsmännisch.

Aufrecht tritt die 69-Jährige am Mittwochmorgen vor ihre Mitarbeiter und Weggefährten. Sie sei stolz auf das Team, auf die vergangenen eineinhalb Jahre, auf das, was man erreicht habe, sagt sie. Dass es am Ende nicht reichte, tue weh. „Diese Niederlage schmerzt.“ Ihre Augen glänzen, aber die Stimme versagt ihr nicht ein einziges Mal.

Clinton wollte Geschichte schreiben, die erste Präsidentin der USA werden. Ihr ganzes Leben hat sie auf diesen Moment hingearbeitet. Am Ende unterliegt sie dem Demagogen und vor allem den vielen wütenden weißen Männern im Land.

Hinter ihr liegen Monate voller Hysterie. Der ganze Hass, all die niederträchtigen Sprüche. Die vielen Männer und Frauen, die schrien, sie gehöre eingesperrt. Ihre T-Shirts, auf denen stand, sie sei ein Miststück, eine Schlampe.

Die Frauen, die plötzlich wieder im Rampenlicht standen und sagten, Bill Clinton habe sie misshandelt. Julian Assange, der aus seinem Zimmer in der ecuadorianischen Botschaft in London heraus einen ganzen Köcher voller giftiger Pfeile gegen sie abfeuerte.

Der Gegner, den all das beflügelte, der dadurch wuchs, immer größer wurde. Trump war auch stark, weil Clinton so angreifbar war.

Wer hätte im April 2015 gedacht, dass es einmal zu diesem ungleichen Duell kommen würde. Voller Optimismus gab Clinton damals in einem Video ihre Kandidatur bekannt. Nur knapp 19 Monate sind seitdem vergangen. Es wirkt wie eine Ewigkeit.

Clinton war First Lady, sie war Senatorin, sie war Außenministerin. Sie war die logische Präsidentschaftskandidatin, aber sie passte nicht mehr in die Zeit. Die Menschen waren die politischen Dynastien leid, sie wollten keinen weiteren Bush im Weißen Haus, sie wollten keine Clinton. Sie war die Repräsentantin der Elite, des Alten, des Establishments. Sie hatte wohl auch zu viel Ballast.

Zusammen mit ihrem Mann Bill hat sie sich über Jahrzehnte eine Skandalchronik erarbeitet, seine Affäre mit der Praktikantin Monica Lewinsky ist nur die Spitze des Eisberges. Das Image der Korruptheit hängt an dem Ehepaar. Allzu oft suchten die Clintons in der Vergangenheit die Nähe zu Bankern und großen Spendern. Als Außenministerin traf sie sich mit Leuten, die Geld gaben für die familieneigene Stiftung. Das verfing.

Über alldem schwebte die Affäre, die sie einfach nicht los wurde. Das Wort E-Mail hat 2016 seine Unschuld verloren. Dass sie als Außenministerin ihre dienstlichen Nachrichten auch über einen privaten Server geschickt hatte, und 30 000 davon löschte, erweckte bei vielen Menschen den Eindruck, da stellt sich eine Politikerin über das Gesetz.

Clinton blieb angreifbar, auch als das FBI seine Ermittlungen in der Affäre eingestellt hatte. Es kam alles wieder hoch, als FBI-Chef James Comey vor wenigen Tagen schrieb, es seien neue E-Mails aufgetaucht. Es ist ein Treppenwitz der Geschichte, dass Ermittler sie auf dem Rechner eines Kongressabgeordneten fanden, der pralle Unterhosen-Bilder verschickt hatte.

Als wäre das nicht genug, veröffentlichte Julian Assange Tranche um Tranche gehackter E-Mails der Demokraten. Man erfuhr daraus, dass es einen großen Unterschied gibt zwischen der privaten und der öffentlichen Person Clinton. Dass sie diesen Kontrast sogar einräumt. Man sah auch, welche Machenschaften hinter den Kulissen am Werk waren. Wie Mitarbeiter gegeneinander intrigierten. Wie sie über ihre Kandidatin dachten. Es lag alles offen wie eine riesige klaffende Wunde.

Am Anfang war sie die Favoritin, am Ende nur das kleinere Übel. Das hat viel mit Trump zu tun, aber auch mit ihr selbst. Es gab in diesem Wahlkampf nur einige wenige Momente, in denen Clinton ganz bei sich war. Als sie Trump in der ersten Fernsehdebatte vorführte, mit Fakten und Zahlen auftrumpfte, war das so ein Augenblick. Da stand die Staatsfrau, die sie sein kann, die sie eigentlich schon lange ist.

Clinton hat schon einmal verloren. 2008 unterlag sie in den Vorwahlen Barack Obama. Der trat damals mit einer großen, optimistischen Vision für das Land an. Auch Trump versprach Wandel, aber seine Zustandsbeschreibung von Amerika war düster, sie zielte ganz auf die Spaltung des Landes ab. Clinton wollte dem etwas Helles entgegensetzte, sie setzte auf Minderheiten und Benachteiligte, auf Zusammenhalt und Gleichberechtigung. Es reichte nicht.

Sie hat ihre Gelegenheit nicht bekommen. Sie darf die große Bühne nicht betreten.

dpa

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